Kostenfrage

Bezahlen für Religionsunterricht? Aargauer Landeskirche winkt ab

Einige Gemeinden bitten konfessionslose Eltern für den Religionsunterricht zur Kasse. (Symbolbild)

Einige Gemeinden bitten konfessionslose Eltern für den Religionsunterricht zur Kasse. (Symbolbild)

Sollen Eltern für den Religionsunterricht ihrer Kinder bezahlen, wenn sie keiner Landeskirche angehören? Die Solothurner Landeskirchen empfehlen genau das. Im Aargau ist man zurückhaltender.

Im solothurnischen Lohn-Ammannsegg müssen Eltern 200 Franken pro Jahr bezahlen, wenn sie ihre konfessionslosen Kinder in den Religionsunterricht schicken wollen. Beschlossen haben das die katholische und reformierte Kirchgemeinde.

Sie folgen damit einer offiziellen Empfehlung der Solothurnischen interkonfessionelen Konferenz (Siko), der Vereinigung der drei Landeskirchen im Kanton Solothurn. Lohn-Ammansegg ist nicht die erste Kirchgemeinde, die diesem Aufruf nachkommt.

Kein Kinderhütedienst

«Bei den 200 Franken handelt es sich eigentlich um einen symbolischen Beitrag», erklärte Stefan Keiser, Gemeindeleiter der katholischen Pfarrei Lohn-Ammannsegg-Bucheggberg unlängst in der «Solothurner Zeitung.» Es gebe vermehrt Kinder, die keiner Landeskirche angehören. Da sei es nur fair, dass die Kosten von allen mitgetragen werden.

Auch Familien mit anderen Religionen, beispielsweise Muslime, müssen bezahlen, wenn ihre Kinder am Religionsunterricht teilnehmen. «Uns geht es auch darum, dass wir nicht zu einem Kinderhütedienst werden», so Keiser. 

Chance für Kinder

Im Kanton Aargau gibt es ebenfalls eine Empfehlung. Die reformierte Landeskirche will konfessionslose Eltern aber nicht zur Kasse bitten, wie das SRF Regionaljournal berichtet. 

«Der Religionsunterricht ist eine Chance, den Kindern und Jugendlichen soziale Kompetenzen und die christlichen Traditionen zu vermitteln», begründet dies Frank Worbs, Medienbeauftragter der Reformierten Landeskirchen Aargau gegenüber dem Journal.

Das ist verständlich. In Zeiten steigender Austrittszahlen will die Kirche potentielle Gemeindemitglieder nicht auch noch mit einer Bezahlpflicht fernhalten.

In Solothurn legt man den Fokus hingegen auf Gleichbehandlung. «Jene Eltern, die der Kirche angehören und Kirchensteuern bezahlen, finanzieren den Unterricht», sagt Theres Mathys von der Siko gegenüber SRF. Kinder von konfessionslosen Eltern, die am Religionsunterricht teilnehmen, würden dadurch von einer Sonderbehandlung profitieren.

Kirchgemeinden entscheiden individuell

Grundsätzlich ist der Religionsunterricht ein Schulfach wie jedes andere. Die Eltern können aber individuell entscheiden, ob ihr Kind daran teilnehmen soll. Ob dies für Konfessionslose kostenpflichtig ist oder nicht, liegt in der Hand der jeweiligen Kirchgemeinden, die für den Unterricht zuständig sind. (cze)

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