Nagra
Beyeler: Endlagerung des Atommülls ist nationale Aufgabe

Die Atommüll-Diskussion bewegt im Kanton Aargau die Gemüter. Auch für Regierungsrat Peter C. Beyeler ist der Entscheid der Nagra nicht ganz nachvollziehbar. Politischen Einfluss auf die Auswahl will und kann aber weder Beyeler noch der Kanton nehmen.

Elia Diehl
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Sieben der zwanzig Standorte für die so genannten Oberflächenanlagen zu einem möglichen Endlager liegen im Aargau. Hat sich der Atomkanton, mit drei Atomkraftwerken und einem Zwischenlager, dies selbst eingebrockt? Werner De Schepper konfrontierte den FDP-Regierungsrat Peter C. Beyeler im «Duell Aktuell» auf Tele M1 mit dieser provokanten Behauptung. Rufe man Atom in den Wald, so halle auch Endlager heraus, sagte De Schepper.

Duell Aktuell

Der TV-Sender Tele M1 strahlt die Sendung «Duell Aktuell» zur Atommüll-Diskussion heute Abend um 18.25 Uhr aus. Zu Gast bei Moderator Werner De Schepper ist heute der Regierungsrat Peter C. Beyeler. Die Sendung wird stündlich wiederholt.

«Nein, nein und nein», lautete Beyelers deutliche Antwort. Der Energiekanton Aargau produziere seit jeher Strom für die ganze Schweiz, auch für Kantone, welche sich dem Kampf gegen die Kernkraft verschrieben hätten. Das Motto «Wer den Dreck macht, der räumt auch auf» sei in diesem Fall nicht anwendbar. Die Endlagerung des Atommülls sei eine nationale Aufgabe.

Aargau ist prädestiniert

Der Kanton Aargau sei geographisch und geologisch prädestiniert für die Energieproduktion und Endlagerung, begründet der Bauinginieur Beyeler die Auswahl der Nagra. Es sei zwar zu erwarten gewesen, dass der Kanton Aargau stark im Fokus der Nagra stehen werde, da dieser viele Kriterien des Nagra-Katalogs erfülle. Die Auswahl der einzelnen Standorte hingegen sei aber nur schwer nachvollziehbar.

Im Fall Kölliken attestiert Beyeler dem Bund zusätzlich fehlende Sensibilität. Mit der Sondermülldeponie trage die Gemeinde bereits eine grosse Hypothek. Zwar falle diese Last bis zum Ende des Jahrzehnts von Kölliken ab, dennoch sei der Entscheid ungeschickt.

Sicherheit und Fairness

Noch 2010 galt Benken im Zürcher Weinland bereits als sicherer Standort für ein Atommüll-Endlager. Moritz Leuenberger, damaliger Bundesrat, forderte dann aber die Prüfung von Alternativen. Einen Vergleich mehrerer Standorte sieht auch Beyeler als Verpflichtung. «Das ist ein demokratischer Prozess, auch im Sinne der Fairness», sagte er. Benken sei der bisher am besten erforschte Standort. Die Nagra wurde nun damit beauftragt alle Fakten über alle möglichen Standorte zusammenzutragen.

Der Kanton Aargau hat unabhängig eine Expertenkommission einberufen, welche anhand der Ergebnisse bewerten soll, welches der sicherste Ort für die Atommüll-Lagerung ist.

Kanton will keinen Einfluss nehmen

Politischen Einfluss auf die Auswahl will und kann weder Beyeler noch der Kanton nehmen. Einen Appell an den Kanton Zürich und Benken schliesst Beyeler aus. Das Motto «Alle gegen einen» sei nicht förderlich. Man wisse zwar, dass Benken gut sei, letzten Endes liege, nach der Auswertung der verschiedenen Statistiken, der Entscheid aber beim Bundesrat.

Über die Wahrscheinlichkeit einzelner Standorte wollte Beyeler keine Aussage machen. «Das ist reine Spekulation. Wir müssen Abwarten bis die Fakten zusammengetragen sind.»

Das Bundesamt für Energie als auch die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) indes kniffen. Sie waren nicht bereit, in der Sendung «Duell Aktuell» weitere Auskünfte zu geben.