Safenwil
Bewohner machen via Facebook und Flugblatt gegen Asyl-Container mobil

Eine Gruppierung ruft die Einwohner von Safenwil auf, am kommenden Montag am Informationsabend zur geplanten Containersiedlung für Asylsuchende dabei zu sein.

emiliana salvisberg
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Eine Container-Siedlung (wie hier in Zürich) soll auch in Safenwil entstehen.

Eine Container-Siedlung (wie hier in Zürich) soll auch in Safenwil entstehen.

Chris Iseli

An der Köllikerstrasse in Safenwil soll eine Containersiedlung mit 75 Einheiten für 95 Asylsuchende entstehen. Das vom Kanton Aargau geplante neue kantonale Zentrum für Asylsuchende erhitzt in der rund 3700 Einwohner zählenden Gemeinde die Gemüter und regt den Widerstand. Die Facebook-Gemeinschaft «Safenwil sagt Nein zum Asylcontainerbau» hat innert weniger Tage gegen 600 Likes generiert. «Täglich wird der Teilnehmerkreis grösser», sagt Marco Rulli. Der Bauunternehmer steht mit weiteren engagierten Safenwilern hinter der Gruppierung.

Zu dieser gehört auch Michel Waldmeier. «Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Aufnahme von Asylsuchenden. Uns widerstrebt aber, mit welcher Willkür die Regierung diese Unterbringung vollziehen will», unterstreicht der selbstständige Coach. In Windeseile hat er das Flugblatt «Asylunterbringung Ja, aber nicht auf diese Art und Weise!» verfasst. Mithilfe von Marco Rulli und zehn freiwilligen Helfern wurden bis gestern die Flugblätter in jeden Safenwiler Briefkasten verteilt. Mit dem Aufruf erhofft sich die Gruppierung eine rege und aktive Teilnahme an der Informationsveranstaltung. Am Montag, 22. Februar wird um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle der Kantonale Sozialdienst die Einwohner über die geplante Asylunterbringung ins Bild setzen.

Friedlicher «Einmarsch»

Um ein sichtbares Zeichen der Ab- und Auflehnung zu setzen, lädt die Gruppierung vor dem Anlass zu einem gemeinsamen, friedlichen «Einmarsch» auf. Vom Treffpunkt Bahnhof Safenwil aus geht es um 19 Uhr Richtung Mehrzweckhalle. «So wollen wir sichtbar unseren Unmut über dieses Vorhaben demonstrieren», sagt Marco Rulli. Der KMU-Inhaber erklärt, dass Fackeln, Lampen, Lampions, Spruchbänder und Banner mit Parolen gegen die geplante Containersiedlung erwünscht sind. «Knaller, Petarden, generelle Äusserungen gegen Flüchtlinge, Asylanten und Ausländer sowie niveaulose Parolen und Sprüche oder Aussagen gegen Politiker oder Parteien werden jedoch nicht geduldet.»

Nicht nur der Gruppierung stösst die Vorgehensweise der kantonalen Behörden und die Ausführungsart des geplanten Projektes sauer auf. Auch Gemeindeammann Daniel Zünd hat sich letzte Woche bei der Bekanntgabe des kantonalen Vorhabens klar davon distanziert. Der Gemeinderat sei enttäuscht, dass der Kanton die Gemeinde Safenwil noch mehr belasten wolle. «Über alle Aktivitäten in diesem Zusammenhang bin ich bestens informiert», versicherte Zünd gestern. Er erklärte, dass die Feuerwehr am Montag für die verkehrstechnische Sicherheit der Marschgruppe sorgen werde. «Es ist uns ein grosses Anliegen, dass der Marsch sowie der Infoabend friedlich und gesittet ablaufen. Wir sind eine Vorbildgemeinde und wollen es auch bleiben», unterstreicht Zünd.

Baugesuch liegt noch nicht vor

Das Baugesuch liegt gemäss dem Ammann noch nicht vor. «Wir werden es aber genau prüfen», versichert er. Die Planung und Finanzierung des Projektes übernimmt die Eigentümerin der Parzelle, die Swiss Domizil Rental AG in Hergiswil. Auf dem unbebauten Grundstück, das sich zwischen Kantonsstrasse und Bahngleisen befindet, sollen 75 Containereinheiten aufgestellt werden. Der Kantonale Sozialdienst tritt als Mieter der Parzelle auf. Die Mietdauer erstreckt sich über zehn Jahre. Im Vertrag ist eine Verlängerungsoption enthalten.

«Unsere Gemeinde hat mit 28 Asylsuchenden schon mehr als das Doppelte der geforderten Menge erfüllt», sagt Michel Waldmeier. Er gibt zu bedenken, dass es im Aargau immer noch Gemeinden gibt, die ihre Aufnahmepflicht nicht erfüllen. Seit Anfang dieses Jahres sind Gemeinden gezwungen, eine vom Regierungsrat festgelegte Anzahl Asylsuchende aufzunehmen und zu betreuen. Kommt eine Gemeinde dem nicht nach, geht dies ins Geld. Konkret: 110 Franken pro Person und Tag. Nicht so in Safenwil – die Gemeinde hat vor zwei Jahren eine Liegenschaft am Schnepfwinkel gekauft und bietet «freiwillig» zusätzliche Plätze an. Seit längerem in Betrieb ist die Unterkunft am Höliweg. Beide Häuser liegen peripher. Nicht so die geplante Containersiedlung, deren Standort sich in unmittelbarer Nähe der Schulanlagen und des Dorfzentrums befindet.

Marco Rulli und Michel Waldmeier sind konsterniert: «Unsere Gemeinde, die ihre Pflicht mehr als erfüllt hat, soll nun bestraft werden, indem die Regierung zusätzlich 95 Asylsuchende in unserem Dorf unterbringen will.» Neben der Vorgehensweise stellt Bauunternehmer Rulli die Grösse der Parzelle, den Standort allgemein und die Containerbauweise an sich infrage: «Die Parzelle ist ungünstig gelegen und viel zu klein für ein solches Projekt.»

Infoveranstaltung am Montag 22. Februar, 19.30 Uhr, Mehrzweckhalle Safenwil.

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