Der Schweizerische Gemeindeverband hat das Jahr 2019 zum Jahr der Miliz erklärt. Die von Renate Gautschy präsidierte Gemeindeammännervereinigung des Kantons Aargau sowie das für die Gemeinden zuständige Departement Volkswirtschaft und Inneres von Landammann Urs Hofmann befassen sich schon seit Jahren intensiv mit den Problemen und der Zukunft der Milizarbeit auf Stufe Gemeinde und Kanton.

Deshalb nahmen sie den Faden gern auf und lancierten gemeinsam ein Filmprojekt. Dessen Ergebnis stellten sie in Aarau der Öffentlichkeit vor. Im rund zehnminütigen Kurzfilm erzählen Milizpolitiker von den verschiedenen Aspekten der Milizarbeit.

Im Vordergrund steht die Milizarbeit im Gemeinderat. Der Film, in dem sich die Aargauer Gemeindepolitiker Gautschy und Hofmann äussern, soll die Schwelle für möglichen Behörden-Nachwuchs senken.

Sagen, was Kandidaten erwartet

Gautschy und Hofmann zeigten sich bei der Präsentation zutiefst überzeugt, dass dem System Sorge zu tragen sei. Hofmann ist bewusst, dass das schweizerische Milizsystem einzigartig ist, auch wenn es in anderen Ländern ebenfalls Milizpolitiker gibt: «Wenn von Miliz die Rede ist, denken viele in Deutschland aber eher an einen paramilitärischen Verband.»

2019 ist das Jahr der Milizarbeit

2019 ist das Jahr der Milizarbeit

Um das Milizsystem zu stärken und fit für die Zukunft zu machen, deklariert der SGV das Jahr 2019 zum "Jahr der Milizarbeit". Die Gemeindeammänner-Vereinigung des Kantons Aargau lanciert dazu in Zusammenarbeit mit dem Departement Volkswirtschaft und Inneres Kanton Aargau diesen Kurzfilm, mit Einblicken in die Welt eines Milizpolitikers aus erster Hand.

Das System habe sich grundsätzlich bewährt. Aber es sei mittlerweile teilweise schwierig, neue Behördenmitglieder zu finden. Gemeinderatsarbeit bedinge eine gut organisierte Verwaltung, damit sich die Exekutive auf ihre strategischen Aufgaben konzentrieren und die Gemeinderäte dies mit ihrem jeweiligen Beruf zeitlich vereinbaren können, so Hofmann.

Man müsse möglichen Kandidierenden aber auch sagen, was auf sie zukommt, damit sie nicht falsche Erwartungen hegen. Milizarbeit solle nicht gar in kleinen Gemeinden schleichend zum Vollpensum werden. Vollamtliche Gemeindepräsidenten kennt man mittlerweile im Thurgau und in St. Gallen. Dort kann man sich von irgendwo bewerben.

Fehlende Identifikation

Auf diese Weise könne schon mal die Identifikation mit der Gemeinde fehlen, hakt Renate Gautschy ein. Unlängst habe ein Bündner, der sich für so ein Amt im Kanton St. Gallen erfolgreich beworben hat, dieses nach drei Jahren zurückgegeben, weil er nicht heimisch wurde. Da kann man sich fragen, was das der Gemeinde bringt.

Hier lernt man führen

Gautschy ist seit vielen Jahren Gemeindeammann von Gontenschwil. Milizarbeit bedinge die Bereitschaft, Zeit aufzuwenden, die Fähigkeit zu einer guten Selbsteinschätzung, man müsse Menschen gern haben und mit ihnen respektvoll umgehen wollen und können, auch der Humor dürfe nicht fehlen.

Als Gegenwert bekomme man sehr viel: «Man lernt im Gemeinderat führen, Projekte zu leiten, erwirbt Kompetenzen im eigenen Ressort, etwa in den Bereichen Finanzen, Bildung oder Soziales, baut ein Netzwerk auf.» Man müsse aber auch wissen, dass man sich in einen Glaskasten begebe. Gautschy will sich einsetzen, «dass das Milizsystem immer wieder gestärkt wird».

Zusätzliche Fähigkeiten, welche Milizpolitiker ins berufliche Leben mitnähmen, würden von der Wirtschaft vielfach zu wenig beachtet oder noch unterschätzt, hiess es weiter an der Präsentation des Kurzfilms.