Bettwil
Bettwils Schibler zieht nach Buchs: «Werde mich mal in der Ortspartei umschauen»

Wolfgang Schibler, der wegen seines Kampfs gegen die Asylunterkunft in Bettwil schweizweit bekannt wurde, zieht nach Buchs. Er will näher bei der Stadt sein. Wieso er nicht gleich nach Aarau zieht und was er politisch vorhat, sagt er im Interview.

Fabian Muster
Drucken
Teilen
Fackelzug gegen Asylunterkunft in Bettwil (Archivbild).

Fackelzug gegen Asylunterkunft in Bettwil (Archivbild).

Pascal Meier

Bettwil hat Sie schweizweit bekannt und zum Grossrat gemacht. Warum kehren Sie nun dem 550-Seelen-Dorf, dem Sie so viel verdanken, den Rücken?

Wolfgang Schibler: Das ist zu negativ ausgedrückt. Ich und meine Frau sind seit einiger Zeit auf der Suche nach Wohneigentum in der Peripherie von Aarau. Wir haben relativ schnell eine Wohnung gefunden, die uns zusagt. Wenn man den Wohnort wechselt, bedingt dies aber, dass man alle öffentlichen Ämter in der Gemeinde abgibt. Ich gehe aber mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Sie schreiben in der Mitteilung, dass es auch der Wunsch Ihrer Familie war, von Bettwil wegzuziehen: Mussten Sie sich dem Willen Ihrer Frau fügen?

(Lacht) Nein, das haben wir gemeinsam entschieden. Die Nähe zu Aarau hat gewisse Vorteile: die Kultur, die Anbindung an den öffentlichen Verkehr, die Aare, aber auch, dass ich nun näher an meiner Heimat Olten bin, woher ich ursprünglich stamme.

Sie ziehen nach Buchs, weil sie urbaner wohnen wollen. Wieso nicht gleich in die Stadt Aarau?

Wir wären auch nach Aarau gezogen, wenn wir etwas gefunden hätten. Aber wir wohnen in Buchs eine Viertelstunde von der Aarauer Altstadt und vom Bahnhof entfernt.

Gab es schon enttäuschte Rückmeldungen von Bettwilern?

Nein. In einem Dorf gibt es immer zwei Parteien. Diejenigen, die einen gut mögen, und andere, die sagen, zum Glück geht er endlich. Das ist so in einem öffentlichen Amt. Man kann es nie allen recht machen.

Sie zogen erst 2006 nach Bettwil und engagierten sich daraufhin gleich im Gemeinderat und wurden vier Jahre später Gemeindeammann. Auf was muss sich Buchs nun gefasst machen?

Auf nichts. Ich bin ja erst ab 1. Oktober in Buchs und gehe davon aus, dass ich nicht gleich auf Gemeindeebene politisch aktiv werde. Aber ich werde mich sicher mal in der Ortspartei umschauen.

In Buchs gibt es eine Asylunterkunft, die wegen dealenden und klauenden Bewohnern bereits in der Schlagzeilen war. Werden Sie nun auch dagegen kämpfen?

Nein, das kommt mir nicht in den Sinn. Der Widerstand in Bettwil ist aus dem Volk gewachsen und ich war gleichzeitig Ammann. Aber: Wenn in Buchs etwas passieren sollte und die SVP kommt auf mich zu, dann kann man mit mir reden.

Sie arbeiteten vor ihrer Pensionierung für eine Ärztekasse und sassen für diverse Firmen aus dem Gesundheitswesen im Verwaltungsrat. Was haben Sie nun in der vielen freien Zeit vor?

Als Grossrat habe ich noch sehr viel zu tun. Zudem betreibe ich viel Sport. Ich trainiere zurzeit auf dem Velo, weil ich im August mit Kollegen von Genf nach Barcelona und dann weiter über die Pyrenäen nach Porto radle.

Aktuelle Nachrichten