Bis letzten Herbst kannte auch ausserhalb des Freiamts kaum jemand die höchstgelegene Gemeinde des Aargaus auf dem Lindenberg mit Ausblick auf den Hallwilersee und die Alpen. Bis der Kanton und der Bund entschieden, in der ausgedienten Militäranlage ausserhalb Bettwils 140 Asylbewerber unterbringen zu wollen. Der Widerstand der Einwohner machte das Dorf in der ganzen Schweiz bekannt. Und ihren Gemeindeammann Wolfgang Schibler zum SVP-Grossrat.

Hochburg des bürgerlich geprägten Aargaus

Die Analyse der Wähleranteile zeigt nun, dass das 550-Seelen-Dorf die bürgerliche Hochburg des bürgerlich geprägten Aargaus ist: 94,5 Prozent der 196 Wählerinnen und Wähler entschieden sich für CVP, FDP, SVP oder BDP. Nur 5,5 Prozent warfen die Liste respektive die Namen von Sozialdemokraten und Grünen in die Urne. Die SP schnitt mit einem Wähleranteil von 2,3 Prozent kantonsweit sogar am schlechtesten ab. Das Hin und Her um die Asylunterkunft vermochte zudem die Stimmberechtigten zu mobilisieren.

Fast die Hälfte ging an die Urne: Mit 47 Prozent hatte Bettwil die dritthöchste Stimmbeteiligung hinter der Kleingemeinde Wiliberg, dem Wohnort von SVP-Regierungskandidat Thomas Burgherr, und Leuggern, wo mit Kurt Wyss und René Huber (beide CVP) gleich zwei Köpfe der Gippinger Radsporttage fürs Parlament kandidierten.

CVP ist nicht mehr aktiv

Bettwils Gemeindeammann Wolfgang Schibler freut sich über das gute Abschneiden der SVP (mit 58,3 Prozent der fünfthöchste Wert im Kanton) und der anderen bürgerlichen Parteien. Die SVP ist im Dorf die einzige Ortspartei, die CVP im katholisch geprägten Dorf nicht mehr aktiv. Im Gemeinderat sind indes ausser Schibler alle anderen vier Mitglieder parteilos. «Im Rat steht die Sachpolitik im Vordergrund, für Parteipolitik hat es keinen Platz», sagt er.

Am stärksten nach links schlug bei den vergangenen Wahlen das Städtchen Kaiserstuhl im Zurzibiet aus. 41,2 Prozent der 85 Wähler in der flächenmässig kleinsten Aargauer Gemeinde mit 400 Einwohnern wählten entweder SP oder Grüne. Die Sozialdemokraten kamen hier mit 28,6 Prozent kantonsweit auf den höchsten, die SVP mit 18 Prozent auf den zweittiefsten Wert. «Seit Jahrzehnten ticken die Kaiserstuhler urban», sagt Stadtammann Fritz Tauer. Eine Ausnahme: Das Zurzibiet wählt sonst mehrheitlich SVP und CVP.

Geltwil, das vor einigen Wochen dank der Millionenspende für erneuerbare Energien von Unternehmer Franz Käppeli positive Schlagzeilen hatte, ist der Hort der traditionellen Mitte. FDP und CVP haben hier mit 58,7 Prozent wähleranteilsmässig die Mehrheit inne – so viel wie keine andere Gemeinde im Kanton. Gemeindeammann Urs Hornecker begründet dies mit dem Zuzug von Gewerblern in den letzten Jahren. Allerdings sei das Resultat etwas zufällig: Wenn nur einige Stimmberechtigte der 186 Einwohner die Seite wechselten, würde das Ergebnis bereits ändern.