Neben dem Hospiz Aargau sind im Kanton auch die Landeskirchen, diverse Spitäler, Heime und Spitexorganisationen in der Palliative Care tätig.

Dazu gibt es die Plattform Palliative Aargau, die Schwerkranke und ihre Angehörigen über die Betreuungsangebote informiert und Fachpersonen die Möglichkeit für Wissensaustausch, Weiterbildung und Vernetzung bietet.

Für zahlreiche Grossratsmitglieder ist dies nicht genug: Die Fraktionen von FDP, CVP, EVP/BDP, SP und Grünen verlangen in einer Motion ein Konzept für Palliative Care im Aargau. Der Regierungsrat soll aufzeigen, wie ein bedarfsgerechtes, koordiniertes und kostengünstiges Leistungsangebot aussieht.

Die letzten Lebensjahre eines Menschen seien aus finanzieller Sicht oft die teuersten, heisst es im Vorstoss. Ärzteschaft, Patienten und Angehörige stünden vor grossen Schwierigkeiten, «wenn sie sich entscheiden müssen, welche Behandlungen noch sinnvoll und richtig sind».

Politik sieht Handlungsbedarf

Im Aargau bestehe Handlungsbedarf für ein kantonales Konzept, heisst es in der Motion. In der Gesundheitspolitischen Gesamtplanung 2010 existiere zwar eine strategische Grundlage zu Palliative Care, wobei «die Sicherstellung spezialisierter Angebote explizit festgeschrieben wird».

Laut der Pflegeheimkonzeption erhalten Organisationen mit speziellen Abteilungen im Aargau einen Leistungsauftrag. Die Leistungsvergabe an Spitäler erfolgt über die Spitalliste. Laut den Motionären fehlen aber Strukturen für die Koordination zwischen Grundversorgung in den Spitälern und spezialisierter Versorgung in anderen Institutionen.

Die Spitex habe zwar in gewissen Zentren ein Palliative-Care-Angebot aufgebaut und könne im ambulanten Bereich Unterstützung bieten. Angesichts der steigenden Nachfrage nach Palliative-Care-Leistungen entspreche das Versorgungsangebot im Aargau aber nicht den Vorgaben des Bundes.

Der Kanton muss aus Sicht der Motionäre bei der Vergabe von Leistungsaufträgen die Führung übernehmen und die Kriterien für spezialisierte Palliative Care und Grundversorgung klarer festlegen.

Das Gesundheitsdepartement hat schon einmal ein Palliative-CareKonzept erstellt. Dabei seien viele Fachpersonen einbezogen worden, die gute Arbeit leisteten. «Doch das entstandene Konzept wollte wohl zu viel, ssodasses nie umgesetzt wurde.» Einzig die Förderung der Ausbildung sei mit gutem Erfolg realisiert worden.

Nun fordern die Grossräte einen neuen Anlauf. Sie sind überzeugt, dass mit einem kantonalen Konzept die Versorgung sinnvoll und gezielt gefördert, Lücken und Doppelspurigkeiten identifiziert und die Koordination verbessert werden können.

Dabei müssten auch die nichtmedizinischen und vielfach freiwilligen Akteure einbezogen werden, «die wichtige Dienste leisten bei der sozialen, seelisch-geistigen und religiös-spirituellen Betreuung».