Coronavirus

Besuche im Altersheim: «Sie ersetzen keine Umarmung, die Situation ist unbefriedigend»

Im Alterszentrum Bruggbach in Frick wurde eine «Begegnungszone» geschaffen.

Im Alterszentrum Bruggbach in Frick wurde eine «Begegnungszone» geschaffen.

Seit Anfang der Woche darf man seine Liebsten im Altersheim wieder besuchen. Normal ist allerdings noch nichts. Alles geschieht unter strengen Auflagen.

Besuche in Aargauer Altersheimen sind – mit strengen Auflagen – wieder möglich. Aus dem generellen Besuchsverbot wurde Anfang Woche ein kontrolliertes Besuchsrecht. Besucher müssen sich registrieren und eine Gesundheitscheckliste ausfüllen; der Besuch hat in einem geschützten Rahmen stattzufinden; die Hygienevorschriften müssen ständig eingehalten werden können. Doch viele ­Heime waren schneller als der Kanton und haben Schutzkonzepte erstellt, sodass Besuche schon vor der offiziellen Lockerung möglich waren.

Boxen, Begegnungszonen und Tablets

So zum Beispiel der Reusspark in Niederwil. Seit dem 21. April kann man hier seine Angehörigen besuchen. Das Heim hat dazu sechs «Boxen» eingerichtet. Auf der einen Seite sind sie vom Heim zugänglich, auf der anderen Seite von draussen her. Die Menschen können sich telefonisch anmelden und setzen sich hinter Plexiglas gegenüber. Wer nicht persönlich vorbeikommt, kann die Bewohner auch per Videoanruf erreichen. Das Heim hat dafür mehrere Tablets angeschafft. Die würden allerdings noch verhalten benutzt, sagt der stellvertretende Direktor Tobias Breitschmid: «Die Besuchsboxen kommen bei den Menschen besser an.»

Das Problem anders gelöst hat das Alterszentrum Obere Mühle Lenzburg. Eine Box hat es hier für Besucher, ansonsten finden die Treffen draussen statt, auf Bänken, mit Abstand. Dieses System sei soweit ganz gut angelaufen, sagt Geschäftsführer Michael Hunziker. Die nächsten Überlegungen macht man sich bereits. Über den Bänken werden Zelte aufgestellt. Dazu könnten Tische mit Plexiglas gestellt werden. Und der nächste Schritt wäre dann, die Cafeteria mit Schutzmassnahmen wieder zu öffnen. So weit ist man aber noch nicht.

«Das Schlimmste wäre, wenn wir die Lockerungen in ein paar Tagen wieder zurücknehmen müssten», sagt Hunziker. Deshalb warte man etwas zu, was die Massnahmen in anderen Heimen für Folgen hätten, bevor man sie selbst einführt. In Lenzburg und in Niederwil werden die Besuchsmöglichkeiten rege genutzt. Die Leute stehen aber nicht gerade Schlange. Die Besuchszahlen sind deutlich tiefer als in normalen Zeiten.

Ähnlich ist die Stimmung in den beiden Alterszentren des Vereins für Altersbetreuung im oberen Fricktal in Frick und Laufenburg. Für Besuche ist hier keine Voranmeldung nötig. Im Aussenbereich sind Boxen aufgestellt, das Heim hat zudem eine Begegnungszone eingerichtet, mit baulichen Massnahmen wird dort sichergestellt, dass der Abstand eingehalten wird. Boxen und Begegnungszone sind frei zugänglich.

«Schon einige berührende Momente erlebt»

Man habe sich dafür entschieden, weil dies Selbstbestimmung und Autonomie ermögliche, erklärt Geschäftsführer Andre Rotzetter. «Seit die Besuche wieder möglich sind, haben wir einige berührende Momente erlebt.» Er ergänzt aber: «Die Besuche ersetzen keine Umarmung, die Situation ist unbefriedigend.» Deshalb stellt er sich die Frage, wie es denn weitergehen soll. Denn allzu lange könne man diese Einschränkungen wohl nicht aufrechterhalten. Es gelte einen Mittelweg zu finden, eine Güterabwägung zwischen dem Schutz der Menschen auf der einen und einer möglichst hohen Lebensqualität auf der anderen Seite.

Sollten die Ansteckungszahlen weiter sinken, kann er sich weitere Lockerungen durchaus vorstellen. So könnte man etwa mit bestimmten, nahen Angehörigen fixe Regeln abmachen. Und so lange diese Regeln eingehalten werden, können diese die Bewohner wieder etwas «normaler» besuchen. Rotzetter hofft auf den Bundesrat, der für den 8. Juni nächste Lockerungsschritte angekündigt hat. Ob Pflegeheime davon profitieren können, ist allerdings noch unklar. Und selbst wenn: Dass jedermann jederzeit in ein Heim hineinspazieren und dort seine Angehörigen auf dem Zimmer einfach so besuchen kann, das wird wohl noch für eine ganze Weile nicht möglich sein.

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