Aargau/Solothurn
Besorgte Leser fürchten um den Luchs: Könnte er abgeschossen werden?

Der Luchs, der entlang der Kantonsgrenze Aargau/Solothurn in eine Fotofalle getappt war, erfreute viele az-Leser. Doch der Schnappschuss nährte auch die Befürchtungen, das prächtige Tier könnte abgeschossen werden, sollte es dem Menschen zu nah kommen. Die az hat nachgefragt.

Lukas Scherrer
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Läuft der Pelzträger Gefahr, abgeschossen zu werden, sollte er Schafe und Hühner reissen oder dem Menschen zu nahe kommen?

Läuft der Pelzträger Gefahr, abgeschossen zu werden, sollte er Schafe und Hühner reissen oder dem Menschen zu nahe kommen?

«Ein wunderschönes Kätzchen», freut sich ein az-Leser über den Luchs, der im Revier Lostorf-Wartenfels auf frischer Tat in die Fotofalle getappt war. «Tolle Aufnahme, ein sehr schönes Exemplar», findet ein weiterer Leser.

Das Bild des seltenen Tiers sorgte aber nicht nur für Freude. Auch die Sorge um die Wildkatze war in den Leserkommentaren allgegenwärtig. «Fragt sich, wie lange er lebt», schreibt eine junge Frau auf Facebook und fügt an: «Der Mensch will immer alles abschiessen!»

Diese Schweizer Luchse tappten bereits in Fotofallen Dieses Prachtexemplar tappte in der Region Lenzburg AG ins Blitzlicht.
8 Bilder
Läuft der Pelzträger Gefahr, abgeschossen zu werden, sollte er Schafe und Hühner reissen oder dem Menschen zu nahe kommen?
In Grindel SO entstand dieses Fotofallen-Bild. (Februar 2016)
In Erlinsbach AG wurde diese Waldkatze abgelichtet. (September 2014)
Dieser Luchs wurde unterhalb des "Louelbärgs" bei Lauwil BL geblitzt. Der Jungluchs stammt aus dem Neuenburger Jura und wurde dort schon im Januar zusammen mit seiner Mutter abgelichtet. (Mai 2008)
Dieses Fotofallen-Bild wurde am Blauen BL aufgenommen. (Februar 2008)
Dieses Luchsmännchen tappte in der Region Weissenstein SO in die Fotofalle. (September 2007)
In der Region Niederamt SO entstand dieses Bild eines Luchses. (Dezember 2006)

Diese Schweizer Luchse tappten bereits in Fotofallen Dieses Prachtexemplar tappte in der Region Lenzburg AG ins Blitzlicht.

Doch läuft der Pelzträger tatsächlich Gefahr, abgeschossen zu werden, sollte er Schafe und Hühner reissen oder dem Menschen zu nahe kommen?

«Der Luchs ist schon zwischen 15 und 20 Jahren in unseren Wäldern unterwegs», erklärt Thomas Stucki auf Anfrage der az. Der Jagdverwalter des Kantons Aargau weiss: «Bislang gab es nie Probleme mit dem Tier.»

Für den Menschen stelle das Tier sowieso keine Gefahr dar, erklärt Stucki weiter. Vielmehr müsse man den Anblick geniessen, sollte man im Wald zufällig auf einen Luchs treffen. Das Tier weicht dem Menschen aus und würde von allein wieder das Weite suchen.

Bei der Sektion Jagd und Fischerei des Kantons gehen immer wieder Meldungen über gerissene Nutztiere ein. «Alle Fälle werden durch unsere Rissexperten begutachtet», so Stucki. «Meist stellt sich jedoch heraus, dass ein Hund der Übeltäter war. Ein Luchsriss wurde im Kanton bis jetzt noch nie festgestellt.»

Weil der Luchs in der Schweiz geschützt ist, taucht er auch nicht in der Jagdstatistik des Kantons auf. Zumindest nicht bei den Abschüssen. Beim Fallwild – also bei Tieren, die durch nicht-jagdliche Einwirkung des Menschen gestorben sind – gibt es allerdings einen Eintrag aus dem Jahr 2012. «Damals wurde im Fricktal ein Jungluchs überfahren», erinnert sich Stucki.

Über Luchssichtungen aus der Region ist die Aargauer Sektion Jagd und Fischerei immer froh. Besonders natürlich über Fotos der hübschen Kätzchen. Die Bilder würden dann jeweils mit der schweizerischen Koordinationsstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement (Kora) in Bern abgeglich, wie Stucki erklärt. «Anhand der Fellmuster können wir Rückschlüsse auf Geschlecht, Alter und Jagdgebiet der Luchse machen.»