Ausbildung
Beschwerden gegen Prüfungsnoten: Aargauer Studenten sind meist chancenlos

Dass Studentinnen und Schüler negative Resultate anfechten oder sogar vor Bundesgericht ziehen, kommt selten vor. Noch seltener bekommen sie Recht.

Fabian Hägler
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Wer gegen eine Prüfung eine Beschwerde einreicht, hat schlechte Chancen. (Symbolbild)

Wer gegen eine Prüfung eine Beschwerde einreicht, hat schlechte Chancen. (Symbolbild)

Chris Iseli

Vor kurzem hat das Bundesgericht die Beschwerde einer Aargauerin abgewiesen, die bei der Abschlussprüfung zur Fachfrau Gesundheit durchgefallen war. Die erfolglose Studentin hatte ihr negatives Resultat an der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales in Brugg nicht akzeptiert und dieses zuerst beim Regierungsrat, dann beim Verwaltungsgericht und schliesslich beim Bundesgericht angefochten.

Sie argumentierte, die Prüfungsexperten hätten ihren Beurteilungsspielraum überschritten und sie unrechtmässig bewertet. Zwar wurde die Punktzahl der Studentin im Verlauf der Instanzen zweimal erhöht, dennoch reichte es nicht, um die Prüfung zu bestehen. Schliesslich befand das Bundesgericht, die Rechte der Frau seien nicht verletzt worden, und wies die Beschwerde ab.

Nur zwei Beschwerden

Dass ein Prüfungsresultat durch den ganzen Instanzenweg bis nach Lausanne angefochten wird, ist im Aargau äusserst selten. In den vergangenen zehn Jahren kam dies bei Lehrabschlussprüfungen nur ein einziges Mal vor, wie Sascha Giger, Sprecherin beim kantonalen Bildungsdepartement, auf Anfrage sagt.

64 Beschwerden

So viele Beschwerden gegen Prüfungsresultate wurden in den letzten zehn Jahren an Berufsschulen im Aargau eingereicht. Davon wurden 26 vom Regierungsrat abgewiesen und nur zwei gutgeheissen. Von den 26 abgewiesenen Beschwerden wurden zwei beim kantonalen Verwaltungsgericht angefochten, welches beide abwies. Eine wurde erfolglos ans Bundesgericht weitergezogen.

Seit dem 1. Januar 2007 wurden 64 Beschwerden eingereicht. Davon wurden 36 zurückgezogen, 26 vom Regierungsrat abgewiesen und nur gerade zwei vom Regierungsrat gutgeheissen. Von den 26 abgewiesenen Beschwerden wurden zwei beim Verwaltungsgericht angefochten, welches beide abwies. Eine davon, eben der geschilderte Fall der gescheiterten Fachfrau Gesundheit, wurde ans Bundesgericht weitergezogen.

Die Zahl der Beschwerdefälle ist im Aargau im Verhältnis zu den Lehrabschlüssen sehr niedrig. Jährlich schliessen zwischen 5100 bis 5500 Lernende ihre Ausbildung ab, dies ergibt in zehn Jahren rund 53 000 Prüfungen. Davon werden nur rund 0,1 Prozent angefochten. «Bei den Kantonsschulen sieht die Situation ähnlich aus wie bei den Lehrabschlussprüfungen», ergänzt Giger.

Es gebe, gemessen an der Zahl der Maturabschlüsse, nur sehr wenige Beschwerden. Jährlich werden im Kanton rund 1000 Maturitätsprüfungen absolviert, dies aufgeteilt auf die Kantonsschulen in Aarau, Baden, Wettingen, Wohlen und Zofingen sowie die Aargauische Maturitätsschule für Erwachsene. Die Sprecherin des Bildungsdepartements ergänzt: «Wie die Erfahrung zeigt, haben solche Beschwerden meist auch nur sehr geringe Chancen.»

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