Berufswahl

Berufsschau: Blut genommen und an Berufen geschnuppert

An der Aargauischen Berufsschau werfen Schülerinnen und Schüler in den nächsten Tagen einen Blick auf ihre mögliche berufliche Zukunft. Besonders beliebt sind die Stände, bei denen sie selbst anpacken können.

Mit einer echten Nadel Blut entnehmen, einer Coiffeurpuppe die Haare flechten oder jemandem mit einer Herzdruckmassage das Leben retten. An der Aargauischen Berufsschau in Wettingen können Schülerinnen und Schüler bis Sonntag ein bisschen die Luft der Berufswelt schnuppern.

Auf und neben dem Ausstellungsgelände des «Tägi» Wettingen präsentieren rund 70 Aussteller 160 verschiedenen Berufsbilder. Der Aargauische Gewerbeverband AGV, der die Berufsschau seit 1981 regelmässig organisiert, erwartet in den nächsten Tagen rund 35'000 Besucherinnen und Besucher, vorwiegend aus der Oberstufe. Das Ziel: Die vielen tausend Schülerinnen und Schüler sollen mit dieser Ausstellung die Berufswelten und ihre Perspektiven entdecken.

Schüler sollen selber Hand anlegen, statt nur zuzuschauen

Viele Besucher der Messe sind noch sehr jung und kommen in Begleitung ihrer Eltern. Die meisten wollen sich einfach ein wenig umschauen und Ideen sammeln, in welche Richtung ihre Berufswahl gehen könnte.

Fast alle Aussteller setzen auf die Praxis, statt darauf, die jungen Menschen mit Informationsmaterial zu überhäufen: Am Stand der Bäcker und Konditoren können die Besucherinnen und Besucher etwa ein Weggli mit Schokolade dekorieren und dieses danach essen. Am Stand der Fachfrauen und -männer Gesundheit bandagieren sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig.

Am Stand der Landschaftsgärtner sitzt ein Bub in einem Bagger und verschiebt einen Stein. Und am Stand der Floristen zaubern die jungen Gäste der Berufsschau kleine Blumengestecke, die sie dann behalten dürfen.

Weniger Kantonsschulen, mehr Lehrabgänger

Im Rahmen des offiziellen Tags der Berufsschau fanden sich gestern zahlreiche Politikerinnen und Politiker sowie Vertreter der Wirtschaft zu einem Apéro und einem gemeinsamen Rundgang zusammen. Kurt Schmid, Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes, betonte in seiner Ansprache die Wichtigkeit des dualen Bildungssystems: «Wir brauchen keine neuen Kantonsschulen. Wir müssen schauen, dass wir die jungen Leute, die wir haben, in unsere Berufe hineinbringen.»

Er habe weder etwas gegen Kantonsschulen noch etwas gegen Universitäten: «Aber wir müssen sicherstellen, dass wir in der Berufsbildung Menschen haben. Solche, bei denen wir Chancen haben, dass sie ins Unternehmertum einsteigen.» Schmid sprach auch das gute Resultat an den Berufsweltmeisterschaften an. Die Schweiz belegte den dritten Rang. Der Aargauer Plattenleger Renato Meier gewann eine Goldmedaille.

Hürzeler wünscht sich mehr Direkteintritte in die Berufslehre

«Ausserdem kann man auch Regierungsrat werden, wenn man eine Lehre gemacht hat», sagte Schmid und zielte auf Regierungsrat und Bildungsdirektor Alex Hürzeler. «Das sind nicht die schlechtesten Leute», fügte er scherzend an.

Im Aargau starteten 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler dieses Jahr eine Berufslehre. Das sei im interkantonalen Vergleich zwar gut, sagte Hürzeler: «Aber ich würde mir wünschen, dass die Zahl der Direkteintritte höher wäre.» 20 Prozent traten ins Gymnasium oder in die Wirtschafts- oder Informatikmittelschule ein. 20 Prozent hätten sich aber für ein Zwischenjahr oder für den direkten Berufseinstieg entschieden.

«Mit dieser Zahl bin ich nicht zufrieden. Daran müssen wir mit der Volksschule und mit der Gesellschaft arbeiten.» Dass per Anfang Jahr im Aargau rund 500 Lehrstellen unbesetzt blieben, sei eine Entwicklung, die man beobachten müsse: «Wir können mit der Berufsschau und mit guter Arbeit an Schulen dazu beitragen, dass man beispielsweise die handwerklichen Berufe, die unter Druck sind, vermarktet», so Hürzeler.

Die Branchen selber müssten aktiv sein und sowohl an Schulen als auch den Eltern der künftigen Lehrlinge zeigen, wie schön und wichtig die jeweiligen Berufen seien.

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