Generationenwechsel
Bertschi, Bircher & Co.: Lösen die jungen Frauen die alten Männer ab in der SVP?

Stefanie Heimgartner, Karin Bertschi, Martina Bircher, Nicole Müller-Boder oder Michelle Rütti: Gleich mehrere SVP-Frauen dürfen sich Hoffnungen auf einen Sitz im Nationalrat machen.

Fabian Hägler
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Karin Bertschi, Martina Bircher, Stefanie Heimgartner (von links): drei potenzielle SVP-Nationalrätinnen.

Karin Bertschi, Martina Bircher, Stefanie Heimgartner (von links): drei potenzielle SVP-Nationalrätinnen.

Sandra Ardizzone/Deborah Onnis/Gioia Loredana

Frauenquoten oder die Förderung von weiblichen Kandidaturen durch vordere Listenplätze sind bei der SVP kein Thema. Dennoch hat sich Stefanie Heimgartner, die Präsidentin der SVP Frauen Aargau, nach dem Verzicht von Sylvia Flückiger offensiv als Nachfolgerin in Stellung gebracht. «Ich persönlich werde sicher Anspruch auf den Sitz erheben», sagte Heimgartner bei Tele M1.

In einer Mitteilung, die sie am Mittwoch verschickte, hält die Grossrätin fest: «Auf die Frage ob der Sitz von Sylvia Flückiger zwingend wieder durch eine Frau besetzt werden muss, kann ich nur sagen, dass es mir in der Politik wie auch in der Wirtschaft wichtig ist, qualifizierte Persönlichkeiten auf den richtigen Positionen zu haben.» Für sie gelte «Qualität vor Quoten, egal ob Mann oder Frau.»

Generationenwechsel bei der Aargauer SVP:

Generationenwechsel bei der SVP
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Sylvia Flückiger (65), Schöftland, Nationalrätin Die Gewerbevertreterin verzichtet auf eine erneute Kandidatur – sie glaubt, dass 2019 eine oder zwei SVP-Frauen in den Nationalrat gewählt werden.
Maximilian Reimann (75), Gipf-Oberfrick, Nationalrat Der Seniorenpolitiker vertritt die SVP seit 1987 in Bern – mit dem höheren Alter für ärztliche Tests bei Autofahrern hat er ein wichtiges Ziel erreicht.
Ueli Giezendanner (64), Rothrist, Nationalrat Der Fuhrhalter der Nation hat schon früh bekannt gegeben, dass er 2019 nicht mehr kandidiert – sein Nachfolger könnte Sohn Benjamin werden.
Thomas Burgherr (55), Wiliberg, Nationalrat Der Kantonalparteipräsident wird im Herbst 2019 nochmals antreten – als Bisheriger dürfte er seinen Sitz im Nationalrat verteidigen können.
Hansjörg Knecht (58), Leibstadt, Nationalrat Der Energiepolitiker, der seit 2012 in Bundesbern sitzt, wird als Ständeratskandidat gehandelt – er dürfte die Wiederwahl problemlos schaffen.
Andreas Glarner (55), Oberwil-Lieli, Nationalrat Der Hardliner ist schon in seiner ersten Legislatur zum Asylchef der SVP aufgestiegen – Glarner hat seinen Platz auf sicher, wenn er kandidiert.
Michelle Rütti (33), Meisterschwanden Die Vizepräsidentin der SVP Aargau zog aus Reinach weg, weil es dort zu viele Ausländer gebe – und sagte, sie überlege sich eine Kandidatur 2019.
Stefanie Heimgartner (30), Baden, Grossrätin Die Präsidentin der SVP Frauen Aargau hat ihren Anspruch auf den Sitz von Sylvia Flückiger offensiv angemeldet – ob das bei der Partei gut ankommt?
Martin Keller (53), Nussbaumen, Grossrat Der Verkehrspolitiker hat sich zuletzt mit seinem Einsatz gegen einen fixen Blitzer in Baden profiliert – er könnte auf den Sitz von Luzi Stamm schielen.
Karin Bertschi (27), Leimbach, Grossrätin Die Unternehmerin weicht regelmässig von der SVP-Linie ab, beschäftigt Flüchtlinge und einen IV-Bezüger, erzielte aber ein hervorragendes Wahlergebnis.
Nicole Müller-Boder (39), Buttwil, Grossrätin Die linientreue SVP-Frau kritisiert die Kesb, stellt sich gegen den Islam, hat ein Gespür für aktuelle Themen – und damit Chancen auf einen Listenplatz.
Pascal Furer (46), Staufen, Grossrat Der SVP-Kantonalsekretär gilt als versierter Finanzpolitiker – es ist wahrscheinlich, dass Furer auf der Liste für die Nationalratswahlen 2019 steht.
Martina Bircher (33), Aarburg, Grossrätin Bircher hat sich als Sozial- und Asylpolitikerin einen Namen gemacht. Sie warnt vor Belastungen für Gemeinden durch Flüchtlinge und Sozialhilfebezüger und ist mit diesen Themen auch in nationalen Medien präsent.
Benjamin Giezendanner (35), Rothrist, Grossrat Im letzten Jahr hat sich «Giezi junior» als Grossratspräsident einen grossen Bekanntheitsgrad erarbeitet. So wäre es nur logisch, wenn er seinen Vater in Bundesbern ablösen würde.
Am SVP-Kantonalparteitag für die Nomination der Nationalratskandidaten in Wettingen trugen die SVP-Damen und -Herren «Wachhund Willy» mit sich.

Generationenwechsel bei der SVP

Keystone

Bircher, Bertschi, oder beide?

Flückiger geht davon aus, dass 2019 eine bis zwei SVP-Frauen aus dem Aargau in den Nationalrat gewählt werden. Kandidatinnen gibt es genug: neben Heimgartner, der bestgewählten Grossrätin, haben sich im Kantonsparlament zwei neue SVP-Vertreterinnen profiliert. Martina Bircher, die morgen Freitag ihren 34. Geburtstag feiert, hat sich als Sozial- und Asylpolitikerin einen Namen gemacht. Sie warnt vor Belastungen für Gemeinden durch Flüchtlinge und Sozialhilfebezüger und ist mit diesen Themen auch in nationalen Medien präsent. Fragezeichen bei Bircher: Sie erwartet derzeit ihr erstes Kind, ob sie als junge Mutter nächstes Jahr in den Nationalratswahlkampf steigen will, ist offen.

Schon vor ihrer Zeit als Grossrätin stand Karin Bertschi im Rampenlicht. Die noch nicht 28-jährige Unternehmerin weicht regelmässig von der SVP-Linie ab, beschäftigt Flüchtlinge und einen IV-Bezüger, erzielte aber ein hervorragendes Wahlergebnis. Und sie ist ein Medienstar: Kürzlich strahlte SRF eine Dok mit dem Titel «Die Eigenwillige» über sie aus, auch nationale Boulevardmedien berichten oft über sie. Schon vor drei Jahren kandidierten Nicole Müller-Boder und Michelle Rütti (siehe oben) für den Nationalrat – gut möglich, dass sie es auch 2019 auf die Liste schaffen.

«Giezi junior» in Bundesbern?

Bei den SVP-Männern ist anzunehmen, dass die verbleibenden Bisherigen, also Thomas Burgherr, Andreas Glarner und Hansjörg Knecht, nochmals antreten. Von den Neuen hat wohl Benjamin Giezendanner (35) die besten Karten. Im letzten Jahr hat sich «Giezi junior» als Grossratspräsident einen grossen Bekanntheitsgrad erarbeitet. So wäre es nur logisch, wenn er seinen Vater in Bundesbern ablösen würde. Kürzlich sagte Giezendanner im «Zofinger Tagblatt», er stehe als Kandidat zur Verfügung.

Geht man davon aus, dass mindestens zwei Männer neu gewählt werden, dürfen sich auch die Grossräte Pascal Furer, Martin Keller und Clemens Hochreuter berechtigte Chancen ausrechnen. Sie standen 2015 auf den Listenplätzen 7 bis 9 und könnten nachrutschen – die vier Bisherigen stehen ihnen nicht mehr vor der Sonne.