Zofingen
Bernard A. Siegfried ist tot – einst sagte er: «Die Bibel ist das beste Lehrbuch für Unternehmensführung»

Eine markante Aargauer Unternehmerpersönlichkeit ist nicht mehr. Nach einer langen Leidenszeit starb am letzten Freitag Bernard A. Siegfried im Alter von 83 Jahren.

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Bernard A. Siegfried.

Bernard A. Siegfried.

ZVG

Bernard A. Siegfried hat die Zofinger Siegfried-Gruppe, ein weltweit im Bereich Life Science tätiges Unternehmen, massgebend geprägt. Und er schuf sich einen Namen als Topmanager, der dem Christentum verpflichtet war.

Siegfried sagte: «Die Bibel ist das beste Lehrbuch für Unternehmensführung.» Er erklärte einmal: «1987 erlebte ich eine Wiedergeburt, eine Bekehrung – und zwar aufgrund von Gesprächen mit meinem Sohn.» Lukas, der älteste von drei Söhnen, studierte in Basel Theologie.

Seinen unternehmerischen Schicksalstag erlebte Siegfried am 26. April 1991: Die Firma steckte in einer wirtschaftlichen Krise, es tobte ein Machtkampf: «Es war eine harte Zeit, ich wurde systematisch fertiggemacht und vor Kollegen der Geschäftsleitung blossgestellt. Das war Mobbing in höchstem Grade.» Er habe die Führungskrise nur dank seiner neu gewonnenen Glaubenskraft überstanden. Siegfried sprach später regelmässig bei der «Internationalen Vereinigung Christlicher Geschäftsleute».

Mit Kambly-Tocher verheiratet

Bernard A. Siegfried hatte an der HSG in St. Gallen Ökonomie studiert und doktoriert. 1959 heiratete er Theres, die älteste Tochter des Emmentaler Biskuit-Fabrikanten Oscar Kambly. Nach vier Jahren in Mexiko und in den USA kehrte die Familie 1967 nach Zofingen zurück. Der Urenkel des Firmengründers trat in die Siegfried AG ein. Das Unternehmen steckte damals in einer schwierigen Phase. Doch Siegfried gelang es, sich durch Leistung zu profilieren. So gab er 1973 den Anstoss zum Aufbau des Sidroga-Teegeschäfts (verkauft 2007).

1977 wurde Bernard A. Siegfried zum Delegierten des Verwaltungsrats und Vorsitzenden der Geschäftsleitung und 1998 zum Präsidenten des Verwaltungsrats mit Exekutivfunktionen gewählt. Anfang der 70er-Jahre habe er, so das Unternehmen in einer Würdigung, eine Öffnung der Firma und die sukzessive Ablösung des Familienmanagements auf der obersten Führungsstufe durchgesetzt. Die Siegfried-Aktien seien in dieser Phase an der Börse kotiert worden. In den 80er-Jahren wurde die eigenständige Pharma-Forschung aufgegeben. Die Firma ist heute ein Zulieferunternehmen der weltweiten Pharmaindustrie.

2001 gab Bernard A. Siegfried seine Management-Funktionen ab. 2003 trat er als Verwaltungsratspräsident zurück, blieb aber bis 2010 im Gremium. Er war das letzte Mitglied der Gründerfamilie im Unternehmen. (uhg)