Zigeuner
Benzinbettler und Spendensammler im Aargau auf dem Vormarsch

Bettlerbanden aus Rumänien, der Slowakei und Bulgarien halten die Polizei im Aargau auf Trab. Sie stehlen hilfsbereiten Spendern auch noch das Portemonnaie aus der Tasche, oder bieten als Gegenleistung für einen Geldbetrag wertlosen Goldschmuck an.

Adrian Hunziker
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Speziell in der Nähe von Einkaufszentren sieht man derzeit immer wieder Zigeuner und Roma, die um Geld betteln. «Wir kennen dieses Phänomen schon seit Jahren. Doch in den letzten zwei bis drei Jahren hat die Häufigkeit der Vorfälle deutlich zugenommen», sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Aargauer Kantonspolizei. Die Kapo verzeichnete in den letzten zwei Wochen alleine 14 Meldungen von Trickdiebstählen und 32 Bettlermeldungen. Die Bettler sind meist Zigeuner oder Roma und kommen aus Rumänien, Bulgarien und der Slowakei.

Aktuell versuchen die Bettler mit verschiedenen Maschen, an das Geld von vermehrt älteren Passanten zu kommen. Da wären beispielsweise die vermeintlichen Spendensammlerinnen. Die Zigeunerinnen sprechen Einkaufskunden teilweise auf aufdringliche Weise an und wollen eine Spende für Taubstumme erschnorren. «Sie zeigen manipulierte Spendebögen vor, auf denen vermeintlich schon viele andere Personen gespendet haben – was natürlich nicht stimmt», erklärt Graser.

Nur Ablenkung

Sollten hilfsbereite Personen dann gar einen Beitrag spenden, umarmen die Gaunerinnen und Gauner ihre Opfer, um ihren Dank auszudrücken. «Die Umarmung ist natürlich nur eine Ablenkung, um an das Bargeld im Portemonnaie zu gelangen», warnt der Mediensprecher der Kapo.

Tipps von der Polizei

• Wenn Ihre innere Alarmanlage läutet, hören Sie auf Ihr Bauchgefühl.
• Wenn Personen auf Sie zukommen, die schlecht Deutsch sprechen und auf Ihr Geld aus sind, ignorieren Sie sie. Versuchen Sie, Ihr eigenes Hilfsbereitschaftsgefühl auszuschalten.
• Lassen Sie sich auf keine Gespräche oder Diskussionen mit Fremden oder verdächtigen Personen ein. Denn das ist genau das, was sie wollen.
• Wenn Sie verdächtige Personen sehen oder von ihnen gar angesprochen werden, melden Sie diese Vorfälle umgehend der Polizei auf die Notrufnummer 117. (AHU)

Graser will Passantinnen und Passanten nicht von einer Spende abhalten, doch er warnt: «Man muss sich bewusst sein, dass die Spende nicht an die Bettler direkt geht, sondern an die Organisation, die dahinter steht. Wenn die Verantwortlichen genügend Geld scheffeln, sind sie gewillt, wiederzukommen.»

Goldschmuck nur Ramsch

Eine weitere Form des Betruges wenden die Bettler an Autobahnen und befahrenen Strassen an. «Sie halten – meist auf aggressive Weise – Autofahrer an und wollen Geld für Benzin, das ihnen ausgegangen ist», sagt Graser. Als Gegenleistung für den Geldbetrag bieten sie Goldschmuck an. «Doch dieser ist nur Ramsch.» Zudem gibt Graser zu bedenken, dass diese Banden sehr mobil seien und ihnen daher wohl nie das Benzin ausgehen würde. «Wir brauchen von Betroffenen sofort Hinweise, wenn sie etwas Verdächtiges beobachtet haben. Dann haben wir die Möglichkeit, die Gauner auf frischer Tat zu ertappen.»

Zu einer solchen Situation kam es beispielsweise gestern Sonntag. Zuerst ging bei der Polizei eine Meldung ein, dass an der Autobahnausfahrt Rheinfelden Roma Autos anhalten würden. Später kam eine ähnliche Meldung aus Wettingen. Das rumänische Paar konnte letztlich in Lenzburg angehalten werden. Doch die Polizei konnte ihnen keine Straftat nachweisen.

Ausserdem wenden die Zigeuner und Roma immer wieder den Geldwechseltrick an. «Sie fragen, ob man Geld wechseln könne und sobald man das Portemonnaie geöffnet hat, ist das Geld weg», erklärt Graser. Einfachstes Hilfsmittel sei dabei immer die Ablenkung der Opfer.