Wer nach der Berufslehre an einer Fachhochschule studieren möchte, braucht dazu die Berufsmaturität. In der Regel erwerben interessierte Lernende die Berufsmatura lehrbegleitend. Doch ist dies nicht immer möglich. So zeigt eine Befragung, dass schweizweit nur 44 Prozent der befragten Lehrbetriebe ihren Lernenden die Möglichkeit geben, die Berufsmaturität während der Lehre zu absolvieren.

Als Alternative kann die Berufsmatur auch nach der Berufslehre an verschiedenen Berufsmittelschulen im Aargau erworben werden, diese rein schulische Ausbildung dauert ein Jahr.

Uneinheitlich geregelt ist im Aargau nun aber der Zugang zu dieser Berufsmaturität II: Wer eine Berufslehre im Bereich Wirtschaft absolviert hat und einen bestimmten Notenschnitt in bestimmten Fächern erreicht hat, wird prüfungsfrei in den Lehrgang, der mit der Berufsmaturität abschliesst, zugelassen.

Wer aber die Lehre in einem andern Bereich abschliesst, also etwa im Bereich Gesundheit und Soziales, Gestaltung und Kunst oder Dienstleistungen, muss eine Aufnahmeprüfung ablegen. Die zusätzliche Hürde wirkt diskriminierend und kann zudem junge Berufsleute von einem Studium abhalten.

Eigentlich war ja vorgesehen, diese Ungleichbehandlung auf das Schuljahr 2020/21 aufzuheben und allen Berufslernenden einen prüfungsfreien Übertritt zu ermöglichen. Doch die Sparmassnahmen des Kantons verhinderten das Vorhaben. Das hat zur Folge, dass nach Schätzungen der Abteilung Berufsbildung und Mittelschule pro Jahr rund 120 Personen auf die Berufsmatur und damit auch auf das Studium an der Fachhochschule verzichten. Keine gute Entwicklung in Zeiten des Fachkräftemangels.

Das Geld wurde weggespart

Das haben auch 36 Grossrätinnen und Grossräte aus allen Fraktionen erkannt. In einer Motion fordern sie den Regierungsrat auf, den prüfungsfreien Übertritt zur Berufsmatur II allen gelernten Berufsleuten zu ermöglichen.

Zumal sowohl die Abteilung Berufsbildung des Kantons als auch die beteiligten Berufsschulen den prüfungsfreien Übertritt ebenfalls unterstützen. Er sei organisatorisch leicht umsetzbar, stärke die Berufsmaturität und sei eine sinnvolle Investition in die Zukunft.

Der Regierungsrat bestätigt in seiner Antwort, dass die Ungleichbehandlung bei der Zulassung zur Berufsmatur II stossend sei. In der heutigen Form sei die Berufsmatur II deshalb nur eingeschränkt attraktiv für begabte Jugendliche. Dabei sei es doch in Zeiten des Fachkräftemangels wichtig, das Potenzial von Berufslernenden, die den Weg an die Fachhochschulen schaffen könnten, möglichst gut auszuschöpfen.

Trotzdem wird es nicht einfach sein, die Ungleichheit zu eliminieren. Denn das wird teuer: Rund 1,8 Millionen Franken würden die 120 zusätzlichen Schülerinnen und Schüler den Kanton pro Jahr kosten. Geld, das im Aufgaben- und Finanzplan (AFP) 2018-2022 nicht vorgesehen ist. Deshalb lehnt der Regierungsrat die Motion ab, ist aber bereit, das Anliegen als Postulat entgegenzunehmen.