Versuch
Beleuchtung vor Baregg-Tunnel wird für halbes Jahr ausgeschaltet

Auf der A1 zwischen der Reussbrücke bei der Verzweigung Birrfeld und der Ausfahrt Neuenhof wird die Strassenbeleuchtung versuchsweise gelöscht. Auf die Verkehrssicherheit soll sich dies nicht negativ auswirken, verspricht das Bundesamt für Strassen.

Selina Zulauf
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Rund 120'000 Fahrzeuge passieren täglich den Bareggtunnel. Damit ist dieser Autobahnabschnitt der Ort mit der viertgrössten Verkehrsdichte der Schweiz. An diesem Verkehrsknoten soll in den kommenden Wochen das grosse Lichterlöschen stattfinden, wie das Regionaljournal von Radio SRF meldet.

Auf der gesamten Strecke von der Reussbrücke bei der Verzweigung Birrfeld bis zur Ausfahrt Neuenhof werden die 200 Strassenlampen während eines halben Jahres versuchsweise ausgeknipst. Lediglich im Tunnel selbst bleibt die Beleuchtung aus Sicherheitsgründen an.

Heute schon in Basel und Luzern

Verantwortlich für das Projekt zeichnet das Bundesamt für Strassen (Astra). Es analysiert bis Ende 2015 in der gesamtem Schweiz die Strassenbeleuchtungen der Nationalstrassen und überprüft, wo es Sinn macht, die Strassenlaternen auszuschalten. Nachdem bereits in den Regionen Basel und Luzern zahlreiche Leuchten auf den Autobahnen ausgeschaltet wurden, ist nun im Aargau der Bereich um den Bareggtunnel an der Reihe.

Ziel dieses Testprojektes ist es, die Lichtverschmutzung und die Energiekosten zu reduzieren. Die Massnahme, die Strassenlampen vor dem Baregg zu löschen, erfolgt im Rahmen der Energiestrategie 2050 des Bundes und ist somit Teil einer landesweiten Strategie zur Reduktion des Energieverbrauchs auf den Nationalstrassen. Denn: Der Verkehr machte im Jahr 2011 einen Anteil von gut einem Drittel am Gesamtenergieverbrauch der Schweiz aus. Der grösste Teil davon entfällt allerdings nicht auf die Strassenbeleuchtung, sondern auf Tunnels, insbesondere auf Licht- und Lüftungssysteme.

Lichtverschmutzung bekämpfen

Das Lichterlöschen vor dem Baregg verfolgt nicht nur das Ziel, den Energieverbrauch und somit die Kosten zu senken. Auch der Lichtverschmutzung soll entgegengewirkt werden, sagt die Sprecherin der Astra-Filiale Zofingen, Esther Widmer. Die Lichtverschmutzung ist eine Folge von ineffizienter Beleuchtung – also der Tatsache, dass eine Lampe nicht nur jenen Bereich erhellt, auf den sie gerichtet ist, sondern auch die Umgebung. Jede «alte» Leuchte verursacht zudem per se eine beträchtliche Lichtverschmutzung. Dies ist per Gesetz verboten. Deshalb werden rund um den Bareggtunnel alle verbleibenden, wie auch die neuen Strassenleuchten mit energieeffizienten und lichtverschmutzungsneutralen LED-Leuchten ausgestattet, erklärt Widmer.

Ist die Sicherheit gefährdet?

Doch was bedeutet es für die Verkehrssicherheit, wenn das Bundesamt für Strassen ausgerechnet auf dem stark frequentierten Abschnitt am Baregg die Beleuchtung ausschalten will? Steigt durch die dunkle Autobahn das Unfallrisiko? Auf entsprechende Nachfrage betont Astra-Sprecherin Widmer, die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer habe oberste Priorität. Während der Probephase sei das Bundesamt in ständigem Kontakt und in Absprache mit der Polizei. Es sei sogar erwiesen, dass Autofahrer bei mehr Licht auf der Strasse schneller unterwegs seien und sich die Verkehrssicherheit durch weniger Licht somit sogar erhöhen könnte, doppelt Widmer nach.

Einsparung von 40 000 Franken

Nicht nur aus ökologischer und energieeffizienter Sicht rechnet sich das Astra eine Verbesserung der heutigen Situation aus. Auch finanziell soll das Testprojekt – wenn es sich denn bewährt hat – Einsparungen bringen. Die Kosten für Betrieb und Unterhalt einer einzigen Strassenleuchte beläuft sich auf zweihundert Franken im Jahr. Das zweihundertfache davon, also 40 000 Franken, könnte eingespart werden, würde die Beleuchtung rund um den Tunnel definitiv abgestellt.

Ab wann die Lichter am Baregg genau ausgehen sollen, wird laut Widmer noch mit der Kantonspolizei ausgehandelt. Nach den sechs Monaten Testphase prüft das Bundesamt mit der Polizei, wie sich die Situation durch das Projekt verändert hat. Dann wird entschieden, ob die Beleuchtung definitiv abgebaut werden soll.