Asyl

Beiträge gekürzt: Pflegefamilien erhalten weniger Geld für minderjährige Flüchtlinge

Der Verein Familynetwork und die Organisation Shelterschweiz vermitteln und begleiten minderjährige Flüchtlinge zu ihren Pflegefamilien. (Archiv)

Der Verein Familynetwork und die Organisation Shelterschweiz vermitteln und begleiten minderjährige Flüchtlinge zu ihren Pflegefamilien. (Archiv)

Der Kanton zahlt den Organisationen, die sich um die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen bei Pflegefamilien kümmern, weniger Geld.

Der Blutdruck der Mitarbeitenden im Aargauer Departement Gesundheit und Soziales war am Mittwoch vorübergehend leicht erhöht. Auslöser war ein Artikel in der AZ zum neusten Tätigkeitsbericht der kantonalen Finanzkontrolle. Diese hatte die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden bei Pflegefamilien einer Sonderprüfung unterzogen.

Geprüft wurde die Situation im Jahr 2016. Im abschliessenden Bericht hatte die Finanzkontrolle empfohlen, eine Kostensenkung der Tagessätze für die Organisationen zu prüfen, die sich um Vermittlung und Begleitung von Pflegefamilien für unbegleitete minderjährige Flüchtlingen kümmern.

Diese Organisationen hätten – teilweise ohne ausreichende Begründung – im Jahr 2016 Anteile von 41,2 beziehungsweise 53,3 Prozent an den Tagesentschädigungen vereinnahmt.

Neue Verträge wegen Spardruck

Es waren diese Zahlen zusammen mit den Empfehlungen, die den Druck in den Adern der Mitarbeitenden im Departement Gesundheit und Soziales ansteigen liessen. Denn inzwischen seien mit den Organisationen neue Tarifverträge ausgehandelt worden, die seit September 2017 in Kraft seien.

Auslöser für die Neuaushandlung der Tarife waren die Sonderprüfung der Finanzkontrolle und der hohe Spardruck: «Wir haben die Familienorganisationen über die finanziell sehr angespannte Situation des Kantons informiert und sie gebeten, uns bei den Tarifen entgegenzukommen», sagt Pia Maria Brugger, Leiterin des Fachbereichs Asyl beim Departement Gesundheit und Soziales.

Um welchen Betrag der Tarif gekürzt wurde und wie sich die Anteile verschoben haben, kann sie nicht sagen. Die Analyse zu den Kosten im Jahr 2016 sei durch die Finanzkontrolle wahrgenommen worden.

Etwas konkreter wird Beat Bachmann, der Geschäftsführer von Familynetwork, eines Vereins, der im Aargau Pflegefamilien vermittelt und begleitet. Zwar sagt auch er nicht, um welchen Betrag die Tagespauschale gekürzt wurde und wie hoch sie ist. Aber es waren auf jeden Fall mehr als zehn Franken und damit aus Sicht der Organisation ein zu hoher Betrag, um ihn nur auf der eigenen Seite einzusparen.

Will heissen: Die Sparmassnahme betrifft die Pflegefamilien, die sich um die minderjährigen Flüchtlinge kümmern und ihnen ein Zuhause bieten, direkt. «Sie erhalten seit die neuen Verträge gelten fünf Franken weniger Betreuungslohn pro Tag», sagt Bachmann.

Diese fünf Franken seien aber weniger als die Hälfte des Betrags, um den die Tagespauschale gekürzt wurde. Familynetwork selber spart also mehr als fünf Franken. «An den Leistungen, die wir anbieten, hat sich aber nichts geändert», sagt Bachmann. «Sie können mit dem aufgebauten Know-how einfach effizienter erbracht werden.

130 statt 145 Franken pro Tag

Anders klingt es bei Shelterschweiz, der zweiten Organisation, die im Aargau unbegleitete Flüchtlingskinder an Pflegefamilien vermittelt. Auch hier hat der Kanton per September 2017 neue Tarife ausgehandelt.

«Wir erhalten pro Tag noch 130 Franken», sagt Irene Moccand, Mitglied der Geschäftsleitung. Das seien 15 Franken weniger als vorher. Anders als Familynetwork hat Shelterschweiz aber von Anfang an die Bedingung gestellt, dass Pflegefamilien genau gleich viel Geld erhalten müssen, man also die Tagespauschale nicht auf Kosten der Pflegefamilien senken könne.

«Sie sind es schliesslich, welche die Arbeit haben. Eine Arbeit, die nicht zu unterschätzen und sehr zeitaufwendig ist», sagt Moccand. Die 15 Franken spart Shelterschweiz also bei den eigenen Ausgaben. Die Pflegefamilien erhalten weiterhin mindestens 75 Franken ohne Sozialleistungen – je nach dem, welchen beruflichen Hintergrund sie mitbringen.

«Wer eine Ausbildung hat, die uns entlastet, erhält einen höheren Anteil an der Tagespauschale», sagt Moccand. Eine weitere Bedingung von Shelterschweiz in den Verhandlungen mit dem Kanton war, dass sie bei speziell grossen Auslagen einen Antrag für eine Kostengutsprache stellen dürfen.

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