Kraftwerke

Beim Restwasser ist der Kanton Aargau das grosse Vorbild

Genug Restwasser im Aarelauf, genutzt mit Dotierturbine beim Kraftwerk Rupperswil-Auenstein. Toni Widmer

Genug Restwasser im Aarelauf, genutzt mit Dotierturbine beim Kraftwerk Rupperswil-Auenstein. Toni Widmer

Bei der Nutzung der Wasserkraft wird in Aare, Limmat und Rhein auf die Umwelt viel Rücksicht genommen. Zusammen mit dem Auenpark gilt der Aargau heute als Musterknabe bei der Wassernutzung.

Die Ursache des Fischsterbens im Nationalpark (wir berichteten) war plötzlich fehlendes Restwasser. Die Mengenvorgaben würden schweizweit vielerorts unterlaufen, sagt der Zentralpräsident des Fischereiverbandes. Wie ist die Situation im Aargau?

An Aare und Rhein grenzt eine Staustufe an die nächste, mit Limmat und Reuss zählt der Aargau 28 Wasserkraftwerke. Entsprechend gross ist im Energiekanton die Verantwortung gegenüber der Umwelt.

«Bei neuen Konzessionen und Baubewilligungen haben die Baudirektoren Thomas Pfisterer und Peter C. Beyeler stets eine starke Erhöhung der Restwassermengen verlangt», sagt Urs Egloff von der Gewässernutzung in der Abteilung für Umwelt des Departementes BVU. Das Wasser in den alten Flussläufen ist oft verdoppelt oder noch stärker erhöht worden.

Zusammen mit dem Auenpark gilt der Aargau heute als Musterknabe bei der Wassernutzung – was keine Versicherung ist gegen Pannen (siehe Box).

Strom auch aus dem Restwasser

Restwasser gibt es nicht überall: Steht ein Kraftwerk über die ganze Flussbreite, haben die Fische oberhalb und unterhalb des Bauwerks gleichviel Wasser. Sie brauchen nur noch eine Fischtreppe, um die Höhendifferenz überwinden zu können.

Steht das Kraftwerk wie in Rupperswil-Auenstein, Veltheim oder Beznau an einem zusätzlichen Kanal, würde das alte Flussbett ohne Restwasser in den Sommermonaten austrocknen.

Weil die Besitzer immer möglichst viel Strom produzieren wollen, besteht die latente Versuchung, dem alten Fluss das Wasser buchstäblich abzugraben. In den Bergkantonen sind ausgetrocknete Bachläufe anzutreffen, trotz aller Vorschriften.

Im Mittelland hat die starke Erhöhung des Restwassers einen positiven Effekt bewirkt: In Limmat, Aare und Rhein sind spezielle Restwasser-turbinen – sogenannte Dotierturbinen – eingebaut worden.

Auch sie machen jetzt Strom, allerdings sind die Kosten für diese zusätzlichen Turbinen meist ziemlich hoch, versichert Egloff.

An der Limmat sind bei den Kraftwerken Wettingen, Aue und Schiffmühle je ein Dotierkraftwerk in Betrieb oder im Bau.

Gut sieht es auch an der Aare aus: «Für das Kraftwerk Aarau ist das Restwasser mit der Konzession auf dem Papier schon gelöst, für das Kraftwerk Rüchlig ebenfalls», betont Urs Egloff.

Es steht bereits im Bau, auch für die Übergangszeit gibt es klare Bestimmungen zugunsten der Lebewesen im Wasser.

Dank der Dotierturbine konnte das Restwasser in Rupperswil-Auenstein auf das Zwei- bis Dreifache gesteigert werden.

Grösste Dotierturbine im Rhein

Erst in Abklärung befindet sich die Restwasserfrage für das Aarekraftwerk Wildegg-Veltheim. Auf der Halbinsel Beznau macht das 6 Megawatt starke Dotierkraftwerk neben dem Stauwehr seit zwölf Jahren im Mittel jährlich 42 Millionen Kilowattstunden Strom.

Beznau ist allerdings ein Spezialfall, weil hier das Kühlwasser der Atomkraftwerke den Fluss nicht zu stark erwärmen darf.

Mit der Grösse des Flusses nimmt die Leistung der Kraftwerke zwangsläufig zu. Darum steht die grösste Dotierturbine des Landes im Rhein, bei Leibstadt, als Teil des Kraftwerks Albbruck-Dogern.

Sie allein ist auf 300 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ausgelegt und produziert Strom für 180'000 Haushalte im Jahr.

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