Schöftland
Beim Kindersamariter werden begeisterte Helfer gesucht

Rund 90 Kinder schlossen in Schöftland Bekanntschaft mit Samaritern, Polizei, Feuerwehr und Ambulanz. Alles potenzielle Helfer für unsere Gesellschaft. Wer weiss, vielleicht wird bald einer von ihnen Samariter?

Peter Weingartner
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Samariter-Schnuppertag in Schöftland
8 Bilder
Ueli Krapf zeigt, wie ohne Luft das Feuer erlischt
So macht man eine Armtragschlinge
Das Nagelband stoppt Flüchtige
Hedy Fischer ist für die Ballone zuständig
Christine Lötscher mit Lesegerät
Auch der Rollstuhl fasziniert
Alle erhalten ein Leuchtband

Samariter-Schnuppertag in Schöftland

Peter Weingartner

«Das ist meinem Götti auch einmal passiert, und dann musste er sein Billett abgeben», lacht Noel. Zusammen mit rund 90 anderen Kindern ab der ersten Klasse nimmt er am «Kindersamariter» in Schöftland teil, und eben hat Polizistin Christine Lötscher gesagt, wer beim Blasen auf über 0,5 Promille komme, mache sich strafbar. Nicole ist nüchtern, alkoholmässig: 0,0 Promille zeigt das Messgerät an.

Zum 10. Mal führt der Samariterverein Schöftland einen Anlass zur Früherfassung potenzieller Samariterinnen und Samariter durch.

Dieses Jahr ist der Hintergedanke Programm: Man will eine Help-Jugendgruppe gründen. Im Vordergrund aber steht am späteren Freitagnachmittag der Plausch.

Vor allem die Buben begeistert das Polizeiauto, das Christine Lötscher und Reto Tresch von der Regionalpolizei Zofingen zeigen. Da kommt Krimikitzel auf, wenn Tresch die Handschellen aus dem Gurt nimmt und willige Kinder in der schweren Schutzweste, die nicht nur Pistolenkugeln, sondern auch gröbere Kaliber schluckt, ein paar Meter rennen lässt.

Die beiden Polizisten zeigen, was im Volvo steckt; die Kinder staunen: Absperrband, Chip-Lesegerät zur Identifikation von Hunden, aber auch Handschuhe.

«Wir müssen auch tote Tiere bergen», sagt Christine Lötscher, und die Kinder raten, um welche Tiere es sich handeln könnte: Hund, Fuchs, Reh. Um erste Hilfe geht es nicht an diesem Tag, aber ums Kennenlernen von Organisationen, die Freund und Helfer sein können. Dazu gehören auch Feuerwehr, Samariterverein und die Rettungssanitäter vom Kantonsspital Aarau.

Rettungssanitäter Joe Amato demonstriert die Vakuummatratze. «Wozu soll das gut sein?», fragt er.

Jan ist schlau: damit die Knochen nicht verrutschen. «Wer stürmt, kommt nie dran», sagt Timea. Viele möchten mal auf die Matratze liegen oder sich wenigstens ein Bein oder einen Arm schienen lassen. Auch der «coole Rollstuhl» reizt zum Hineinsitzen. Joe hat einen strengen Vorabend, denn einige Kinder loten die Grenzen aus.

Regula Neeser leitet die noch zu gründende Help-Samariterjugend Schöftland. Sie wäre nach Bremgarten, Hallwilersee, Leuggern, Surbtal-Studenland und Zeihen die sechste Gruppe im Aargau. Doris Künzle, im Kantonalvorstand der Aargauischen Samaritervereine Beauftragte für Jugendarbeit, macht sich keine Illusionen: «Nicht jedes Helpie bleibt dem Samariterverein erhalten.» Sie hofft, dass sich Leute später an eine tolle Zeit erinnern und einem Samariterverein beitreten.

Help steht für helfen, erleben, lernen und Plausch. Am Schnuppernachmittag in Schöftland lernen die Kinder bei den Samariterinnen, wie man mit einem Dreiecktuch eine Armtragschlinge macht. Und die Feuerwehr gewährt einen Blick in die Innereien eines Tanklöschfahrzeugs.

Das Experiment mit den Kerzen, die erlöschen, wenn man ihnen die Luftzufuhr sperrt, zeigt die Bedeutung der Luft für die Entwicklung eines Feuers. Die Kinder haben ihren Spass. Wienerli mit Brot und einen Geschenksack mit Frisbee, Bleistift, Schleckstängel und Ballon gibts obendrein. Am 5. September trifft sich, wer in der Helpgruppe mitmachen will, ein erstes Mal. «Mit fünf, sechs Kindern fangen wir an», sagt Regula Neeser.