Abstimmungen
«Beim Jagen geht es auch ums Pflegen»: Neues Gesetz soll Zersiedlung verhindern und Tierarten schützen

Das Aargauer Ja-Komitee zum neuen Jagdgesetz bestreitet die Vorwürfe der Gegner, man wolle auf Biber schiessen. Das angepasste Jagdgesetzt steht zur Diskussion, weil durch die Rückkehr ausgestorbener Tierarten neue Konflikte zwischen Mensch und Tier entstanden sind.

Mireille Fluri
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In Holziken hat ein Biber seinen Bau in die Uferböschung der Uerke gegraben.
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Für das Aargauer Ja-Komitee zum neuen Jagdgesetz geht es bei der Abstimmung aber nicht um den Wolf, sondern hauptsächlich um den Biber.
Ja-Komitee zum neuen Jagdgesetz
Rahel Frey, Jägerin stimmt Huber zu, dass Schweizer Wildtiere durch das neue Jagdgesetz besser geschützt werden als durch das alte.
«Es müssen sehr viele Voraussetzungen erfüllt sein, bevor überhaupt erwogen werden kann, geschützte Tiere zu töten» so Rainer Klöti, Präsident von Jagd Aargau.

In Holziken hat ein Biber seinen Bau in die Uferböschung der Uerke gegraben.

Fabio Baranzini

Im Juli hat ein Wolf in Oberhof im Fricktal drei Lämmer gerissen. Bereits eineinhalb Jahre zuvor war ein Wolf im Aargau unterwegs und riss in derselben Gemeinde zwei Ziegen. Gerade im Abstimmungskampf über das Referendum zum neuen Jagdgesetz, das am 27. September an die Urne kommt, sind alle Augen auf solche Vorfälle gerichtet. Denn mit dem neuen Jagdgesetz würden die Voraussetzungen gelockert, um Wölfe zu erlegen.

Für das Aargauer Ja-Komitee zum neuen Jagdgesetz geht es bei der Abstimmung aber nicht um den Wolf, sondern hauptsächlich um den Biber und die durch ihn verursachten Schäden im Kanton. Um ihr Anliegen zu illustrieren, luden die Befürworter am Mittwoch zur Pressekonferenz nach Holziken ein, wo ein Biber seinen Bau in die Uferböschung der Uerke gegraben hat.

Von der einen Uferseite her sieht man den durch den Biber erbauten Staudamm. Das Unwetter von letzter Woche hat einen Teil der Uferböschung weggespült, weil sich das Wasser einen Weg um den Damm herum bahnen musste. Auf der anderen Seite hat der Biber den Uferweg unterhöhlt, der dadurch einsturzgefährdet ist.

Die Schäden müssen die Gemeinden selber bezahlen

Die Gemeinde Holziken habe die Stelle zwar neu teeren lassen, erklärte Fredi Siegrist, Facharbeiter für Marketing und Kommunikation des Bauernverbands Aargau. Doch im Strassenbelag klaffte am Mittwochschon wieder ein Loch. Laut Siegrist betragen die Schäden mehrere 1000 Franken. Bezahlen müsse die Gemeinde, denn «im Moment wird weder der Schaden noch die Prävention vom Bund oder vom Kanton bezahlt», so Siegrist. Das revidierte Jagdgesetz solle nun die rechtliche Grundlage für eine Vergütung der Kosten schaffen.

Mit dem Gesetz könne man neu einen Biberbau auch entfernen lassen, wenn er Schäden anrichte, fügte Alois Huber hinzu. «Es geht nicht darum, ob man den Biber abknallen, sondern ob man indirekt etwas gegen ihn unternehmen darf», bestritt der Präsident des Bauernverbands Aargau und SVP-Nationalrat den Vorwurf der Abstimmungsgegner, dass man den Biber zum Abschuss freigeben wolle.

Doch man müsse einen neuen Weg finden, damit Mensch und Tier miteinander leben könnten. Ins selbe Horn blies Rainer Klöti, Präsident des Verbands Jagd Aargau und gleichzeitig Vizepräsident der Stiftung Wildtiere. Er unterstrich, dass das revidierte Jagdgesetz den Jägerinnen und Jägern keinesfalls freie Hand zum Abschuss von geschützten Tieren gebe.

«Es müssen sehr viele Voraussetzungen erfüllt sein, bevor überhaupt erwogen werden kann, geschützte Tiere zu töten», so der Präsident des Jagdverbandes. Durch die Rückkehr ausgestorbener Tierarten in die Schweiz seien neue Konflikte zwischen Mensch und Tier entstanden, die das alte Jagdgesetz von 1986 nicht regle. Deswegen brauche die Schweiz ein neues, den heutigen Umständen angepasstes Jagdgesetz.

Das Gesetz soll Wildtiere besser schützen

Schlussendlich würden die Schweizer Wildtiere durch das neue Jagdgesetz besser geschützt als durch das alte, erklärte Bauernpräsident Huber. Dem stimmte Rahel Frey zu. Die Jägerin betonte, dass das Gesetz die weitere Zersiedlung der Lebensräume von Wildtieren verhindere und neue Tierarten schütze.

Sie ärgerte sich, dass immer vom Abschussgesetz gesprochen werde: «Beim Jagen geht es auch um das Pflegen der Natur und der Tiere», so Frey.