Die Reformierte Landeskirche tut viel. Sie sorgt dafür, dass kranke Menschen besucht werden, bietet Kurse zum Bilderbuch erzählen an und organisiert Biografie-Schreibseminare. Seit Neustem lehrt sie sogar, wie das Steak auf dem Grill schön saftig wird.

Am Freitagabend trafen sich über 20 Männer zum Grillplausch. Organisiert hat diesen Fleischschmaus Jürg Hochuli, Bereichsleiter Bildung und Gesellschaft der Reformierten Landeskirche Aargau. Er erklärt, weshalb die Landeskirche ihre Männer an den Grill ruft: «Die Kirche ist eher weiblich geprägt.»

Um Männer zu erreichen, brauche es andere Gefässe. «Ich habe mir überlegt: Was macht ein Mann am Freitagabend gern?» Die Antwort ist einfach: Grillieren! Und das sei übrigens eine Tatsache und keine primitive Rollenzuteilung, stellt Pfarrer Hochuli klar. Und genau hier wollte man einhaken: Denn Männer sollen sich im kirchlichen Umfeld so bewegen dürfen, wie Frauen auch, ohne dass sie sich dafür bei Kollegen entschuldigen müssten.

Ein Männerplausch

Weil sich die Kirchen leeren, ist der Grillplausch nicht das einzige Angebot, das bei den Reformierten ein bisschen aus der Reihe tanzt: Im vergangenen Jahr standen für die Männer der Besuch bei einem Weinbauern, die Besichtigung einer Autogarage und ein Rundgang durch eine Schuhfabrik auf dem Programm.

Stellt sich die Frage: Bringt es wirklich etwas, wenn sich die Kirche dermassen verbiegen muss, um Leute anzusprechen? Frank Worbs, Mediensprecher der Reformierten Landeskirche Aargau kontert: «Es geht letztlich nicht ums Fleisch, ums Grillen oder um Autos, sondern um das Leben in seiner Vielfältigkeit und mit allen seinen Fragen.» Es sei die Gemeinschaft, die eine Kirche biete, in der alle Fragen Platz hätten.

Der Gender-Grill

So weit, so gut.Doch das Projekt «Grillabend» erntete auch Kritik. Im März bekam die Reformierte Landeskirche Post von Anton Rotzetter, einem der bekanntesten christlichen Tierschützer und Präsident von Aktion Kirche und Tier (Akut).

Rotzetter prangert einen «fundamentalen Widerspruch der reformierten Kirche» an. Einerseits mache sie mit der Aktion «Brot für alle» auf die Hintergründe des Fleischkonsums aufmerksam, andererseits propagiere sie mit dem Grillabend eine Art Lehrgang zum Fleischkonsum. Rotzetter geht noch weiter: Die Kirche zementiere Geschlechterrollen – die Frau an den Herd, der Mann an den Grill. Ausserdem lasse sie sich von der Fleischbranche instrumentalisieren.

Rotzetter hoffte, dass der Anlass abgesagt würde. Dem war nicht so. Am Freitagabend wurde in Suhr gegrillt. Die Männer genossen das Fleisch vom Grill und verbrachten einen guten Abend. Trotz aller Aufregung. Die Kollegen der Katholischen Landeskirche finden die Idee mit dem Grillplausch ganz gut. Die katholischen Männer grillieren zwar nicht – sie kochen lieber. Ihr Männer-Kochkurs war jedenfalls ein Erfolg.