Könnte ein Wärter auch in einem Aargauer Gefängnis alleine mit einem Gefangenen das Gebäude verlassen und fliehen?

Dies wollte die BDP-Fraktion in einer Interpellation vom Regierungsrat wissen, nachdem Wärterin Angela Magdici ihrem Geliebten Hassan Kiko zur Flucht aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon verholfen hatte.

Die Antwort überrascht: Kommt drauf an, um welches Gefängnis es sich handelt.

In der Justizvollzugsanstalt Lenzburg ist dies nicht möglich. Denn da wird die Türöffnung immer von einem zweiten Vollzugsangestellten aus der Loge heraus vorgenommen, die Loge ist 24 Stunden besetzt.

Wie lebt es sich auf 7 Quadratmetern? Eine Aussstellung gibt einen Einblick in den Alltag der JVA Lenzburg

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Gefangene nachts ohne Wärter

Bei den Bezirksgefängnissen hingegen wäre eine Flucht mit Wärter grundsätzlich möglich.

Bei den zwei kleineren Bezirksgefängnissen in Laufenburg und Bad Zurzach besteht kein 24-Stunden-Dienst; nachts sind die Gefangenen alleine.

Es besteht lediglich ein Pikettdienst, der von einer Person wahrgenommen wird. Diese könnte also durchaus alleine ins Gefängnis gehen und einen Gefangenen oder eine Gefangene leise und unspektakulär befreien.

Aber auch die grösseren Bezirksgefängnisse Aarau, Kulm, Zofingen und Baden sind in dieser Beziehung nicht viel sicherer: Jeweils zwei Personen – in Baden gar nur eine – haben in der Nacht Bereitschaftsdienst. Dies bedeutet, dass die Vollzugsangestellten ruhen und schlafen können.

Sie leisten nur bei Bedarf Dienst, also beispielsweise bei einem Zellennotruf oder dem Eintritt einer verhafteten Person.

Es wäre demnach auch hier möglich, dass ein Aufseher oder eine Aufseherin eine inhaftierte Person befreien könnte.

Angela Magdici spricht über ihre Flucht

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Exklusiv im TalkTäglich spricht die 33-Jährige über die Hintergründe des Gefängnisausbruchs, ihre Motive und die Liebe zum Flüchtling Hassan Kiko.

Schutz vor Drohnen und Handys

Die BDP-Fraktion stellt der Regierung zur Ausbruchssicherheit der Aargauer Gefängnisse eine Reihe weitere Fragen.

So will sie wissen, wie Auswahl und Schulung des Wachpersonals erfolgt. Die Anforderungen, die heute an Mitarbeitende im Justizvollzug gestellt werden, seien hoch.

Verlangt wird ein einwandfreier Leumund ohne jede Vorstrafe sowie ein hoher Grad an persönlicher Reife, erklärt der Regierungsrat.

Neue Vollzugsangestellte durchlaufen in den ersten zwei Jahren eine praktische Ausbildung, während der ihre Eignung für die Tätigkeit nochmals beobachtet werden kann.

Dann absolvieren sie während 15 Wochen verteilt auf zwei Jahre ihre Grundausbildung im schweizerischen Ausbildungszentrum für das Strafvollzugspersonal in Freiburg.

Diese wird mit der eidgenössischen Berufsprüfung abgeschlossen. Wer besteht, erhält den Titel «Fachmann/Fachfrau für Justizvollzug mit eidgenössischem Fachausweis».

Alle Bezirksgefängnisse im Aargau sind vor Drohnen geschützt, in Lenzburg wird die Ausschreibung eines Drohenabwehrsystems erarbeitet.

Dafür ist die Justizvollzugsanstalt Lenzburg seit längerem mit einem Handystörsender ausgerüstet.

In den Bezirksgefängnissen ist dies nicht möglich. Allerdings wurde auch seit Jahren kein Mobiltelefon mehr in einer Zelle entdeckt.

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