Personalführung
Bei der SVA häufen sich die Abgänge – Hochuli greift ein

Personelle Turbulenzen bei der Sozialversicherungsanstalt SVA Aargau. Ausser der Direktorin Nancy Wayland Bigler nimmt die gesamte Geschäftsleitung den Hut. Regierungsrätin Hochuli verlangt Erklärungen von der Führung der Sozialversicherungsanstalt.

Urs Moser
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Führungsduo bei der SVA: Elisabeth Meyerhans (Präsidentin der Verwaltungskommission, links) und Nancy Wayland Bigler (Direktorin).

Führungsduo bei der SVA: Elisabeth Meyerhans (Präsidentin der Verwaltungskommission, links) und Nancy Wayland Bigler (Direktorin).

Sandra Ardizzone

Als Eigentümer und gleichzeitig Kunde der Sozialversicherungsanstalt SVA Aargau kann man beim Kanton eigentlich zufrieden sein. Die Verwaltungsrechnung der SVA schloss im vergangenen Jahr mit einem Plus von 1,4 Millionen ab; der Beitragssatz der Familienausgleichskasse wurde gesenkt, was die Wirtschaft in den nächsten fünf Jahren um 45 Millionen entlastet; der Bereich Invalidenversicherung meldet insgesamt 1864 erfolgreich abgeschlossene Eingliederungen in den Arbeitsmarkt, was einer hohen Erfolgsquote von 74 Prozent entspricht.

Exodus aus der Chefetage

Dass sich dennoch besorgte Stimmen melden, liegt an personellen Turbulenzen. Im ersten Jahr unter der neuen Direktorin Nancy Wayland Bigler ist die SVA Aargau nicht zur Ruhe gekommen, im Gegenteil: Ausser der Direktorin nimmt die gesamte Geschäftsleitung den Hut. Finanzchefin Inge Hubacher hat das Unternehmen bereits verlassen und wird erst im Oktober ersetzt, der Bereichsleiter Ausgleichskasse Christoph Schmugge geht Ende Oktober, der Bereichsleiter Invalidenversicherung Daniel Roth einen Monat später. Die kommunizierten Abgänge im obersten Kader sind aber bei weitem nicht die einzigen.

Gekündigt haben etwa auch die Personalchefin, der Informatik-Chef, die Teamleiterin Integration und beide Teamleiterinnen Prämienverbilligung. Eine doch auffällig hohe Fluktuation, die wohl kaum Zufall sein könne, findet SVP-Sozialpolitiker Clemens Hochreuter. An der nächsten Sitzung der Kommission Gesundheit und Sozialwesen Ende Juni ist der Geschäftsbericht der SVA Aargau traktandiert. Da werde er Erklärungen verlangen, schliesslich habe der Grosse Rat eine Aufsichtsfunktion und der Abgang von gleich drei der vier Geschäftsleitungsmitgliedern mache schon stutzig.

Gerüchte über ein schlechtes Betriebsklima sowie Verstimmung beim Personal über eine allzu fordernde Führung werden natürlich so nicht bestätigt, von der SVA-Spitze aber auch nicht gerade entkräftet. Das Unternehmen stehe «am Anfang einer Transformation», sagte Elisabeth Meyerhans Sarasin, Präsidentin der Verwaltungskommission, gestern bei der Präsentation des Jahresberichts.

Und zu den Abgängen: Die Kostenführerschaft habe Priorität, es könnten wohl nicht alle Mitarbeitenden diese Strategie mittragen. Kostenführerschaft heisst: Die Verwaltungskosten bei der Abwicklung der Sozialversicherungsleistungen für fast 270 000 Bezüger müssen runter, die Effizienz muss steigen.

Und die neue Direktorin Nancy Wayland Bigler lässt kaum Zweifel, dass sie gewillt ist, die Vorgaben mit Konsequenz und wenn nötig auch mit Härte umzusetzen: Die ganze Wirtschaft wie auch öffentliche Verwaltungen stünden unter einem hohen Kosten- und Effizienzdruck. Sie sehe keinen Grund, weshalb ein Unternehmen wie die SVA da eine Ausnahme sein sollte.

Anzupacken dürfte es für eine starke Hand dabei noch genug geben: Wohl nimmt das Auftragsvolumen der SVA schon rein demografisch bedingt stetig zu, eine Steigerung der Verwaltungskosten allein in den letzten vier Jahren von 52,3 auf 64,2 Millionen um fast 23 Prozent ist aber doch beachtlich.

Auch Hochuli ist besorgt

Dennoch macht man sich auch im Departement Gesundheit und Soziales Gedanken über die vielen Abgänge. Regierungsrätin Susanne Hochuli habe der SVA gegenüber ihre Besorgnis ausgedrückt und den Gesamtregierungsrat darüber ins Bild gesetzt, sagt ihr Sprecher Balz Bruder.

Bis Mitte Juni muss die SVA dem Departement unter anderem Rechenschaft über die Personalsituation in der Geschäftsleitung ablegen. Und im Übrigen, so Bruder: Das Ziel der Kostenführerschaft habe die SVA selber formuliert. Der Regierungsrat gehe davon aus, dass bei der Umsetzung von Zielen der Eigentümerstrategie die Stabilität des Unternehmens nicht tangiert wird.

Bei der IV zeigt der Trend nach unten

Die SVA Aargau hat im vergangenen Jahr die Auszahlung von Sozialversicherungsleistungen (inklusive Prämienverbilligung) von rund 2,5 Milliarden Franken abgewickelt. Der Trend zeigt überall nach oben – ausser bei der Invalidenversicherung: Im Aargau bezogen im letzten Jahr gut 15 500 Personen eine IV-Rente, davon 10 544 eine Rente der SVA. Die von der SVA abgewickelten Rentenleistungen beliefen sich auf 227 Millionen, das sind 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Zur Bekämpfung des Versicherungsmissbrauchs wurden 163 Verdachtsfälle kontrolliert.

In 33 Fällen wurden Renten aufgehoben, reduziert oder keine Rente neu zugesprochen. Dadurch sei die Auszahlung von hochgerechnet 13,5 Millionen nicht gerechtfertigter Leistungen verhindert worden, so die SVA.

Auffällig ist die Entwicklung bei den Prämienverbilligungen. Wohl sind die Ausgaben um fast 8 Prozent auf 294 Millionen Franken gestiegen, was aber hauptsächlich auf einen Systemwechsel bei der Auszahlung für Sozialhilfebezüger liegt. Die Zahl der Anspruchsberechtigten hat sich hingegen durch die politischen Entscheide zu Richtprämie und Einkommenssatz um über 8300 Personen reduziert. Auf der «schwarzen» Liste der säumigen Prämienzahler waren Ende Jahr 10 547 Personen aufgeführt. (mou)

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