Studie
Bei der Steuerbelastung für den Mittelstand stürzt der Kanton Aargau ab

Eine Studie der eidgenössischen Steuerverwaltung listet die Steuerlast in den einzelnen Kantonen von 2004 bis 2012 auf. Auffällig schlecht sind dabei Zahlen aus dem Aargau.

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Luftaufnahme von Baden im Aargau: In einem Ranking zur Steuerbelastung für den Mittelstand hat dieser einigen Boden verloren.

Luftaufnahme von Baden im Aargau: In einem Ranking zur Steuerbelastung für den Mittelstand hat dieser einigen Boden verloren.

Niklaus Wächter

Die Steuerlast ist in den letzten zehn Jahren für fast alle Menschen in der Schweiz gesunken, wie der «Tages-Anzeiger» heute berichtet. Mit Blick auf eine Studie der Eidgenössischen Steuerverwaltung zwischen 2004 und 2012 zeigt die Zeitung auf, wie sich der Steuerwettbewerb unter den einzelnen Kantonen ausgewirkt hat. Dabei wurden grosse Unterschiede im Vergleich der 26 Kantone sichtbar.

Stadtkantone haben Mühe, Reiche anzulocken

Mit Steuerentlastungen von 7,3 Prozent in Uri und 4,8 Prozent im Thurgau buhlen diese beiden Kantone am stärksten um reiche Steuerzahler. Sie waren in der Studie auch führend bei der Senkung der Grenzsteuersätze für höchste Einkommen. Für Reiche am attraktivsten bleiben die Kantone Schwyz, Zug und Nidwalden, wobei sich auch Obwalden, Solothurn, Freiburg und Graubünden im Untersuchungszeitraum mit Steuerentlastungen um zahlungskräftige Bürger bemühten.

Laut der Studie tun sich vor allem die Stadtkantone schwer, im Steuerwettbewerb um die Reichen Schritt zu halten. So konnte Zürich die Steuerentlastung für Millionäre um nur 0,6 Prozentpunkte senken. Auch Bern und Neuenburg verloren im Ranking der Steuerbelastungen für Reiche an Boden, wobei Neuenburg als einziger Kanton bei kinderlosen Millionärspaaren 2012 mehr Steuern als 2004 erhob. In den stark bevölkerten Kantonen Basel-Stadt, Genf und Waadt blieb die Steuersituation für Reiche unverändert schlecht.

Aargau für Mittelstand unattraktiv

Für Durchschnittseinkommen haben sämtliche Kantone die Steuerlast gesenkt - für Ledige am stärksten der Kanton Basel-Stadt (um 2,5 Prozentpunkte) und für Familien der Kanton Genf (um 3,6 Prozentpunkte). Für Mittelstandsfamilien und Ledige ist auch der Kanton Zürich attraktiv, wo die Steuerbelastung für diese Einkommensklasse bei 5 Prozent liegt.

Auffällig ist der Absturz des Aargaus im Ranking der Steuerentlastungen beim Mittelstand. Für eine vierköpfige Familie mit einem Einkommen von 100 000 Franken brachte es der Kanton im untersuchten Zeitraum auf eine Steuerentlastung von lediglich 0,3 Prozentpunkten.

Laut Dave Siegrist, Vorsteher des kantonalen Steueramts, liegen die Gründe für das mässige Ergebnis in den vergangenen zwei Steuergesetzrevisionen. «Damals legten wir den Fokus auf die Steuerentlastung von Besserverdienenden, um den Kanton attraktiver zu machen», erklärt Siegrist gegenüber der «Aargauer Zeitung». «Auch die tiefen Einkommen wurden entlastet, wodurch der Mittelstand weitgehend unverändert blieb.»

An der Steuergesetzrevision 2012 sei aber beschlossen worden, den Mittelstand (Verheiratete mit 80 000 bis 160 000, Alleinstehende mit 40 000 bis 80 000 Franken Einkommen) um 5 bis 6 Prozentpunkte zu entlasten. Die erste Hälfte der Steuerentlastung soll 2014 erfolgen, der Rest im Jahr 2015. (LUK)

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