Nachgefragt
«Bei der Lokführer-Einteilung geht man ans Limit»

Wegen kranken Lokführern und Personal-Unterbestand fielen bei der Wynental- und Suhrentalbahn zwei Züge aus. Edith Graf, SP-Nationalrätin und als Sekretärin der Gewerkschaft des Verkehrspersonals für die WSB zuständig, über die aktuelle Situation.

Fabian Hägler
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Edit Graf-Litscher: «Ich rechne damit, dass die Situation bis September kritisch bleiben wird.»

Edit Graf-Litscher: «Ich rechne damit, dass die Situation bis September kritisch bleiben wird.»

Sandra Ardizzone/zvg

Frau Graf-Litscher, wie kritisch ist der Lokführermangel bei der Wynental-Suhrental-Bahn?

Edith Graf: Die aktuelle Situation ist schwierig, die Lokführer sind aufgrund des Personalmangels sehr stark ausgelastet. Es kommt vor, dass sie auf geplante Freitage verzichten müssen, weil insgesamt nicht genügend Lokführer verfügbar sind.

Was können Sie als Gewerkschafts-Vertreterin in diesem Fall für die Lokführer tun?

Wir haben die Unternehmensleitung mehrfach auf die Problematik und den Handlungsbedarf hingewiesen. Die Lokführer machen während 365 Tagen und Nächten im Jahr einen guten Job. Die Verantwortlichen haben uns versichert, dass sie alles daran-setzen, den Personalmangel zu beheben – dies auch in Zusammenarbeit mit anderen Transportunternehmen.

Wie lange wird es dauern, bis genug Lokführer angestellt sind?

Ich rechne damit, dass die Situation bis September kritisch bleiben wird, weil kurzfristig nicht mehr Lokführer ausgebildet werden können. Dies führt zu einer schlechten Stimmung beim Personal: Wer ständig am Anschlag arbeiten muss, ist unzufrieden und fühlt sich gestresst.

Es stehen Vorwürfe im Raum, die Arbeitszeitvorschriften würden bis zum Letzten ausgereizt oder gar verletzt.

Wenn ein Personalmangel besteht, hat das zur Folge, dass die Einteilungs-Verantwortlichen ans gesetz-
liche Limit gehen müssen. Ich habe keine Meldungen, dass gesetzliche Vorgaben nicht eingehalten werden.

Ein ehemaliger Lokführer sagt, bei der WSB seien die Monatslöhne im Schnitt rund 1000 Franken tiefer als bei den SBB.

Der Branchenleader zahlt in aller Regel höhere Löhne. Dies ist auch im öffentlichen Verkehr nicht anders. Ein Lokführer bei den SBB fährt auf verschiedenen Strecken mit verschieden Fahrzeugen. Dafür ist der Lokführer bei der WSB im Strassen- wie im Schienenbereich stark gefordert.

Bei der Nachverhandlung des Firmenarbeitsvertrags der WSB konn-ten wir als Gewerkschaft unsere
Anliegen einbringen. Dabei ging es darum, dass junge Lokführer auch lohnmässig bessere Aufstiegschancen haben – dies haben wir erreicht.