Die Idee klingt zunächst brutal: Sobald ein Kadermitglied 60 Jahre alt ist, wird es zur Consenec AG zwangsversetzt und arbeitet dort als Berater in einem frei wählbaren Pensum. Das Resultat: Das Kader wird verjüngt, und gleichzeitig geht das Wissen der Manager nicht verloren.

Die drei Firmen ABB, Alstom und Bombardier gründeten die Beratungsfirma Consenec AG vor 20 Jahren – das Konzept der drei Pioniere hat in der Zwischenzeit weite Kreise gezogen.

200 Prozent oder Golfplatz

«Die Consenec ist weder Abstellgleis noch ein Beschäftigungsprogramm für ältere Mitarbeiter», sagt Regierungsrat Urs Hofmann in seiner Grussbotschaft. Sie biete den Mittelweg für alle Arten von Managern: von dem, der sich an die Verantwortung klammert bis zu dem, der die Kalendertage bis zur Pensionierung zählt. «Consenec ist die ideale Alternative zwischen 200-Prozent-Pensum und Golfplatz – heute müssen die Kader auch im Alter am Ball bleiben.»

Der Regierungsrat lobte das Unternehmen derart über den grünen Klee, dass Geschäftsführer Renato Merz fragte: «Dürfen wir Ihre Rede als Werbetext für unsere nächste Broschüre verwenden?» Dem Scherz war durchaus eine ernsthafte Note zu entnehmen.

Kurze Mandate als Erfolgsrezept

Aktuell arbeiten 30 Berater für die Consenec AG, früher waren es bedeutend mehr. Unternehmen aus aller Welt können die Berater engagieren. «Insbesondere bei Ausfällen von Kaderleuten oder in der Übergangsphase zwischen zwei Managern sind unsere Berater gefragt», so Merz. Die meisten Mandate dauern weniger als 20 Tage – diese kurzen Aufträge scheinen der grosse Trumpf der Consenec zu sein.

Die Geschäftszahlen bestätigen den Erfolg des Konzepts: 2012 erwirtschaftete die Beratungsfirma einen Umsatz von 8 Millionen – das entspricht 220 000 Franken pro Berater.

Das Prinzip der Consenec haben mittlerweile auch andere Schweizer Unternehmen abgekupfert: Die SBB und die Swisscom haben ähnliche Modelle eingeführt – allerdings ohne die Zwangsversetzung mit 60 Jahren.