Steuern

Bei Abschaffung der Heiratsstrafe entgehen dem Kanton Millionen

Verheiratete sollen nicht mehr Steuern als Unverheiratete zahlen müssen

Verheiratete sollen nicht mehr Steuern als Unverheiratete zahlen müssen

Der Bundesrat will die «Heiratsstrafe» beseitigen, die verheiratete Paare benachteiligt. Für die Kantone soll das keine Folgen haben. Stimmt nicht, sagt der Aargauer Steuerchef. Dem Kanton würden jährlich rund 11 Millionen Franken entgehen.

Je nach Fall werden heute Ehepaare bei der direkten Bundessteuer gegenüber unverheirateten Paaren benachteiligt. Dies soll sich ändern, weil das Bundesgericht diese Situation als verfassungswidrig erklärt, sobald der Unterschied in der Steuerbelastung in vergleichbarer Einkommensalge über 10 Prozent liegt.

Die «Heiratsstrafe» soll mit einer «alternativen Steuerberechnung» behoben werden. Dabei ist es Aufgabe der Steuerbehörden, den Steuerbetrag eines Paares nach dem Verheiratetentarif mit jenem, den die Eheleute nach dem individuellen Tarif bezahlen, zu vergleichen. Schliesslich wird der niedrigere der beiden Beträge in Rechnung gestellt.

Mit dieser Erneuerung rechnet der Bund mit einer Einbusse von rund einer Milliarde Franken pro Jahr.

Steuerverwaltung hat Mehraufwand

Da damit jedoch nur die Bundessteuer betroffen ist, sollte es auch beim Kanton keine Ausfälle geben. Doch dem ist nicht so, wie der Leiter der kantonalen Steuerverwaltung, Dave Siegrist, erklärt. Da die Kantone die Bundessteuern vollziehen, bekommen sie dafür eine Entschädigung, die von den Steuererträgen abhängig ist.

«Wenn der Bund mit einer Milliarde Einbusse rechnet, bedeutet das für den Kanton Aargau rund 11 Millionen Franken weniger Bundessteueranteile, die dann in der Steuerkasse des Kantons fehlen werden», sagt Siegrist. Die Gemeinden seien jedoch von der Abschaffung der «Heiratsstrafe» nicht betroffen.

Dazu kommt für die kantonale Steuerverwaltung ein weiteres Problem: Weil der Kanton bei einer Abschaffung der Heiratsstrafe zwei Veranlagungen prüfen müsste - die individuelle und diejenige für das Ehepaar - bedeutet das einen Mehraufwand. «Immer wenn ein Wahlrecht besteht, werden die administrativen Verfahren aufwändig. Wir sind deswegen gegen solche Wahlrechte», sagt Siegrist.

Es gibt einen Lichtblick

Zudem würde man mit einem Wahlrecht auch die Menschen verunsichern, es gäbe mehr Fragen und der Erklärungsbedarf werde grösser. Die Steuerverwaltung begrüsst eine Lösung, die die administrativen Verfahren nicht noch mehr verkomplizieren würden.

Einen Lichtblick gibt es jedoch: Im Kanton Aargau ist die «Heiratsstrafe» seit langen abgeschafft. Dafür wird im Aargau ein «Splitting» vollzogen, bei dem die Einkommen verheirateter Paare zum halben Steuersatz des Einkommenssteuertarifs berechnet werden. «Es gibt im Aargau keinen Fall, in dem verheiratete Paare schlechter wegkommen als unverheiratete», sagt Siegrist.

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