Was bedeutet der Bundesrats-Entscheid zur Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers für die Hypothekarkunden? Bei Banken erhielten wir zu dieser Frage unterschiedliche Antworten. Ein gemeinsamer Nenner schält sich heraus: Wohl keine der befragten Banken tastet bestehende Festhypotheken an.

Die Neue Aargauer Bank hat laut Kommunikationschef Roland Teuscher die Aktivierung des Kapitalpuffers erwartet und ihre Strategie schon 2012 entsprechend ausgerichtet: «Deshalb werden die verschärften Kapitalanforderungen aus heutiger Beurteilung voraussichtlich kaum Auswirkungen für bestehende Hypotheken haben.» Ob und um wie viel der Bundesratsentscheid das Neugeschäft verteuert, werde zurzeit von der Geschäftsleitung geprüft. Es sei richtig, so Teuscher, «dass sich die verschärften regulatorischen Anforderungen generell kostentreibend auf das Bankgeschäft auswirken».

Die Aargauische Kantonalbank geht laut Kommunikationschefin Ursula Diebold im Moment nicht davon aus, dass sie die Hypothekarzinsen erhöhen wird, weder für neue noch für bisherige Hypothekenkunden.

Laut Thomas Sommerhalder, UBS-Regionaldirektor Aargau/Solothurn, nimmt die UBS «Kenntnis vom Entscheid des Bundesrates». Der Entscheid bestätige die von der UBS verfolgte Strategie, auf Kapitalstärke zu setzen. Sommerhalder: «UBS ist  die derzeit kapitalstärkste globale Bank. Wir werden unsere bereits seit drei Jahren verfolgte Hypothekenstrategie des qualitativen Wachstums entsprechend weiterverfolgen.»

«Starke Eigenmittel-Struktur»

Bei der Hypothekarbank Lenzburg sieht CEO Marianne Wildi «keine Auswirkung auf die laufenden Fest- und Liborhypotheken, da bei diesen Verträgen Zins, Marge und Laufzeit fixiert sind». Bei variablen Hypotheken könnte der Zinssatz erhöht werden, das sei aber aktuell nicht geplant. Da sich durch die Einführung des Kapitalpuffers die Eigenmittelkosten erhöhen, rechnet die Hypi Lenzburg für neue Kunden (Neugeschäft und Erhöhungen) «mit Zuschlägen zwischen 0,05 und 0,15 Prozent». Wildi: «Aufgrund unserer starken Eigenmittel-Struktur haben wir keinen unmittelbaren Handlungsbedarf.» Dazu, ob der Kapitalpuffer wie allgemein erwartet auch bei der Hypi Lenzburg die Hypotheken um 0,1 bis 0,2 Prozent verteuern werde, sagt Wildi: «Aufgrund der erhöhten Kosten gehen wir davon aus. Zusätzlich beobachten wir die Marktsituation und die Konkurrenz.»

Der Bundesratsentscheid hat laut Sonja Stieglbauer, Mediensprecherin Raiffeisen Schweiz, bei ihnen keine Auswirkung auf bestehende Festhypotheken. Eine direkte Auswirkung könnte höchstens bei den variablen Hypotheken feststellbar sein. Bei Neukunden und bei Erhöhungen kommen laut Stieglbauer die dannzumal aktuellen Zinssätze zur Anwendung: «Diese könnten von den Auswirkungen des antizyklischen Kapitalpuffers betroffen sein.» Wird dies, wie allgemein erwartet, auch bei ihnen die Hypotheken um 0,1 bis 0,2 Prozent verteuern? Stieglbauer: «Ja, auch Raiffeisen geht von einer Verteuerung der Hypotheken-Zinssätze in diesem Umfang aus.»

Doppelt so hohe Eigenmittel

Die Clientis-Banken sind «aufgrund ihrer Strategie sehr stark mit Eigenmitteln unterlegt», betont Hans-Ulrich Stucki, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Clientis AG, des Kompetenz- und Dienstleistungszentrums der Clientis-Banken, in Bern: «Wir haben doppelt so hohe Eigenmittel wie gesetzlich gefordert, die Erhöhungsvorgabe bereitet uns daher kein Kopfzerbrechen.» Auf bestehende Hypotheken habe der Kapitalpuffer bei den Clientis- Banken keine Auswirkung. Bei neuen Hypotheken erwartet Stucki im Markt eine Erhöhung von rund 0,1 Prozent.

Bei der Valiant-Bank hat der Beschluss laut Kommunikationschefin Valérie Bodenmüller bei bisherigen und bei neuen Hypothekarkunden momentan direkt keine Auswirkungen. Die Zinsen würden durch den Markt bestimmt. Ob die Bestimmung, wie allgemein erwartet, zu einer Verteuerung führen werde, dazu sei es noch zu früh, etwas zu sagen. Bodenmüller verweist darauf, dass alle Banken bis September die erhöhten Eigenmittelanforderungen erfüllen müssen: «Wir werden sie erfüllen.»