Hitzewelle

Bei 35 Grad: So schön tauchen, schuften und schwitzen die Aargauer

Am Wochenende hat der Aargau geschwitzt: Auf Feldern, Tennisplätzen - und viele suchten Abkühlung in Flüssen oder Schwimmbädern. Eine Reise durch den Kanton.

Tennwil, 10.00 Uhr, 29,5 Grad. Eigentlich hätte Familie Notter noch einige Stunden länger schlafen wollen. Doch dann wurde sie von der Hitzewelle erfasst – und bereits am frühen Morgen unbarmherzig aus dem Zelt gespült.

Fast 40 Grad zeigt das Thermometer unterdessen im Zelt an – gefühlt sind es noch einige mehr. Deshalb sitzen die Gäste aus Lenzburg jetzt früher als geplant beim Frühstück auf der Picknickdecke und schauen zu, wie sich ihr Camembert immer mehr verflüssigt.

Beschweren über die brütende Hitze will sich auf dem Campingplatz im Strandbad Tennwil aber niemand. Lange hat man auf die warmen Sommertage gewartet, jetzt will man sie auch so richtig geniessen.

Und mit dem angrenzenden Hallwilersee ist beim Zeltausflug auch stets für eine erfrischende Abkühlung gesorgt. Im Wasser gibt es schon bald kein Durchkommen mehr. Neue Gäste kommen im Sekundentakt.

Abkühlung in Sicht

Brugg, 11.30 Uhr, 32 Grad. Die Sonne steigt, die Temperatur ebenfalls. An einem Seitenarm der Aare treffen sich die Einheimischen. Sie grillieren und baden. Die kleine Bucht kennen nur wenige, die Atmosphäre ist entspannt.

Von all dem bekommen Marinsz Mitura und seine ukrainischen, portugiesischen und polnischen Kollegen nicht viel mit. Wenige Meter vom kühlen Nass entfernt drehen die zehn Saisonarbeiter auf einem Zucchetti-Feld ihre Runden.

Die Hitze macht ihnen zu schaffen, gearbeitet wird trotzdem: ruhig, routiniert, konzentriert. «Hitzefrei gibt es bei uns nicht», sagt Mitura in gebrochenem Deutsch, «je heisser es ist, desto wichtiger ist es, dass wir das Gemüse rechtzeitig ernten können.»

Während der grossgewachsene Pole spricht, laufen ihm immer wieder Schweissperlen in Augen und Mund. Den hohen Temperaturen kann er dennoch etwas Positives abgewinnen: «Schau mich an! Vor einigen Wochen war ich bleich wie ein Pole, heute bin ich braungebrannt wie ein Portugiese!» Mitura lacht schallend, wischt sich den Schweiss von der Stirn, läuft weiter. Es ist noch nicht mal Mittag.

Sand, aber ohne Strand

Frick, 14.00 Uhr, 35,5 Grad. Hätten die Doppelpartnerinnen Agnes Suter und Bernadette Hort bei der Anmeldung über die vorherrschenden Temperaturen Bescheid gewusst, hätten sie vermutlich auf eine Teilnahme am traditionellen Tennisturnier «Frickberg-Cup» verzichtet. Jetzt aber sitzen sie im Halbfinal – auf der Bank am Rande des Courts.

Nach bald zwei Stunden Sport unter der Sonne sind sie dankbar für jede Unterbrechung. Es wird viel getrunken, nur wenig gesprochen. In anderen Kategorien wurden wegen der Hitze mehrere Spiele vorzeitig abgebrochen. Eine Teilnehmerin kollabierte gar.

So bedrückt die Stimmung auf dem Fricker Tennisplatz, so ausgelassen ist sie in der Badi nebenan. Das Schwimmbad ist voll, sogar übervoll: Ein Teil der hat sich deshalb sogar gegen das Freibad und für das Hallenbad entschieden. Nicht so Rebekka Kokossar mit Tochter Janelle. Die beiden haben gerade ihre erste gemeinsame Fahrt überhaupt auf der Wasserrutsche hinter sich. Und aus den glücklichen Gesichtern bei der Ankunft im Schwimmbecken wird klar: Die Abkühlung hat nicht nur der erst einjährigen Janelle gutgetan.

Sich einfach mal treiben lassen

Bremgarten, 16.15 Uhr, 35 Grad. Auf keinem anderen Aargauer Fluss herrscht in diesen Tagen so viel Verkehr wie auf der Reuss. Mit Luftmatratzen und Gummibooten kann man sich durch das ganze Freiamt bis zum Wasserschloss treiben lassen.

Bremgarten ist dabei ein beliebter Startpunkt. Am Samstag und Sonntag sah man immer wieder Personen in Bademontur, die ihre Gummiboote durch die malerische Altstadt trugen. Einer von ihnen: Student Felix Jäger.

Normalerweise ist der Surfer in Bremgarten auf der künstlichen Welle bei der Militärbrücke anzutreffen. Doch die Hitzewelle hat der Surfwelle den Garaus gemacht. Für ambitioniertes Wellenreiten habe es nämlich schlicht zu wenig Wasser, erklärt der 21-Jährige.

Jäger hat deshalb für einen Tag Board gegen Boot getauscht und macht sich am späten Nachmittag mit seinen Kollegen auf den Weg von Bremgarten nach Mellingen. Rund drei Stunden werden sie für die Fahrt benötigen.

Dazwischen wird ein Grillstopp eingelegt. Mit einem kühlen Bier werden sie den Sommerabend ausklingen lassen – und mit einem weiteren Bier werden sie die Sommerferien einläuten.

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