Abstimmungs-Nachwehen
Behörde verzählte sich: Doch kein Auns-Nest in Wohlen

Detaillierte Daten aus den Gemeinden zeigen, dass das Nein gegen die nationalen Vorlagen breit abgestützt war. So fand sich nirgends eine Mehrheit für Managed Care. In Wohlen verzählte man sich: Auch dort wurde die Auns-Initiative klar gebodigt.

Daniel Fuchs
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Die Auns-Initiative wurde auch in Wohlen klar abgelehnt

Die Auns-Initiative wurde auch in Wohlen klar abgelehnt

AZ

Eines sei vorweggenommen: Auch im Kanton Aargau hatte keine der drei nationalen Vorlagen den Hauch einer Chance. Kein einziger Bezirk

Daten: Kanton Aargau

Gar 73 Prozent schickten die Initiative der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns) mit dem Titel «Staatsverträge vors Volk» bachab.

Kein Wohler Auns-Nest

Nur gerade in der Kleinstgemeinde Böbikon im Zurzibiet stimmte eine Mehrheit der Auns-Initiative zu. In der grösseren und dadurch aussagekräftigeren Gemeinde Wohlen dagegen verpasste das Ansinnen, das mehr Mitsprache der Bevölkerung bei Staatsverträgen forderte, gemäss den ersten amtlichen Resultaten nur ganz knapp die Mehrheit.

Fälschlicherweise, wie sich nun zeigt. Denn der in Wohlen fürs Auszählen verantwortliche Heribert Galli glaubt an kein Auns-Nest in seiner Gemeinde. Wie er gegenüber der az einräumt, seien auf dem Ja-Stapel fälschlicherweise Nein-Zettel gelandet. «Weil wir mit der Hilfe einer Waage das Gewicht der Stapel messen und so das Resultat berechnen, fiel der Fehler erst später auf», so Galli.

In Wirklichkeit hätten 1837 Stimmberechtigte abgelehnt, nur 702 zugestimmt. Mit einem Nein-Anteil von 72 Prozent liegt Wohlen sehr nah beim Durchschnitt. Beim Kanton bestätigt man den Fehler. Folgen hat er aber keine. Die Proportionen werden sich nur leicht verschieben.

Genug vom Bausparen

Wer sich das Abstimmungsverhalten zur Bauspar-Initiative des Hauseigentümerverbands (HEV) etwas genauer ansieht, stellt vor allem im Zurzibiet Erstaunliches fest: Rümikon und Leibstadt sind die einzigen Gemeinden im Kanton, die ein steuerbefreites Bausparen hätten einführen wollen, wobei sich in Leibstadt die Befürworter nur mit zwei Stimmen mehr durchsetzten.

Bei SVP-Nationalrat und Präsident des Aargauer Hauseigentümerverbands, Hansjörg Knecht, überwiegt zwar die Enttäuschung über das deutliche Verdikt. Über die knappe Unterstützung seiner Leibstädter Mitbürger freut er sich aber. «Ich war sehr viel unterwegs und versuchte insbesondere die Dorfbevölkerung vom Sinn des Bausparens zu überzeugen», sagt er zu az.

Was lief schief, dass Bausparen sonstwo fast keine Freunde fand? Knecht glaubt den Grund insbesondere beim Bundesrat, der die beiden Bauspar-Initiativen an zwei verschiedenen Abstimmungsterminen ansetzte: «Die Leute hatten genug und verwarfen deshalb sogar die moderatere der beiden Bauspar-Initiativen.» Er glaubt, dass es geklappt hätte, wären beide Vorlagen gleichentags zur Abstimmung gekommen.

Nirgendwo Mehrheit für Managed Care

Schiffbruch auf der ganzen Linie erlitt die «Managed Care»-Vorlage, obwohl der Kanton Aargau gesamthaft zu den weniger ablehnenden Kantonen gezählt werden muss (siehe Grafik). Trotzdem: In keiner einzigen Gemeinde fand die gesundheitspolitische Vorlage eine Mehrheit.

Sogar in der Wohngemeinde von FDP-Ständerätin Christine Egerszegi – einer Befürworterin von Managed Care – mochte nur eine Minderheit der Vorlage zustimmen. Christine Egerszegi ist aber nicht enttäuscht. Die Bevölkerung habe ihre Wahlfreiheit wahrgenommen, was voll und ganz zu akzeptieren sei.