Berufswahl
Baumeisterverband investiert sechsstelligen Betrag für Nachwuchs-Kampagne

Der Aargauer Baumeisterverband geht bei der Rekrutierung von Nachwuchs auf eine Roadshow und damit in die Offensive. Er macht das mit Hilfe der virtuellen Figur Toby, welche die Sprache der Jungen spricht - und auch auf Facebook präsent ist.

Urs Moser
Merken
Drucken
Teilen
Der Baumeisterverband geht bei der Rekrutierung von Berufsnachwuchs in die Offensive

Der Baumeisterverband geht bei der Rekrutierung von Berufsnachwuchs in die Offensive

facebook.com

Auf Facebook gratuliert «Toby on tour» dem Maurer-Talent Kevin Hofer zum ersten Platz an der Regionalausscheidung für die Maurer-Schweizer-Meisterschaft. Die virtuelle Figur steht im Zentrum einer Offensive des Aargauer Baumeisterverbands für die Rekrutierung von Berufsnachwuchs.

Toby spricht die Sprache der Jugendlichen und ist dort präsent, wo sie sich informieren – im Netz, in Social Media. Und er ist eben «on tour». Erstmals war er letztes Jahr an der Berufsschau in Lenzburg zu sehen. Der Baumeisterverband heimste mit seiner Präsentation den ersten Platz bei der Standprämierung ein.

In harten Zahlen messen kann man den Erfolg der auf fünf bis sieben Jahre ausgelegten Rekrutierungskampagne noch kaum, räumt Peter Meyer ein, Präsident der Bildungskommission des Baumeisterverbands. Aber das Feedback – auch der schweizerische Dachverband zeigte Interesse an der Kampagne – sei so positiv, dass man überzeugt ist, auf dem richtigen Weg zu sein.

Auf gutem Weg sei man auch, die anvisierte Zahl von Lehrvertragsabschlüssen für dieses Jahr – um die 70 für Maurer und um die 20 für Strassenbauer – zu erreichen.

Schnuppern vor Ort

Dieses Jahr schlägt der Baumeisterverband mit «Toby on tour» einen neuen Weg ein: «Roadshow» nennt sich das Projekt. Bisher war man mit einem Info-Mobil unterwegs und brachte quasi die Baustelle auf Schulhöfe.

Jetzt bringt Toby nicht Informationen über Bauberufe in die Schulen, er holt die Jugendlichen zu Baustellenbesuchen ab, um ihnen vor Ort zu zeigen, wie abwechslungsreich und spannend es in der Baubranche zugeht.

Imagepflege für Bauberufe

Die Aktion funktioniert so: Rund 70 Schulleitungen im ganzen Kanton erhalten in den nächsten Tagen eine Roadshow-Box. Sie enthält die Informationen über die Aktion, Werbeplakate und Flyer, die an die Schüler verteilt werden können, und Anmeldekarten zu Baustellenbesuchen für die Klassenlehrer.

Der Baumeisterverband liess sich die Entwicklung der Kampagne einen sechsstelligen Betrag kosten. Mit gutem Grund, denn das Nachwuchsproblem in der Branche akzentuiert sich. Zum einen kommen die geburtenschwachen Jahrgänge ins Ausbildungsalter, zum anderen sehe man sich mit einem Imageproblem konfrontiert, sagt Pascal Johner, Geschäftsführer des Baumeisterverbands.

Oft sei die Berufswahl nicht die Wunsch-, sondern eher eine Notlösung. Das führte dann zeitweilig auch zu einer hohen Lehrabbruchquote. Deshalb will man die Jugendlichen mit der Roadshow früher im Berufswahlprozess ansprechen und vor allem auch gezielter diejenigen erreichen, die echtes Interesse zeigen.

Die Baustellenbesuche werden in den Wochen vom 1. bis 5. und 15. bis 19. September angeboten. Welche Unternehmen sich wo an der Aktion beteiligen, ist noch nicht abschliessend bestimmt.