Landwirt Andy Steinacher aus Schupfart hat eine schlaflose Nacht hinter sich. Aber die Nachtschicht hat sich gelohnt. «Ich denke, wir sind glimpflich davon gekommen», sagt er. Der Frost hat seinen Steinobstkulturen wenig anhaben können. Obschon die Temperaturen im Fricktal im Lauf der Nacht vom Sonntag auf den Montag auf minus 3 Grad gesunken waren.

Zum Schutz vor der Kälte hat Steinacher seine Kirschbäume auf einer Fläche von rund zwei Hektaren rechtzeitig mit Folien geschützt. «Da ging ich bewusst ein Risiko ein», sagt Steinacher, «denn hätte es mehr als 5 Zentimeter geschneit, wäre der Schnee für das Foliendach bald einmal zu schwer geworden.»

Versicherung ist zu teuer

Zum Glück fiel kein Schnee. Im Laufe der Nacht setzte Steinacher auch die Frostkerzen an, die etwa zwei Grad höhere Temperatur erzeugen. «Die Vorbereitung hat sich gelohnt, das Risiko hat sich ausbezahlt», sagt er. Aber noch bleibt keine Zeit, um den Schlaf nachzuholen: «Uns steht noch mindestens eine weitere Frostnacht bevor», sagt er. Er hat auch rechtzeitig den Boden bewässert, was die Wärmeabgabe aus dem Boden erhöht. Noch sei es zu früh für eine Bilanz, erklärt Daniel Schnegg vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Denn es würden weitere Frostnächte folgen.

Schnegg geht aber davon aus, dass die Schäden an den Kulturen im Vergleich zum «Jahrhundertfrost» von 2017 wohl sehr bescheiden ausfallen werden. Damals entstanden der Aargauer Landwirtschaft insgesamt Schäden von rund 30 Millionen Franken. Als Sofortmassnahme gewährte der Kanton damals den betroffenen Landwirten zinslose Überbrückungskredite und Stundungen laufender Kredite. Zudem wurde beschlossen, dass das Landwirtschaftliche Zentrum Liebegg künftig die Landwirte bei der Prävention von Frostschäden an den Kulturen fachlich intensiver unterstützen soll.

Diese Unterstützung hat offensichtlich genützt. Denn diesmal waren die Aargauer Landwirte gut auf den Frost vorbereitet. Diskutiert wurde damals auch die Schaffung einer Frostversicherung. Dieses Angebot bestehe, aber es werde kaum genutzt, sagt Daniel Schnegg.

Landwirt Andy Steinacher weiss auch, warum das so ist: «Diese Versicherung ist viel zu teuer», erklärt er. Zudem zahle sie erst dann, wenn der Ernteausfall mindestens 50 Prozent betrage. Attraktiv wäre eine generelle Ernteausfallversicherung. Aber auch die müsste bezahlbar sein, sagt Steinacher auch in seiner Funktion als Präsident des Verbands Aargauer Obstproduzenten.

Begehrte Frostkerzen

Auch Margreth Müller aus Staffelbach hat eine anstrengende Nacht hinter sich. Zusammen mit ihrer Familie bewirtschaftet sie die 70 Aren des Rebbergs «Wyliberg» in Wiliberg. Auch sie hat sich auf die Frostnächte vorbereitet. So hat sie bereits im Winter an den Reben einen zweiten Trieb als «Frostreserve» stehen lassen. Zudem hat sie die Wiese zwischen den Rebstöcken gemäht, das führe dazu, dass die Temperatur an der Bodenoberfläche ein bis zwei Grad wärmer sei. Und sie hat sich ebenfalls mit Frostkerzen eingedeckt. Mitten in der Nacht habe ihr Mann angesichts der Minustemperaturen Alarm geschlagen; man habe dann unverzüglich die Frostkerzen angezündet. Allerdings habe man sich auf den Schutz der älteren Reben beschränken müssen. Margreth Müller schätzt, dass deshalb rund ein Drittel der jungen Reben erfroren sind.

Die Bedrohung ist noch nicht vorbei; der Wetterbericht kündigt die nächste Frostnacht an. Wieder werden Müllers die Frostkerzen einsetzen. Wobei Margreth Müller hofft, dass die Kerzen noch eine Nacht durchhalten. Denn Nachschub gibt es weit und breit nicht, Frostkerzen sind ausverkauft.