Zofingen
Bauer vor Gericht, weil zwei Kätzchen eingeschläfert werden mussten

Ein Bauer stand vor dem Bezirksgericht Zofingen: Die Polizei hatte kranke junge Kätzchen auf seinem Hof gefunden, die in einem so schlechten Zustand war, dass ihnen nicht mehr zu helfen war. Tierschützer sind auch deshalb für eine Kastrationspflicht.

Aline Wüst
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Werden Katzen nicht kastriert, vermehren sie sich ungeheuer schnell. Zweimal im Jahr wirft eine unkastrierte Kätzin. Pro Wurf gibt es bis zu acht Kätzchen. Geworfen wird jetzt – im Frühling.

Auf Bauernhöfen werden diese unerwünschten neugeborenen Katzen noch heute ersäuft oder erschossen, sagen verschiedene Tierschützer. Die Dunkelziffer sei hoch. Astrid Becker vom Aargauischen Tierschutzverein sagt deshalb: «Ich befürworte eine allgemeine Kastrationspflicht, um Katzenleid zu verhindern.»

1500 Katzen hat der Aargauische Tierschutzverein im vergangenen Jahr auf Bauernhöfen und rund um Privathäuser eingefangen und kastriert. 2012 hatte es der Tierschutzverein in einem einzigen Fall mit 62 Katzen zu tun. Solche Tiere seien oft in einem katastrophalen Zustand, hätten trübe Augen, weil sie unter unbehandelten Augenentzündungen leiden. Es sei eine langwierige Aufgabe, die Katzen wieder aufzupäppeln.

Doch die Schuld sei nicht allein bei den Bauern zu suchen. Das Problem der unkontrollierten Vermehrung werde auch bei Privaten immer häufiger zum Problem, so Becker. Bei den Bauern hingegen habe ein Umdenken stattgefunden: «Die jüngere Generation ist sich der Verantwortung bewusst und kastriert die Katzen eher.» Natürlich gebe es immer wieder schwarze Schafe.

Junger Bauer vor Gericht

Gestern wurde am Bezirksgericht Zofingen eine solche Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz verhandelt. Angeklagt war ein junger Bauer, der auf seinem Hof vier Kätzinnen und einen Kater hielt – allesamt unkastriert. Eine Polizeipatrouille fand vor eineinhalb Jahren an der Strasse vor seinem Hof sechs Katzenwelpen. Zwei davon konnten eingefangen werden. Die Kätzchen hatten ein struppiges Fell, verklebte Schnauzen und Augen.

Die Polizisten brachten die Kätzchen zu einer Tierärztin, diese stellte einen schlimmen Katzenschnupfen und einen starken Lausbefall fest sowie Geschwulste unter der Zunge. Die Kätzchen mussten eingeschläfert werden. Die Staatsanwaltschaft stellte eine Busse von 500 Franken aus. Der junge Bauer erhob Einsprache.

Vor Gericht bestritt er, dass die Katzenwelpen von seinen Kätzinnen seien. Er hätte es bemerkt, wenn seine Katzen trächtig gewesen wären, ausserdem das Miauen der Katzenwelpen gehört, argumentierte er. Überhaupt: Seine vier unkastrierten Kätzinnen hätten während der vergangenen drei Jahre nie Junge gehabt.

Aus tierärztlicher Sicht ist es allerdings sehr unwahrscheinlich, dass unkastrierte Kätzinnen nie trächtig werden, zumal, wie der junge Bauer ausführte, in der Nähe des Hofs noch etliche andere Katzen leben.

Die Bezirksrichterin fragte: «Könnte es nicht sein, dass einmal ein anderer Kater auf Ihren Hof gekommen ist?» Der junge Bauer schloss kategorisch aus, dass seine Kätzinnen trächtig gewesen sein könnten.

Die Katzen hält der junge Bauer wegen der Mäuse. Er selber ist nebenberuflich Bauer und wohnt nicht auf dem Hof. Mittlerweile lebt nur noch eine Katze – die anderen sind alle überfahren worden. Das Urteil ist noch ausstehend. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Bauernhofbüsi günstig kastrieren

Kein Problem hätte der junge Bauer heute, wenn er alle seine Katzen hätte kastrieren lassen. Dann könnte er sicher beweisen, dass die kranken Welpen nicht von seinem Hof stammen.

Für Bauern ist die Kastration ausserdem sehr günstig. Während die Kastration einer Kätzin normal rund 180 Franken kostet, können Bauern dank der Zusammenarbeit von Tierschutzverein und den Tierärzten ihre Katzen seit Jahren zu einem Drittel des Preises kastrieren lassen.

Die Kastration der Bauernhofkatzen unterstützt auch der Aargauer Bauernverband. Geschäftsführer Ralf Bucher sagt: «Aus meiner Sicht hat sich die Situation mit den Bauernhofkatzen gebessert.»

Allerdings erlebten es viele Bauern immer wieder, dass ihnen fremde Büsi zulaufen, die im Heustock werfen. «Was macht man mit diesen verwilderten Katzenwelpen?», fragt Bucher. Er könne sich schon vorstellen, dass einige Bauern die Kätzchen totschlagen. «Gern macht das aber sicher kein Bauer.»

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