Raumplanung
Baudirektor Attiger: Nebst Einzonungen braucht es auch Verdichtung

Um die Bevölkerungszunahme, die der Aargau erwartet, bewältigen zu können, braucht es nicht nur Einzonungen, sondern auch Verdichtung: Das hielt Baudirektor Stephan Attiger an der FDP-Tagung in Böttstein am Dienstag fest.

Fabian Hägler
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Laut Stephan Attiger braucht es für das prognostizierte Bevölkerungswachstum von 190000 Personen im Aargau bis 2040 nicht nur Einzonungen und Neubauten. (Archiv)

Laut Stephan Attiger braucht es für das prognostizierte Bevölkerungswachstum von 190000 Personen im Aargau bis 2040 nicht nur Einzonungen und Neubauten. (Archiv)

Alex Spichale / Keystone

Als einer der ersten Kantone hat der Aargau sein Siedlungsgebiet für die nächsten 25 Jahre festgelegt, wie dies im neuen Raumplanungsgesetz des Bundes vorgesehen ist. Derzeit läuft die Anhörung zur entsprechenden Anpassung des Richtplans. Künftig können nur noch innerhalb dieses Siedlungsgebietes neue Flächen eingezont werden.

«Daneben haben wir räumlich nicht zugeteilte Gebiete für Arbeitsplätze, Wohnschwerpunkte und öffentliche Nutzungen definiert, um die nötige Flexibilität zu haben», erklärte Regierungsrat Stephan Attiger an der Böttsteiner Tagung der FDP.

Der kantonale Baudirektor hielt fest, neben Einzonungen sei künftig auch eine Verdichtung bestehender Wohngebiete nötig, um die Zuzüger mit dem prognostizierten Bevölkerungswachstum von 190 000 Personen bis zum Jahr 2040 aufzunehmen.

Fusionen als Lösung diskutiert

Dass die Pläne des Kantons einige Diskussionen auslösen, zeigte schon die Einleitung von FDP-Präsident Matthias Jauslin in Böttstein. «Mit der Hälfte der heutigen Gemeinden wäre die Umsetzung des Raumplanungsgesetzes deutlich einfacher», sagte er. Und auch Hansueli Bühler, Präsident des Regionalplanungsverbands Fricktal, brachte Fusionen als Lösungsansatz ins Spiel. «Wir haben zwar ungenutzte Bauzonen, die aber am falschen Ort liegen», meinte Bühler. Für den Gemeindeammann von Stein ist ein möglicher Ausgleich von Bauzonen über heutige Gemeindegrenzen hinweg wenig realistisch.

Gemeinden sollen stärker steuern

Anders sieht dies Felix Fuchs: Der Stadtbaumeister von Aarau verwies auf das Beispiel der Überbauung Scheibenschachen, die zum Teil auf Gebiet von Küttigen liegt, aber von den beiden Gemeinden zusammen geplant wurde. Fuchs, der seit 25 Jahren in Aarau tätig ist und massgeblichen Anteil am Gewinn des WakkerPreises hat, sprach sich zudem für mehr Qualität im Städtebau aus. «In der Vergangenheit wurden zu viele Bauten nach dem Motto ‹laisser faire› bewilligt, obwohl die Gemeinden mit der Gestaltungsplanpflicht und weiteren Instrumenten die Möglichkeit haben, klare Vorgaben zu machen.»

Dominik Matter vom Büro Fahrländer Partner Raumentwicklung in Zürich sieht die Wirkung des Raumplanungsgesetzes allein als relativ gering an. «Selbst bei konsequenter Nutzung der Reserven dürfte die künftige Nachfrage nach Wohnraum ohne Neubauten auf der grünen Wiese kaum zu decken sein», prognostizierte Matter.

Um die Zersiedelung wirksam zu bremsen, seien weitere Massnahmen nötig: Abschaffung des steuerlichen Pendlerabzugs, Besteuerung des Wohnflächenverbrauchs, Erhöhung der Mobilitätskosten oder Mindestbelegungsvorschriften für Wohnungen. Dass dies zumindest bei den Freisinnigen nicht mehrheitsfähig ist, zeigte das Raunen im Saal, das bei Matters Vortrag entstand.