Umweltschutz
Bau-Müll im Wald entsorgt: Mann im Aargau mit 5000 Franken gebüsst – Schweizer Rekord

Der Kanton Aargau verhängt im Durchschnitt der Kantone die dritthöchsten Bussen wegen Abfalldelikten. Ein Fall ragt hinaus.

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Umwelt-Gesetze werden in den Kantonen extrem unterschiedlich vollzogen. Dies zeigen Daten des Bundesamts für Umwelt (Bafu), welche der "Sonntagszeitung" vorliegen. Erhoben wurden alle kantonalen Strafentscheide der Jahre 2012 bis 2016 aus dem Bereich Umwelt, vom Wald- bis zum Jagdgesetz. Insgesamt gab es 4537 Verurteilungen. Meist im Bereich Wasser (39%), knapp dahinter folgten Abfall-Delikte (38%). Gerade einmal zwei Umweltsünder wurden in Genf schuldig gesprochen. In Bern waren es 712. Gemessen an der Zahl der Einwohner liegt aber Appenzell Innerrhoden an erster Stelle: Einer von 245 Bürgern wurde wegen einem Umweltdelikt bestraft.

Auch die Höhe der jeweiligen Bussen fällt je nach Kanton unterschiedlich aus. Dies zeigt sich am Beispiel Abfall. In Basel-Stadt zahlte ein Täter im Schnitt 1388 Franken, in Zug lediglich 213 Franken. Der Aargau liegt mit 623 Franken auf Platz 3 und über dem Schweizer Durchschnitt von 419 Franken. Das Umweltschutzgesetz sieht Bussen von bis zu 20'000 Franken vor.

Der Aargau liegt aber in einer anderen Kategorie auf Platz 1: Er sprach die höchste Busse gegen einen Abfall-Sünder aus. 5000 Franken betrug sie. Aufgebrummt bekam sie ein Zürcher Unternehmer, der in drei Waldstücken Bauschutt entsorgte.

Nicht enthalten in den Daten des Bafu ist einfaches Littering, das direkt von Polizisten geahndet werden kann. Ausgewertet wurden nur Fälle, die von einem Staatsanwalt oder Richter behandelt wurden. Umso tiefer erscheinen die verhängten Strafen. «Teilweise muss man leider sagen, dass Umweltdelikte als Bagatellen betrachtet werden», sagt Florian Wild, Leiter der Abteilung Recht des Bafu. Es sei wichtig, Schulungen für Polizisten oder Staatsanwälte im Umweltschutz zu verstärken. Und zu prüfen, ob schwere Delikte ins Strafgesetzbuch aufgenommen werden können. «Bei Umweltverbrechen hat unsere Gesetzgebung Lücken.»