Der Fall Barmelweid konsterniert Patienten und Mitarbeiter der Lungenklinik. Seit die Aargauer Zeitung Ende April berichtete, dass Klinikpräsident und Ex-Grossrat Daniel Heller (FDP) als Teilhaber der Lobbying-Agentur Farner von Mandaten aus der Tabakindustrie profitiert, herrscht Unruhe im idyllischen Krankenhaus ob Aarau.

Die «Nordwestschweiz» hat Kenntnis von mehreren Patienten, die sich bei Klinikleitung und Ärzten über Hellers Verbindungen zu Tabakfirmen wie Philip Morris und Dannemann beschwerten.

Heller versuchte, die Situation mit Krisensitzungen, einer Medienmitteilung und einem Aushang im Lift der Klinik zu entschärfen.

Barmelweid-Chef Daniel Heller ist auch Teilhaber der Lobbying-Agentur Farner, die von Mandaten aus der Tabakindustrie profitiert.

Barmelweid-Chef Daniel Heller versucht mit einem Aushang im Klinik-Lift zu entschärfen.

Barmelweid-Chef Daniel Heller ist auch Teilhaber der Lobbying-Agentur Farner, die von Mandaten aus der Tabakindustrie profitiert.

In der Stellungnahme räumte die Barmelweid die Kontakte ihres Präsidenten zur Tabakindustrie ein, betonte aber, Heller sei nicht direkt in die Mandate involviert.

Die Kritiker überzeugt das wenig, so auch nicht die Direktorin der Lungenliga Schweiz, Sonja Bietenhard. Sie sagt, ihre Organisation arbeite zwar sehr gut mit den Ärzten der Barmelweid zusammen. Es habe nie einen Hinweis gegeben, dass diese in ihrer Arbeit eingeschränkt wären.

Aber: «Wir erhalten zunehmend Briefe von namhaften Spendern, die uns auffordern, Stellung zu beziehen. Viele finden die Verbindungen von Klinik-Präsident Daniel Heller zur Tabakindustrie eine Frechheit. Wir teilen das Unverständnis unserer Spender.»

Das sind happige Worte, zumal die Lungenliga gemäss den Statuten der Barmelweid mit einem ständigen Vertreter im Vorstand der Klinik vertreten sein muss. Klinik-CEO Beat Stierlin geht aber nicht auf die Kritik ein, sondern sagt nur: «Wir können bestätigen, was die Direktorin der Lungenliga sagt: Die Klinik arbeitet unabhängig und professionell und immer im Dienste der Patientinnen und Patienten.»

Ob das dem Trägerverein der Barmelweid reicht, ist eine andere Frage. Am 1. Juni findet dessen Generalversammlung statt. Bei dieser Gelegenheit muss sich Heller, wenn er Klinikpräsident bleiben will, wohl einige unangenehme Fragen gefallen lassen.