Kantonalbank

Bankenexperte beurteilt Polit-Pläne mit AKB: «Der Preis ist recht hoch»

Christoph Lengwiler, Professor an der Hochschule Luzern, über die Pläne die AKB in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln.

Christoph Lengwiler, Professor an der Hochschule Luzern, über die Pläne die AKB in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln.

Die Grossratskommission will die Staatsgarantie für die Aargauische Kantonalbank abschaffen und die AKB zugleich in eine Aktiengesellschaft umwandeln. Was würden diese Schritte für die Bank, die Kunden und den Kanton bedeuten? Professor Christoph Leutwiler, Experte für Kantonalbanken, gibt eine Einschätzung.

Die Grossratskommission im Aargau will die Staatsgarantie der AKB aufheben. Können Sie das nachvollziehen?

Der Entschied ist für mich teilweise nachvollziehbar, weil die Idee in der kantonalen Politik immer wieder aufkommt. Ich bezweifle jedoch ernsthaft, ob es im aktuellen Umfeld Sinn macht, die Staatsgarantie ohne stichhaltige Gründe aufzuheben.

Wie wichtig ist eine Staatsgarantie für eine Bank wie die AKB?

Solange der Kanton Alleineigentümer der Bank bleibt, macht die Beibehaltung der Staatsgarantie Sinn. Denn bei einer Aufhebung der formellen Staatsgarantie würde wohl eine faktische Staatsgarantie bestehen bleiben. Obwohl deshalb wohl nicht viel passieren würde, spricht viel für die Beibehaltung der formellen Staatsgarantie, weil diese aus Sicht der Kunden Sicherheit bringt und das Vertrauen in die Bank stärkt. In diesem Sinne profitieren die Bank und der Kanton von der Staatsgarantie.

Zudem soll die Kantonalbank in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Was würde das konkret bedeuten?

Eine Umwandlung in eine AG würde die Governance-Strukturen verändern und wohl auch die von der Kommission ins Feld geführte höhere Flexibilität in Krisenzeiten bringen. Allerdings ist der Preis dafür recht hoch, denn bei einer Umwandlung in eine AG würde die AKB auf Bundesebene steuerpflichtig und das würde gemäss Botschaft jährlich rund 12 Millionen Mehrkosten verursachen.

Aus meiner Sicht macht eine Umwandlung in eine AG wohl am ehesten dann Sinn, wenn eine Teilprivatisierung ins Auge gefasst wird oder wenn sich die rechtlichen Rahmenbedingungen auf Bundesebene ändern; zum Beispiel die Aufhebung der Steuerbefreiung gewisser öffentlich-rechtlichen Anstalten. Beides ist aktuell wohl kein Thema.

Hat eine Umwandlung in eine AG und die Abschaffung der Staatsgarantie auch Folgen für die Kunden?

Die Folgen auf das Kundenverhalten werden im aktuellen Umfeld kaum gross sein, zumal ja der Kanton Alleineigentümer der Bank bleiben würde. Die Nagelprobe würde sich erst stellen, wenn die Finanzbranche oder die AKB selbst in eine Krisensituation käme.

Gegner des Kommissionsentscheids befürchten, die angestrebten Massnahmen wäre der erste Schritt zur Privatisierung oder gar Verkauf der Bank?

Das ist bei einer Umwandlung in eine AG tatsächlich nicht ganz auszuschliessen. Denn diese macht im aktuellen Umfeld vor allem dann Sinn, wenn eine Teilprivatisierung in Betracht bezogen bzw. nicht ausgeschlossen wird.

Auch der unbestritten grössere Handlungsspielraum bei der Rechtsform einer AG in einer Krisensituation würde ja dann letztlich zu einer Beteiligung von Drittaktionären führen. Wichtig wäre dann, welches politische Gremium über den Verkauf von Aktien der AKB entscheiden dürfte – Volk, Parlament oder Regierung.

Wie stehen die Kantonalbanken generell da zur Zeit?

Die Kantonalbanken sind im Moment gut aufgestellt. Sie verfügen über eine solide Eigenkapitalbasis und können sich trotz sinkender Margen und grossen Herausforderungen gut behaupten. 

Prof. Dr. Christoph Lengwiler ist externer Dozent an der Hochschule Luzern und Mitglied des Verwaltungsrates der Berner Kantonalbank.

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