Soziale Medien

«Baldrian-Bally» und «Ritalin-Fränzi» treiben auf Twitter ihr Unwesen

Fake-Accounts von Maya Bally und Franziska Roth sind auf Twitter aktiv geworden.

Fake-Accounts von Maya Bally und Franziska Roth sind auf Twitter aktiv geworden.

Soziale Medien sind auch im Wahlkampf um den letzten Sitz im Regierungsrat ein aktiv genutztes Kommunikationsmittel. Seit dem vergangenen Wochenende treiben aber falsche Profile wie «Ritalin-Fränzi» und «Maya Baldrian-Bally» auf Twitter ihr Unwesen. Hat dies Folgen?

Die beiden Accounts bauen auf den Kritikpunkten an den beiden bürgerlichen Kandidatinnen auf. So fragt die falsche Franziska Roth beispielsweise den FDP-Präsidenten Matthias Jauslin, wie sie, als geschluckte Kröte, so schmecke – eine Anspielung auf die Aussage von Alt-Regierungsrätin Stéphanie Mörikofer, die die Kandidatin der SVP eben als «Kröte, die man schlucken muss» bezeichnet hatte.

Die falsche Maya Bally wird als meinungs- und ideenlos beschrieben, beispielsweise steht in einem Tweet, ihre Vision sei so gross wie ihre Fraktion. Dies bezieht sich darauf, dass die BDP bei den letzten Grossratswahlen ihre Fraktionsstärke verlor und sich nun mit der EVP zusammenschloss. 

Juso steht dazu

Schaut man, wer den beiden Accounts folgt, entdeckt man, dass jeweils unter den ersten fünf Followern Mitglieder der Jungsozialisten aufgeführt sind. Dass die Fakes von der Jungpartei stammen, bestätigt Parteipräsidentin Mia Gujer auf Anfrage der az. «Wir wollen aufzeigen, was hinter den beiden Kandidatinnen steckt.» Beispielsweise habe Roth «Aussagen gemacht, die so nicht tragbar sind.» Gemeint ist etwa die Aussage, man solle Kinder mit löffelweise Ritalin ruhigstellen, oder auch die Forderung nach erhöhten Klassengrössen: «Das wäre ein Rückschritt für unser Bildungssystem.» Dies hat Roth allerdings längst als ironisch bezeichnet und betont, sie sei gegen den Einsatz von Ritalin.

Auch Bally wird von Präsidentin Gujer kritisiert: «Sie weist keine Ecken und Kanten auf, ihr politisches Profil ist unklar und sie hat zudem keine wirkliche Fraktion im Rücken.» 

Dies seien alles Gründe, die gegen eine Wahl von Bally sprächen, so Gujer. Am 27. November findet der zweite Wahlgang um den fünften und letzten Sitz in der Aargauer Regierung statt. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Franziska Roth (SVP), Maya Bally (BDP) und Yvonne Feri (SP).

Und natürlich ist für die Jungsozialistin Gujer klar, wen sie wählen wird: Parteikollegin Yvonne Feri. «Nicht nur, weil sie aus der Mutterpartei stammt.» 

«Primitive Aktion»

BDP-Nationalrat Bernhard Guhl, der auch als Wahlkampfleiter von Maya Bally agiert, bezeichnet diese Fake-Accounts als «unsportlich». Es sei «fernab der political correctness, andere Kandidaten als schlecht darzustellen». Des Weiteren hofft er, dass die Aktion keine Auswirkungen auf den Wahlkampf haben wird, da «der Otto-Normal-Bürger eher selten auf Twitter vertreten ist». 

Klarere Worte findet der Wahlkampfleiter von Franziska Roth, Werner Laube: «Dümmer geht es nicht.» Er bezeichnet das Ganze als «primitive Aktion» und findet es eine «Beleidigung gegenüber dem Wähler, dass mit so etwas Wahlkampf betrieben wird». Zudem ist er sich sicher: «Die Wähler sind nicht so blöd und fallen darauf herein.»

Bschisser-Brogli

Es ist nicht das erste Mal, dass die Juso mit falschen Accounts von Politikern auf sich aufmerksam macht: Bereits im Frühjahr 2015 geisterte ein falscher Facebook-Account des scheidenden Regierungsrats Roland Brogli durch die Medien. Dort wurde er als «Bschisser-Brogli» bezeichnet. Über seine Mediensprecherin liess Brogli damals ausrichten: «Das ist Provokation statt Argumentation.»

Auch die Jungen Grünen erstellten im Frühling des letzten Jahres ein falsches Twitter-Profil von SVP-Nationalrat Maximilian Reimann. Dort wurde er als «Rollstuhllobbyist» bezeichnet. Das Profil wurde damals gelöscht.

Autor

Matthias Hug

Matthias Hug

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