Buchs
Bald gibts im Aargau viel mehr sauberen Strom aus unserem Abfall

In der Kehrichtverbrennungsanlage Buchs wird eine neue Ofenlinie für 118 Millionen Franken eingebaut. Bis im Sommer 2013 soll alles fixfertig und betriebsbereit sein.

Hans Lüthi
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Die grossen Rohre des Rauchgaswäschers (mit Gerüst) sind erneuert worden. Im braunen Bau befindet sich der Elektrofilter. Annika Bütschi

Die grossen Rohre des Rauchgaswäschers (mit Gerüst) sind erneuert worden. Im braunen Bau befindet sich der Elektrofilter. Annika Bütschi

Vieles ist hier in der Kehrichtverbrennungsanlage in Buchs ähnlich wie in einem Atomkraftwerk, nur eine Dimension kleiner. Und der Brennstoff besteht nicht aus Uran-Tabletten, sondern aus unseren Abfällen.

Konkret aus 118000 Tonnen Kehricht aus den Gemeinden im Westaargau und im Fricktal sowie aus Industrie, Gewerbe und Import aus Waldshut. Aus der grossen Hitze im Ofen gibt es viel Dampf, der via Turbine Strom produziert und das grosse Fernwärmenetz im Wynenfeld, sowie das Kantonsspital Aarau versorgt.

KVA Buchs in Zahlen

Die Kehrichtverbrennung in Buchs hat im letzten Jahr 116 000 Tonnen Kehricht entsorgt. Wegen des milden Jahres ging die Fernwärme ins Wynenfeld deutlich auf 62 646 Megawattstunden zurück. Der Stromabsatz stieg dafür auf 47 105 MWh oder 47 Millionen Kilowattstunden (kWh). Während der Kältephase im Februar 2012 schnellte der Wärmebedarf um
20 bis 30 Prozent in die Höhe, im ganzen Februar waren es 10 Prozent mehr. Höchst imposant ist der 85 Meter hohe Kamin mit seinen 8 Meter Durchmesser. Darin befinden sich diverse Rohre für die gereinigte Abluft, ebenso eine Treppe und sogar ein Lift. (lü)

Von den jetzt beginnenden intensiven Bauarbeiten werden die Automobilisten auf der T5 wenig mitbekommen: Dank weiser Voraussicht gelingt es, die Ofenlinie mit allen Komponenten in die bestehende Anlage zu integrieren.

«Der Platz ist schon knapp, aber es reicht gerade noch», sagt Geschäftsleiter Hans Suter vor einer 25 Meter hohen Lücke auf dem Rundgang durch den riesigen Bau. Der Betonboden ist durch Stützen für den neuen Koloss verstärkt worden.

Bessere Effizienz für die Energie

Einem enormen Verschleiss ist vor allem der Feuerungsraum ausgesetzt, bei Temperaturen von 800 bis 1000 Grad, während 8400 Stunden im Jahr. Ähnlich wie in einem AKW gibt es auch hier nur eine kurze Revisionszeit, dann läuft der Ofen wieder ein volles Jahr rund um die Uhr – möglichst ohne Unterbrüche.

Jetzt ist die alte Anlage in die Jahre gekommen, technische und wirtschaftliche Gründe sprechen gegen einen weiteren Betrieb, der durch immer teurere Reparaturen erkauft werden muss. «Das ist ähnlich wie der Ersatz einer alten Ölheizung im Privathaus», vergleicht Suter die Situation.

Das Fazit daraus: Der neue Ofen hat einen viel besseren Wirkungsgrad, der Dampf kommt mit mehr Druck auf die Turbine. Dank der besseren Effizienz macht die Produktion von Strom einen enormen Sprung nach oben: Neben der heute – nach dem Eigenverbrauch – ins Netz gelieferten 46000 Megawattstunden (MWh) werden künftig zusätzlich 20000 MWh jährlich ins öffentliche Netz gespeist.

Letzte Revision und Vorarbeiten

Obwohl bei der 28-jährigen Ofenlinie die letzte Jahresrevision durchgeführt wurde, «wird alles auf Herz und Nieren geprüft, es gibt keine Kompromisse», erklärt der Geschäftsleiter. Nur so könne die hohe Verfügung für ein weiteres Jahr sichergestellt werden. Während der zweieinhalbwöchigen Revision standen auch zehn Fremdfirmen mit bis zu 50 Personen im Einsatz.

«Den Stillstand haben wir auch benutzt, um viele Vorarbeiten für die neue Ofenlinie zu machen», versichert Hans Suter. Dazu gehört ein neuer Ventilator für das Rauchgas, der 60000 Kubikmeter Abgase pro Stunde bewegen kann.

Vorbereitet sind auch die Rauchgasrohre für den Anschluss des neuen Ofens. «Bei den Rauchgaswäschern haben wir festgestellt, dass sie mit einer neuen Innen-Gummierung wieder neuwertig sind», versichert Suter.

Erstes Feuer im August 2013

Um das teilweise neue Material vor einem Temperaturschock zu schützen, wird die alte Ofenlinie ab heute langsam wieder hochgefahren. Im April kommt das Gerüst für den neuen Ofen, dann wird der Dampfkessel in mehreren Schwertransporten aus Deutschland angeliefert.

«Für die Schwermontage ab Juni sind bis zu 40 Leute auf dem Platz», betont Hans Suter. Weil parallel dazu die ganze Entsorgung auf Hochtouren laufen muss, ist es eine Knacknuss, die strenge Suva-Sicherheit einhalten zu können. Mit Videos werden die Fremdarbeiter informiert und müssen Fragen beantworten, bevor sie den Baustellen-Ausweis erhalten.

Seit des letzten Ofen-Neubaus sind fast alle inländischen Anbieter vom Markt verschwunden, das Hauptlos mit Ofen, Kessel und Elektrofilter ist deshalb an die Umwelt- und Energietechnik Martin GmbH in München vergeben worden.

Das Unternehmen besitzt aber für den Service in der Schweiz eine Montag-Equipe in Wettingen. Gemäss dem präzisen Zeitplan wird das erste Feuer im August 2013 den Probebetrieb einläuten. Ab Ende 2013 schluckt der neue Ofen unsere Kehrichtsäcke und macht daraus Wärme, Strom und Schlacke.

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