Derzeit bauen die SBB den Bözbergtunnel aus, in drei Jahren soll der sogenannte 4-Meter-Korridor auf der Gotthard-Achse befahrbar sein. Das macht den Transport von grösseren Lastwagen und Containern per Bahn möglich. Das heisst aber auch, dass ab 2020 die Zahl der Güterzüge, die von Basel her durchs Fricktal, die Region Brugg und das Freiamt fahren, klar steigen wird. Zudem wird die Zugfolge verkürzt, es verkehren also mehr Züge im gleichen Zeitraum. Gleich mehrere Grossräte wollten deshalb vom Regierungsrat wissen, wie sich dieser für den Schutz der Bevölkerung vor Bahnlärm einsetzt.

Die Regierung räumt ein, dass «der nächtliche Güterverkehr auf der Bözberglinie in Zukunft sehr stark zunehmen» werde. Obwohl sich das Verkehrsaufkommen zum Teil verdoppeln werde, gehen die SBB und das Bundesamt für Verkehr «von einer Abnahme der Lärm-Emissionspegel aus», schreibt die Regierung. Dies, weil der Bund die Graugussklotzbremsen an den Güterwagen faktisch verboten habe.

Gemäss einer Schätzung des Bundesamts für Verkehr sind bis heute rund drei Viertel der Güterwagen, die in der Schweiz verkehren, bereits auf leisere Bremsen umgerüstet worden. Der Regierungsrat betont, aus seiner Sicht sei es Sache des Bundes, dafür zu sorgen, «dass die Emissionsminderungsziele des Gesetzes erreicht werden». Doch die Regierung verspricht, sie werde sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten und insbesondere bei einzelnen Eisenbahnprojekten weiterhin «für das Ruhebedürfnis der Aargauer Bevölkerung einsetzen».

Kanton liess Lärm messen

Die sieben Grossräte, die gemeinsam den Vorstoss eingereicht haben, kritisieren derweil: «Wenn sich Gemeinden und Bevölkerung gegen den vermehrten Lärm wehren, stehen sie oft alleine da.» Der Regierungsrat entgegnet, bei Bahnprojekten entscheide das Bundesamt für Verkehr. Der Aargau werde bei Plangenehmigungsverfahren während der öffentlichen Auflage der Projekte angehört. Dort bringe sich der Regierungsrat ein, das Engagement sei vergleichbar mit jenem beim Fluglärm.

Die Regierung verweist als Beispiel auf Villnachern. Dort wurde im Jahr 2011 eine Sammeleinsprache mit 395 Unterschriften gegen ein Lärmsanierungsprojekt eingereicht. Aufgrund dieser massiven Opposition – die Gegner zweifelten die Angaben der SBB an – ordnete der Baudirektor eigene Lärmmessungen und -berechnungen an.

Zudem habe die Regierung beantragt, die Lücke in der Lärmschutzwand vor dem Villnachern-Tunnel zu schliessen. Wohl seien die Güterzüge dank neuer Bremsen leiser, wenn mehr Züge verkehrten, könne die Lärmbelastung für die Bevölkerung dennoch höher werden. Weiter habe der Kanton bei jedem Bauprojekt der SBB angeführt, dass bei einer Zunahme des Lärmpegels um 1 Dezibel eine Sanierungspflicht bestehe. «Diese Forderung wurde vom Bundesamt für Verkehr zuerst nicht übernommen, ist aber mittlerweile eine akzeptierte Grundlage in der Lärmbeurteilung», nennt die Regierung eine erfolgreiche Intervention zum Lärmschutz.