Grossratspräsidium
Badener feierten «ihren» frischgebackenen Grossratspräsidenten

27 Jahre ist es her, seit die Stadt Baden mit Hans Zbinden zum letzten Mal einen Grossratspräsidenten feiern konnte. Keine Frage, da gehörte sich gestern natürlich ein rauschendes Fest zu Ehren von Thierry Burkart.

Urs Moser
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Treffsicher: Grossratspräsident Thierry Burkart beim Torwurf.

Treffsicher: Grossratspräsident Thierry Burkart beim Torwurf.

Begonnen hatte es ja zwar mit einer Panne: Wegen einer Fahrleitungsstörung musste der Tross auf dem Weg von Aarau nach Baden in Brugg umsteigen, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Jetzt könne er sich sicher sein, dass der S-Bahn-Kredit bei den Grossräten auf Zustimmung stossen wird, meinte Verkehrsdirektor Stephan Attiger, für den es auch nur noch einen Stehplatz frei hatte.

Attiger war überhaupt in aufgeräumter Stimmung. Er und der neue Grossratspräsident Thierry Burkart stehen sich zwar durchaus nahe. Aber eigentlich komme er ja nur wegen seiner Tochter an die Feier, scherzte Attiger. Die sang nämlich im Chor der Primarschule Tannegg mit, von dem Thierry Burkart mit der Festgemeinde auf dem Schlossbergplatz mit einem Ständchen empfangen wurde.

Auf dem Weg zum Bahnhof Aarau
23 Bilder
Umringt von den Medien
Thierry Burkart misst sich im Sägen
Alt und Neu- Vreni Friker und Thierry Burkart stossen an
Zum Bersten voll
Slampoet Simon Libsig
Kinder der Schule Tannegg singen im Chor
Markus Dieth ist neuer Vizepräsident 1
Geri Müller bei seiner Ansprache
Apéro im Grossen Rat
FDP Fraktionspräsident Dr. Daniel Heller bei siener Ansprache im Trafo
Fahrt in der Spanischbrödlibahn zum Schlossbergplatz
Ein witerlichromantisches Baden empfängt seinen höchsten Aargauer
Ein wichtiger Tag für die Aargauer Regierung
Ein Prosit auf den neuen Grossratspräsidenten
Der neu gewählte Vize II Marco Hardmeier im Gespräch
Das Musikcorps der KAPO spielte auf
Die Spanischbrödlizunft sorgte für das leibliche Wohl
Blumen für Thierry Burkart von Matthias Jauslin
Badens Stadtätti Geri Müller und der neue Grossratspräsident
Beifall für die scheidenden Vreni Friker
Aus der Perspektive der Kinder
Auch die Weibel waren an diesem Tag gefordert

Auf dem Weg zum Bahnhof Aarau

Emanuel Freudiger

Frischer Wind aus Baden

Er hoffe, Thierry Burkart bringe mit dem weltoffenen Badener Geist frischen Wind in den Grossen Rat, sagte dort Stadtammann Geri Müller. Ihn verbindet mit Thierry Burkart übrigens eine besondere Rivalität auf Distanz. Konkret auf etwa 100 Meter. Er als Goalie des FC Nationalrat und Burkart als Keeper des FC Grossrat, da hätten sie beide ihre erzkonservative Seite ausleben können: Alles verhindern, was irgendwie zu verhindern ist. Burkart war allerdings auch Handballer und stellte als solcher bei klirrender Kälte auch seine offensive Stärke unter Beweis: Von fünf Würfen vier Treffer gegen NLB-Hüter Beni Kropf, das kann sich sehen lassen.

Burkart übte sich in Bescheidenheit: «Erster Diener des Staats gefällt mir besser als höchster Aargauer», sagte er zu seinem Amt. Dass er mitunter aber schon auch in der Politik forsch zur Sache geht, mag vielleicht ein Grund sein, dass Thierry Burkart nicht gerade mit dem glänzendsten Resultat der jüngeren Vergangenheit zum Grossratspräsidenten gewählt wurde: 112 von 125 gültigen Stimmen (der erste Vize Markus Dieth machte 129 von 134, der zweite Vize Marco Hardmeier 106 von 123). Der Festfreude tat das aber keinen Abbruch, im Trafosaal bis in den späten Abend in lockerer Atmosphäre gefeiert.

Landammann Alex Hürzeler und die Regierung in globo, National- und Ständeräte, Vertreter von Wirtschaft, Militär und Justiz – kurzum alles, was Rang und Namen hat, erwies dem Grossratspräsidenten die Ehre. Obwohl: Das sei er streng genommen ja erst ab dem ersten Januar, wie Vorgängerin Vreni Friker festhielt – offenbar etwas wehmütig, das Amt nach verkürzter Dauer abzugeben.

Ob bei Edgar Zimmermann in der Rolle des Herrn Nüssli, bei Bühnenpoet Simon Libsig oder nicht zuletzt bei Stadtammann Geri Müller und Regierungsrat Stephan Attiger, die sich nichts schenkten (Müller: «Unter Kleinparteien muss man zusammenhalten.»): Es wurde viel geschmunzelt und gelacht, es war eine lockere Feier.

Staatsmännische Gedanken brachte FDP-Fraktionschef Daniel Heller ein, der sich von Thierry Burkart eine umsichtige und effiziente Leitungon der Debatten im Grossen Rat wünscht. Denn ein Parlament arbeite nur so gut, wie es geführt werde. Und ein gut arbeitendes und geführtes Parlament sei wichtig. Schliesslich seien Parlamente nicht die Vollzugsorgane der Regierungen, sondern umgekehrt, rief Heller in Erinnerung. Am Grossratspräsidenten soll es nicht fehlen. Ein Gipfelstürmer sei dieser, so der Fraktionspräsident. Logisch, gabs da von den Fraktionskollegen einen Gutschein für eine Bergtour als Geschenk.