Unterkunftsmangel
Badener Architekten entwerfen Asyl-Pavillon: quadratisch, praktisch, günstig

Der Kanton setzt bei der Flüchtlingsunterbringung auf Container, zwei Badener aber auf einen Pavillon. Nicht mehr in den unterirdischen Notspitälern, sondern in Containerdörfern will der Kanton bald Flüchtlinge unterbringen. Günstiger wäre ein Pavillon – sagt zumindest der Hersteller.

Fabian Hägler
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Der Asylpavillon
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Flurin Cajöri und Claudia Cuesta César haben den Integro-Pavillon entwickelt.
Der quadratische Integro Pavillon in der Aussen- und Innenansicht.

Der Asylpavillon

ZVG

Im letzten Monat ist die Zahl der Flüchtlinge, die in die Schweiz kamen, markant zurückgegangen. Laut dem Staatssekretariat für Migration wurden im Januar ein Viertel weniger Asylgesuche eingereicht als im Dezember. Trotz dieser leichten Entspannung hat sich die Zahl der Asylsuchenden im Aargau von 4624 Ende Dezember auf 4785 Ende
Januar erhöht. Für diese Menschen sucht der Kanton die nötigen Plätze – in einer neuen Containersiedlung oder in anderen Unterkünften.

Bald könnte eine neue Variante dazukommen: Claudia Cuesta César und Flurin Cajöri, zwei Jungunternehmer aus Baden, haben den «Integro Pavillon» für Flüchtlinge entwickelt. Das quadratische Gebäude mit einer Fläche von 36 Quadratmetern bietet Platz für acht Personen. «Wir wollen mit unserem Projekt einen Beitrag zur Lösung der aktuellen Flüchtlingskrise leisten», sagt Cajöri auf Anfrage. Zusammen mit seiner Freundin, die ein Architekturstudium absolviert hat, entwickelte der junge Politikwissenschaftler den Pavillon innerhalb eines halben Jahres.

Günstiger als Container in Berlin
«Ein neuer Ansatz - kostengünstig, kompakt und menschenwürdig», heisst es in der Broschüre der Jungunternehmer von der 3C Architektur GmbH über ihren Pavillon. «Die optimale Raumausnutzung führt dazu, dass der Integro Pavillon weniger als die Hälfte der gängigen Containerlösungen kostet», erklärt Cajöri. Tatsächlich kommt ein Platz im Pavillon auf 11 000 Franken zu stehen, im Vergleich zu Containersiedlungen in Basel oder Bülach, wo ein Platz gut 45 000 Franken kostet, ist dies markant günstiger. Sogar gegenüber einem Containerprojekt in Berlin, das mit 21 000 Franken pro Asylplatz rechnet, liegen die Kosten klar tiefer.

Wie ist dies möglich, zumal der Pavillon vollständig in der Schweiz produziert wird und den Bewohnern trotz kleiner Fläche genügend Privatsphäre bieten soll? Flurin Cajöri erklärt, der Platz werde bei ihrem Konzept optimal ausgenutzt, ein befreundeter Holzbau- Unternehmer garantiere eine günstige Fertigung, der Aufbau sei einfach und innerhalb eines halben Tages möglich und die Einrichtung sei preiswert.

Ausserdem erfülle der quadratische Holzbau sämtliche Brandschutzvorschriften und sei nachhaltig, weil für den Bau ökologische Materialien verwendet werden. «Der Pavillon ist zudem voll ausgestattet mit Küche, Dusche, WC und Waschtrockner, was ihn auch für kleinere Gemeinden attraktiv macht, da keine weiteren Wasch- oder Duschräume mehr nötig sind», nennt Cajöri weitere Vorteile. Das eigentliche Herz des Pavillons ist der Wohnraum in der Mitte. «Lichtdurchflutet, farbig gestrichen und mit einem robusten Parkett ausgestattet, bietet der Raum eine hohe Wohnqualität», steht in der Werbebroschüre. Rund um den Wohnraum sind Küche, Dusche, Toilette, Entrée und Bettnischen mit Vorhang angeordnet.

Gemeinden interessiert, aber...
Ein günstiger, voll ausgestatteter Asylpavillon made in Switzerland – das müsste bei Kanton und Gemeinden doch auf Interesse stossen? «Tut es auch», sagt Cajöri, «wir haben zahlreiche positive Rückmeldungen zu unserem Projekt erhalten.» Allerdings hätten alle kontaktierten Gemeinden verlangt, nicht nur Pläne und Visualisierungen, sondern einen fertigen Pavillon zu sehen. Dies soll schon bald Tatsache werden, wie Cajöri ankündigt. «Der erste Integro Pavillon wird vom 25. bis zum 28. Februar auf dem Bahnhofplatz Baden ausgestellt und Interessierten zur Besichtigung offenstehen.»

Ob auch Kantonsvertreter in Baden einen Augenschein nehmen? «Wir kennen das Projekt nicht im Detail, grundsätzlich handelt es sich aber um einen interessanten Lösungsansatz», sagt Balz Bruder, Sprecher des Gesundheits- und Sozialdepartements. Es gebe eine Reihe von Anbietern auf dem Markt, die temporäre mobile Infrastrukturen anbieten, sagt er. «Die Methodenvielfalt ist hoch, die Lösungsansätze bezüglich Materialisierung sind unterschiedlich, ebenso die Kosten.» Wöchentlich sei das Departement von Susanne Hochuli mit Angeboten «unterschiedlichster Provenienz und Machart konfrontiert».

Zentral sei nicht primär die Frage, ob Container, Pavillons oder andere Lösungen berücksichtigt werden. «Es geht vielmehr um die Immobilien, in denen und die Grundstücke, auf denen solche Bauten aufgestellt werden können», hält Bruder fest. Bei allen Projekten für temporäre mobile Unterkünfte seien nicht nur die Kosten für Container oder Pavillons an sich, sondern die Gesamtkosten relevant.

Diese umfassen unter anderem Land- und Gebäudekosten, aber auch Erschliessungs-, Ver- und Entsorgungsaufwand. «Deshalb ist ein seriöser Vergleich des Integro Pavillons mit der Containerlösung in Safenwil auf die Schnelle nicht möglich.»

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