27. Mai 2015: Schönstes Sommerwetter, der Rhein führt viel Wasser, am Kraftwerk Albbruck-Dogern auf der deutschen Seite bei Schwaderloch staut sich das Schwemmholz. Im braunen Durcheinander aus Ästen, Stämmen und PET-Flaschen machen Kraftwerksmitarbeiter plötzlich einen grausigen Fund: die Leiche eines Säuglings.

Grausamer Fund: Babyleiche treibt im Rhein

Grausamer Fund: Babyleiche treibt im Rhein

Der kleine Körper wurde bei Schwaderloch im Fricktal gefunden. Das Mädchen starb wohl kurz nach der Geburt. Die Kapo Aargau, sowie die Polizei von Baden-Württemberg bitten nun um Hinweise aus der Bevölkerung.

Am Tag darauf sagt Paul Wissler, Mediensprecher des Polizeireviers Waldshut-Tiengen: «Wir gehen davon aus, dass das Mädchen relativ bald nach der Geburt gestorben ist. Als Todeszeitpunkt rechnen wir sieben bis zehn Tage zurück.»

Weil der Rhein einen hohen Pegel führt, können die Ermittler nicht eruieren, wo die Leiche in den Fluss gelangte. Gut möglich wäre deshalb auch, dass es sich um ein Schweizer Baby handelt. Die deutsche Polizei involviert sofort die Aargauer Staatsanwaltschaft. Gemeinsam fahnden sie nach der Mutter des toten Kindes.

Ratlos: Die Staatsanwaltschaften hoffen im Fall der Babyleiche aus dem Rhein bei Dogern nun auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Ratlos: Die Staatsanwaltschaften hoffen im Fall der Babyleiche aus dem Rhein bei Dogern nun auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Vier Wochen nach dem Fund der Babyleiche beim Kraftwerk Dogern an der Schweizer Grenze tappen die Ermittler im Dunkeln . Nun kommt die Sendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst» zu Hilfe. Seit 1981 wurde sie in sieben Fällen im Aargau beigezogen.


Die Bevölkerung beidseits des Rheins wird um Mithilfe gebeten: Wem ist eine bis vor kurzem schwangere Frau bekannt, die nun kein Neugeborenes hat und eventuell vorgibt, ihr Kind verloren zu haben? Zwar gehen zwei, drei Hinweise ein, doch die Ermittler haben keine heisse Spur. In der Woche danach richten sie ein anonymes Hinweistelefon ein. «Wir sind froh um jeden Hinweis», sagt Polizeisprecher Wissler.

Und erklärt, was die Herausforderung ist: «Unser grosses Problem ist, dass wir die Tat weder räumlich noch zeitlich genau eingrenzen können». Jetzt rufen die Ermittler das Fernsehen zu Hilfe: Der Fall wird am 24. Juni in der Fahndungssendung «Aktenzeichen XY ungelöst» gezeigt.

Doch nach der Ausstrahlung im ZDF gibt es «kaum Reaktionen», wie der Südwestrundfunk tags darauf berichtet: «Die Polizeidirektion in Waldshut hat bislang vier Anrufe entgegengenommen. Einer davon kommt aus der Schweiz.» Die Ermittler gehen den Hinweisen nach – erneut erfolglos.

Nach Babyleichen-Fund: Hebamme fordert anonyme Geburten

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In der Schweiz gilt Meldepflicht für jede Geburt. Dies schreckt viele verzweifelte Schwangere ab und kann somit auch zu Taten, wie die gestrige, führen. Nun fordert eine Geburtshelferin die Legalität des anonymen Gebärens.



Erfolgsquote bei 41 Prozent

Auch bald ein Jahr nach dem Fund bleibt der Fall ungeklärt, wie Sandra Zuber, Sprecherin der Aargauer Oberstaatsanwaltschaft, auf Nachfrage der az bestätigt: «Konkrete Hinweise sind gestützt auf die Sendung Aktenzeichen XY nicht eingegangen.»

Der Fall sei bei der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach aber nach wie vor hängig. Es laufen weiterhin Untersuchungshandlungen.

Der nächste Aargauer Fall bei «Aktenzeichen XY ungelöst» dürfte der Vierfachmord von Rupperswil sein. Derzeit laufen Abklärungen für die Produktion, ins Fernsehen kommen könnte der Fall frühestens im August.

Bisher ist der brutale Mord trotz diverser Hinweise aus der Bevölkerung ungelöst. Ob sich dies dank «Aktenzeichen XY» ändert? Dafür gibt es zumindest Hoffnung, die Erfolgsquote wurde zur 500. Sendung im Jahr 2015 mit 40,7 Prozent angegeben.