Radio-/TV-Gesetz
AZ-Verleger Wanner: "50% der Bevölkerung mit SRG-Leistung nicht zufrieden"

Regionale TV-Sender erhalten nach dem Volks-Ja mehr Geld. Davon profitiert Tele M1, das zu den AZ Medien gehört. Was sagt der Verleger Peter Wanner zu SRG-Abstimmung?

Mathias Küng
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Medienministerin Doris Leuthard hatte unter anderem mit dem Hinweis für das neue Radio- und TV-Gesetz geworben, dass dann auch die regionalen Fernsehstationen mehr Mittel bekommen. Der Aargauer Souverän hat die Vorlage gleichwohl wie die meisten Deutschschweizer Kantone knapp abgelehnt, das Schweizervolk hingegen hat ihr hauchdünn zugestimmt.

Was bedeutet das jetzt für den Sender Tele M1 der AZ Medien? Verwaltungsratspräsident Peter Wanner, der auch dieses Onlineportal herausgibt, war für die Vorlage, «weil ich gesehen habe, was diese für unsere beiden TV-Sender Tele Bärn und Tele M1 bedeutet. Tele Züri ist gebührenfrei, dieser Sender lebt nur von Werbung. Die andern beiden werden aber nach dem Ja ab etwa 2018 zusätzlich je rund eine Million Franken erhalten. Diesen schönen Zustupf können wir in Programmqualität investieren.»

Lässt sich schon sagen, was die Sender zusätzlich bieten werden? Wanner bremst: «Wir haben die Abstimmung abgewartet. Natürlich haben wir eine Idee, die Programme noch reichhaltiger zu gestalten. Wir nutzen jetzt die nächsten zwei, drei Jahre, um diese konkret auszuarbeiten.»

Wanner freut sich über das Ja, aber auch über den hohen Nein-Stimmen-Anteil. Wie geht das auf? Wanner: «Der hohe Nein-Anteil zeigt, dass die Hälfte der Bevölkerung mit der Leistung der SRG nicht mehr zufrieden ist.»

Am Abstimmungssonntag sagte Bundesrätin Leuthard in Bern, die Diskussion über den Service public der SRG komme jetzt «in aller Tiefe». Das ist genau in Wanners Sinn. Es sei zu klären, was überhaupt Service public ist, ob nur die SRG oder ob auch private Medien einen solchen erbringen dürfen, fordert Wanner. Die SRG sei viel zu stark, habe zu viele Sender und mache auch online zu viel. Man müsse sie redimensionieren.

Möglich sei, einen Teil der Gebühren an Private umzuverlagern, neue Leistungsaufträge für Private auszuschreiben, damit sich ein echter Wettbewerb ergebe. Eine andere Möglichkeit wäre aus seiner Sicht, «dass die SRG ganz auf Werbung verzichtet und nur gebührenfinanzierten Service public erbringt». Das liefe nach skandinavischem Vorbild auf ein duales System hinaus: Ein System, in dem die SRG ausschliesslich mit Gebühren und Private mit Werbung finanziert werden. Dann erst habe man auf beiden Seiten gleich lange Spiesse.

Der Verwaltungsratspräsident der AZ Medien fordert deshalb den Bundesrat auf, ein neues Mediensystem zu entwickeln. Dabei könnte man auch prüfen, ob man die Printmedien, die ja ebenfalls Service public erbringen, ohne dafür aus dem Gebührentopf etwas zu erhalten, ins Radio-TV-Gesetz integrieren soll oder nicht.