Herr Wüstmann, die AZ Medien haben 2015 knapp 250 Millionen Franken Umsatz gemacht, aber nur 1,4 Millionen Gewinn. Warum?

Axel Wüstmann: 2014 haben wir noch 6 Millionen Franken Verlust gemacht – 1,4 Millionen Gewinn sind ein klarer Fortschritt. Wichtiger noch: Das operative Geschäft ist mit 28 Millionen Betriebscashflow und einer Umsatzrendite von 12 Prozent gesund. Der Grund für den niedrigen Gewinn liegt in den hohen Investitionen, die wir getätigt haben.

Was erwarten Sie für 2016?

Das Jahr hat schwierig begonnen, die konjunkturelle Lage ist uneinheitlich. Wir gehen von eher leicht rückläufigen Umsätzen aus.

Wie wird sich das Online-Portal Watson verändern, nachdem Gründer Hansi Voigt das Projekt verlassen hat?

Watson bleibt das innovative, urbane, etwas freche Mobile-Newsportal. Über die nächsten Jahre werden wir sicherlich noch grössere Entwicklungsschritte machen. Was genau das sein wird, kann ich Ihnen heute noch nicht sagen. Watson hat jedenfalls noch Potenzial.

Verleger Peter Wanner und CEO Axel Wüstmann im Gespräch.

Verleger Peter Wanner und CEO Axel Wüstmann im Gespräch.

Wann wird Watson Gewinn schreiben?

Nach aktueller Planung in rund drei Jahren. Das mit dem Gewinn ist so eine Sache: Was wir verdienen, investieren wir gleich wieder, weil der Online-Newsmarkt hart umkämpft ist.

Abgesehen von watson: Wie entwickelt sich das Online-Geschäft der AZ Medien?

Wir wollen das führende digitale Medienhaus in der Nordwestschweiz werden. Entsprechend wollen wir mit unseren Marken die besten digitalen Angebote in der Region bieten. Diesem Ziel sind wir einen grossen Schritt näher gekommen: Wir erreichen alleine mit dem Online-Angebot unserer Tageszeitung eine Million Menschen pro Monat – doppelt so viel wie vor drei Jahren. Damit sind wir die regionale Tageszeitung mit der grössten digitalen Reichweite in der Schweiz. Print und online kombiniert erreichen wir so viele Menschen wie noch nie. Darauf wollen wir aufbauen.

Welche Auswirkungen hat die neue Vermarktungsorganisation «Admeira» von SRG, Swisscom und Ringier auf die AZ Medien?

Sie hat Auswirkungen auf den gesamten Schweizer Medien- und Werbemarkt. Auf der einen Seite entsteht Marktverzerrung, wenn ein gebührenfinanziertes Unternehmen wie die SRG exklusiv mit dem privaten Medienhaus Ringier kooperiert. Auch der Zugang zu Swisscom-Daten könnte für Nicht-Partner schwierig werden; sonst hätte «Admeira» ja keinen Vorteil. Auf der anderen Seite entsteht auch neuer Wettbewerb, etwa in der Vermittlung von TV-Werbung. Da ist «Admeira» ein weiterer Anbieter.

Werden die AZ Medien nun auch mitmachen?

Wir prüfen immer alle Optionen. Das werden wir auch in diesem Fall tun.

Die AZ Medien haben 2014 antizyklisch in eine neue Druckmaschine investiert. Wie läuft sie?

Bis dato sind wir sehr zufrieden mit der Investition, abgesehen von den Schwierigkeiten bei der Inbetriebnahme. Wir konnten zahlreiche neue Kunden gewinnen, die Auslastung stimmt uns positiv.

Die AZ Medien lancieren TV-Sender um TV-Sender. Was steckt dahinter?

In der Schweiz ist der TV-Konsum heute nur halb so gross wie in den Nachbarländern – da besteht Potenzial. Das Programmangebot aber nimmt rasant zu, viele TV-Boxen liefern bereits mehr als 300 Sender. Da können Sie nicht mit einem einzigen Sender bestehen. Deshalb haben wir unser nationales Angebot mit TV24 und TV25 deutlich ausgebaut. Gemeinsam mit den Regionalsendern Tele Züri, TeleBärn und Tele M1 erreichen wir täglich mehr als 600 000 Zuschauer. Damit sind wir der grösste private TV-Anbieter der Schweiz.

Welche Pläne haben Sie mit dieser Zeitung?

Sie ist unser Zugpferd, publizistisch und wirtschaftlich – sie macht rund 40 Prozent unseres Geschäftes aus. Sie ist die Stimme der Region und gemeinsam mit der «Schweiz am Sonntag» auch über die Region hinaus. Diese Stellung wollen wir ausbauen. Und zwar auf allen Kanälen.