170. Generalversammlung

AZ Medien: Auf dem Weg zu einer Million Lesern und zur Nummer 3 der Schweiz

An der Generalversammlung der AZ Medien auf Schloss Lenzburg zeigte sich, warum Verleger Peter Wanner über seinen Schatten springen musste, welche Folgen der Zusammenschluss mit den NZZ-Regionalmedien mit sich bringt und wieso die Ehe der beiden Medienhäuser lang dauern wird.

Ein Thema prägte die 170. Generalversammlung der AZ Medien: das Joint Venture mit den NZZ-Regionalmedien. Oder wie es Verleger Peter Wanner vor den rund 200 Aktionären im Rittersaal auf Schloss Lenzburg formulierte: «Ein Meilenstein in der Geschichte der AZ Medien – so wie seinerzeit die Fusion zwischen Aargauer Tagblatt und Badener Tagblatt vor 22 Jahren.» Der bevorstehende Zusammenschluss – unter anderem mit der «Luzerner Zeitung» und dem «St. Galler Tagblatt» – ist das Ergebnis fünfmonatiger Verhandlungen.

Und, so räumte Peter Wanner ein: «Ich musste dabei über meinen Schatten springen.» Denn beim Joint Venture liege die Beteiligung bei je 50 Prozent. Das heisst: «Wir können nicht mehr alles allein entscheiden. Der Partner sitzt jetzt mit am Tisch.»

Wie das neue Unternehmen heissen soll, verriet Peter Wanner noch nicht. Der Name soll im Sommer bekannt gegeben werden. Dafür nannte der AZ-Verleger bereits einige Eckwerte des Joint Venture: Umsatz von rund 450 Millionen Franken, 400 000 Abonnenten, gegen eine Million Leserinnen und Leser. Kurz: «Wir sind jetzt die Nummer 3 – nach Tamedia und Ringier.»

Die Grösse der Leserschaft entspricht künftig ungefähr jener Zahl, die Tamedia mit ihren Tageszeitungen erreicht. Nach dem Kauf der «Basler Zeitung» habe das Zürcher Unternehmen allerdings die Nase wieder leicht vorne, sagte Peter Wanner. Auch die AZ Medien hätten die «BaZ» gerne von Christoph Blocher übernommen. Doch der Deal sei unter anderem an Preisforderungen gescheitert, wie Wanner erklärte.

«Wir verdoppeln das Potenzial»

Während die Aktionäre letztes Jahr noch erfreuliche Zahlen präsentiert bekamen, war am Freitagabend von einem «unbefriedigenden Resultat» die Rede. Diesmal erhalten sie keine Dividende ausbezahlt. Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahr um 17 Millionen auf 218,5 Millionen Franken; das Konzernergebnis weist einen Verlust von 1,6 Millionen Franken auf. Dazu beigetragen haben die Kosten bei der Einstellung der «Schweiz am Sonntag» sowie die Inbetriebnahme der neuen Druckmaschine in Derendingen.

Der Hauptgrund liegt jedoch bei den stark rückläufigen Werbeeinnahmen. Axel Wüstmann, CEO der AZ Medien, lieferte die Zahlen dazu: Innerhalb der letzten drei Jahre habe der Schweizer Printwerbemarkt rund einen Viertel der Erlöse verloren – einen Betrag von 420 Millionen Franken. «Das ist dramatisch». Wüstmanns Fazit lautete deshalb: «Es handelt sich im Wesentlichen um eine Printmedienkrise.»

Und genau dort liege auch der entscheidende Auslöser für den Zusammenschluss mit den NZZ- Regionalmedien. Zu dessen Folgen sagte Wüstmann: «Wir verdoppeln das Potenzial unseres Unternehmens. Ein Schritt, den wir niemals alleine hätten gehen können.»

«Diese Ehe wird lange dauern»

Die Auswirkungen in Zahlen: In den Wirtschaftsregionen Aargau/Nordwestschweiz, Luzern/Zentralschweiz und St. Gallen/Ostschweiz erreichen die Produkte der Medienhäuser künftig jeden zweiten der insgesamt drei Millionen Einwohner.

Peter Wanner zeigte sich überzeugt, dass die Zusammenarbeit mit den NZZ- Regionalmedien langfristig erfolgreich sein wird: «Diese Ehe wird lange dauern – nicht so sehr aus Liebe, sondern vor allem, weil es wirtschaftlich Sinn macht.»

Doch bevor es zur Hochzeit kommen kann, muss zuerst noch die Wettbewerbskommission (Weko) ihren Segen geben. Wann der Entscheid fällt, ist noch nicht bekannt. Zwischen einem Monat und vier Monaten dürfte es noch dauern, schätzt CEO Wüstmann. «Es ist schwierig, hier eine genauere Prognose zu geben.»

Offen ist auch, wie es mit dem traditionellen Veranstaltungsort der Generalversammlung weitergeht: Womöglich fand sie dieses Jahr zum letzten Mal im Rittersaal auf Schloss Lenzburg statt. Das operative Geschäft spiele sich künftig im Joint Venture ab, sagte Peter Wanner zum Schluss. «Es ist deshalb für alle Beteiligten, auch für die Aktionäre, nicht mehr die gleiche Situation.»

Autor

Manuel Bühlmann

Manuel  Bühlmann

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