US-Stromdeals

Axpo will in die USA expandieren – und erntet Kritik aus der Politik

Ein Strommast in Deutschland: Neu will sich die Axpo in ihrem Geschäftskreis nicht mehr auf Europa beschränken, sondern auch Stromdeals in den USA eingehen.

Ein Strommast in Deutschland: Neu will sich die Axpo in ihrem Geschäftskreis nicht mehr auf Europa beschränken, sondern auch Stromdeals in den USA eingehen.

Energiepolitiker haben zwar Verständnis dafür, dass der Stromkonzern Axpo nach neuen Geschäftsfeldern sucht. Doch die Meinung überwiegt, dass die Suche sich auf Europa zu beschränken habe. Das Risiko sei zu gross.

Der Stromkonzern Axpo will seine Präsenz im Stromhandel ausbauen. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtete, hat er mit dem Segen des Verwaltungsrats entschieden, 2015/16 in die USA zu expandieren. Ein klares Wachstumspotenzial habe die Axpo bei den sogenannten Originationgeschäften geortet. Das sind Energiedienstleistungen. Dazu gehört, für Grosskunden und Stromproduzenten individuelle Lösungen für die Vermarktung und Beschaffung von Strom, Gas und Energiezertifikaten anzubieten. Die geplante Expansion schreckt Politiker auf. Der Zürcher SVP-Kantonsrat Hans-Peter Amrein sagt im «Tages-Anzeiger»: «Diese Strategie ist hoch riskant.»

Wie tönt es im Aargau? Der Energiedirektor und Axpo-Verwaltungsrat Stephan Attiger erklärt und verteidigt den Axpo-Entscheid klar (vgl. Nachgefragt). Eine kleine Umfrage bei drei Mitgliedern der zuständigen Grossrats-Kommission fördert allerdings viel Skepsis zutage. SVP-Grossrat Martin Keller kündigt für die erste Parlamentssitzung nach den Sommerferien gar bereits einen politischen Vorstoss an.

Keller: «Höchst problematisch»

Martin Keller erachtet die US-Pläne als «höchst problematisch». Er habe schon Fragezeichen gesetzt, sagt er, als kürzlich die Übernahme der deutschen «Volkswind» durch die Axpo bekannt wurde: «In Deutschland hat man erkannt, dass die eigene Subventionspolitik gescheitert ist. Wäre die Firma hochrentabel, würde man sie nie in die Schweiz verkaufen.»

Für Keller ist sonnenklar: Mit Blick auf UBS, CS und auch ABB, die in den USA «einen Schuh voll herausgezogen haben, ist die US-Strategie für eine Firma, die im Besitz der Nordwestschweizer Kantone ist, problematisch, wenn nicht gar fahrlässig». Er reicht am 18. August eine Interpellation ein, in der er Aufklärung über Axpo-Investitionen und Geschäftstätigkeit verlangt.

Burkart: risikobehaftet

Die Axpo gehöre den Nordostschweizer Kantonen, betont auch Kommissionsvizepräsident Thierry Burkart (FDP). Sie habe «primär den Auftrag, diese Kantone mit elektrischer Energie zu versorgen». Angesichts der eingeschlagenen Energiewende in Deutschland und der Schweiz sei es für die Axpo kaum mehr möglich, in den angestammten Bereichen profitabel zu arbeiten.

Angesichts dessen habe er Verständnis, dass in Nachbarländern neue Geschäftsfelder gesucht werden müssen. «Allerdings», so Burkart, «ist eine Ausdehnung bis in die USA risikobehaftet und hat mit dem eigentlichen Versorgungsauftrag nichts mehr zu tun. Da bin ich sehr skeptisch.»

Wittwer: Ja zu Innovation, aber...

Kommissionsmitglied Hansjörg Wittwer (Grüne) begrüsst grundsätzlich, wenn die Axpo Innovation und unternehmerischen Mut beweist. Die Axpo schreibe aber in ihren Visionen: «Wir sind ein schweizerisches Energieunternehmen und stehen für Sicherheit, Qualität und Langfristigkeit. Wir sind deshalb lokal verankert und international abgestützt.»

Die geplante US-Erweiterung widerspreche diesen Grundsätzen. Wittwer fordert: «Der Geschäftsbereich soll aus heutiger Sicht auf Europa beschränkt bleiben. Diese Einschränkung macht Sinn, denn die Risiken in diesem schwierig einzuschätzenden Umfeld sind schwer abzuschätzen. Meine Zurückhaltung gegen die Expansion ist insofern schwierig zu begründen, da die Axpo ja jetzt schon grosse Teile von Europa, offenbar erfolgreich, mit Origination-Büros betreut. Aber eben, das kann sich rasant ändern!

Es bleibe die Forderung, dass die Axpo sich strukturell dringend reorganisieren soll, denn sie habe die Ziele und Strategien der Eigentümerkantone und des Bundes (Energiestrategie 2050) vollumfänglich umzusetzen. Wittwer weiter: «Es bleibt auch die Hausaufgabe, dass sie sich, aktiv und in erster Linie, um die Umsetzung der Energiewende in der Schweiz bemühen soll.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1