Gaskraft
Axpo-CEO Heinz Karrer plant drei grosse Gaskraftwerke

Mit ihrer neuen Energiestrategie plant die Axpo auch drei neue Gaskraftwerke, «zwei im Inland und eines im Ausland», wie Axpo-CEO Heinz Karrer verrät.

Hans Lüthi
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Gas-Kraftwerk Irsching im bayrischen Vohburg.

Gas-Kraftwerk Irsching im bayrischen Vohburg.

Aargauer Zeitung

Aufhorchen lässt die Grössenordnung von total 1200 Megawatt Leistung, denn das entspricht genau dem grössten Atomkraftwerk Leibstadt. Ein grosses Gaskraftwerk hat 400 Megawatt Leistung und übertrifft damit die Einzelleistung der AKW Beznau 1 und Beznau 2 mit ihren je rund 365 Megawatt.

In den nächsten fünf Jahren sind keine Gaskraftwerke geplant, «aber als Option werden sie in Betracht gezogen», sagt Axpo-Mediensprecherin Daniela Biedermann auf Anfrage. Sie bestätigt damit, dass Gas-Kombikraftwerke «bei Bedarf von Grosskraftwerken zur Stromversorgung bis 2030 im Plan» sind. Voraussetzung bilde die Anbindung an das Emissionshandelssystem Schweiz-EU.
Einbindung in das Stromnetz
Bauprojekte sind noch keine in Sicht, die Axpo äussert sich vorsichtig: «Zur Schliessung der drohenden Versorgungslücke könnte in späteren Jahren der Bau von Gas-Kombikraftwerken gegebenenfalls notwendig sein.» Dazu müssten aber auch «die politischen Rahmenbedingungen stimmen».

Konkrete Standorte für die Gaskraftwerke in der Schweiz mag die Axpo keine nennen, aber die Kriterien dafür: Nähe zur Industrie und zu grossen Gaspipelines, Einbindung in das Stromnetz und die Abfuhr der Wärme. «Diese Analyse müssen wir zuerst abschliessen, bevor wir konkrete Standorte nennen.»
Eine Million Tonnen CO2
Brisant an den Plänen für drei Gaskraftwerke ist die Leistung von 1200 Megawatt auch deshalb, weil sie fast dem gestrichenen Ersatz-Kernkrafwerk Beznau 3 entspricht. Statt mit Uran wird der Strom dann mit Gas produziert. Mit dieser Folge: Bei 6000 Betriebsstunden im Jahr entsteht durch eine 400-Megawatt-Anlage 1 Million Tonnen CO2. Das entspricht 2,5 Prozent des landesweiten CO2-Ausstosses, bei zwei Kraftwerken sind es 5, bei drei Kraftwerken wären es 7,5 Prozent. Falls die Kompensation nicht primär im Ausland erfolgen kann, wird der Strom aus Gaskraftwerken laut Axpo zu teuer.
Der Axpo-Verwaltungsrat hat sich sehr intensiv mit der künftigen Versorgungssicherheit befasst und lange darüber diskutiert. Gelingen könne der Kraftakt nur mit genügend Kapazität erstens in der Produktion von Strom, zweitens bei den Netzen und drittens bei der Speicherung. Die nötigen Regulierungen müssten durch die Politik erfolgen, betont Heinz Karrer, der als CEO die Axpo Holding seit bald zehn Jahren leitet. Der Bundesrat will noch vor den Sommerferien das Paket aufschnüren, dessen Inhalt das Fundament für die grosse Energiewende bildet. Viel Spannung erzeugt die Frage, was das Parlament dann als machbar erachtet.
Jederzeit genügend Strom
Weil die Axpo durch die Besitzerkantone dazu verpflichtet wird, die Stromversorgung jederzeit sicherzustellen, plant sie ein Bündel von Massnahmen: Bis 2030 soll die Leistung der Wasserkraft um 400 Megawatt gesteigert werden. In die Atomkraftwerke - primär Beznau und Leibstadt - werden jährlich 100 Millionen Franken investiert, «damit sie möglichst lange sicher produzieren können». Aber auch die erneuerbaren Energien sollen im künftigen Strommix einen noch deutlich grösseren Anteil haben, die Axpo rechnet neu mit 5 statt 2,2 Terrawattstunden (TWh) pro Jahr.

Das ist nur dank grösseren Investitionen im Ausland möglich, auch in Windparks. Und schliesslich die drei Gaskraftwerke mit 1200 Megawatt Leistung. Das betrifft nur die Produktion, aber auch bei den Netzen gibt es einen massiven Nachholbedarf - mit 39 Projekten allein bei der Hochspannung. Die Axpo will in 20 Jahren 20 Milliarden Franken investieren.

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