Schon jetzt billiger
Autos, Sofas, Kopfsalat – hier rutscht der Preis im Aargau

Der Euroabsturz schüttelt die Schweiz heftig durch und verstärkt auch bei Aargauer Händlern die Angst vor dem Einkaufstourismus. Zahlreiche Branchen haben deshalb bereits reagiert und beteuern, den «Währungsvorteil an die Kunden weiterzugeben».

Sarah Serafini, Tommy Richner, Peter Brühwiler
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Link: Druckfrisch und ab Donnerstag in der Ausstellungshalle: Möbel Hubacher wirbt mit Bannern für die verbilligten Euro-Möbel.

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Jiri Reiner/Tommy Richner

Besonders im Fokus stehen die Autohändler, die abgesehen von den Serviceleistungen ein reines Importprodukt verkaufen.

Die Wohler Auto Kunz AG etwa senkte nach dem Nationalbank-Entscheid umgehend die Preise der meisten Fahrzeuge. Neuwagen sind jetzt bis zu 50 Prozent unter dem Listenpreis erhältlich. «Den Währungsvorteil haben wir auch schon vor dem aktuellen Kurssturz direkt an unsere Kunden weitergegeben», sagt der Geschäftsleiter Roger Kunz. «Nach letztem Donnerstag wollten wir jedoch noch mal einen draufsetzen.»

Konkret sieht das folgendermassen aus: Der Listenpreis für einen Peugeot 508 SW 1.6 e-HDI Active Combi beträgt 43 400 Franken. Schon vor der Aufhebung des Euro-Mindestkurses kostete dieses Modell bei Auto Kunz nur 24 977 Franken. Danach ging der Preis nochmals um 3000 Franken runter, was einer Reduktion von weiteren 12 Prozent entspricht.

Anders als Direktimporteur Kunz haben die Generalimporteure wie Amag und Emil Frey noch keine Preissenkungen kommuniziert. Hugo Knoblauch, Geschäftsführer der Garage F. Eggenberger in Kölliken, geht aber davon aus, dass die Amag mit den Herstellern «schnell eine Lösung findet». Zwar könnte Knoblauch die Preise auch ohne Unterstützung der Amag senken, «aber die Marge ist bereits so klein, dass ich schnell drauflegen müsste».

Konsequenz: Viele potenzielle Käufer warten erst einmal ab. Bereits vorbei ist diese Wartephase für die Mercedes-Kunden, die vom Werk aus Stuttgart auf Neubestellungen einen Währungsnachlass von 18 Prozent erhalten. Nach dem Eurosturz seien viele Verkaufstermine abgesagt worden, sagt ein Mercedes-Händler auf Anfrage. Jetzt rechnet er mit einer Normalisierung der Lage: «Es ist gut, dass Mercedes schnell reagiert hat.»

Wohnwagen zum Europreis

Schnell reagiert und die Preise gesenkt hat auch Theo Strebel vom Strewo Camper Shop in Waltenschwil. Zwar hat er den aktuellen Bestand von 70 Fahrzeugen noch zum hohen Eurokurs eingekauft, «aber um konkurrenzfähig zu bleiben, musste ich einfach handeln» — auch wenn dabei die Marge draufgeht. Statt wie angeschrieben für 20 105 Franken verkauft er etwa den Südwind-Wohnwagen von Knaus für 17 533 Euro, was bei einer Euro-Franken-Parität einem Rabatt von 13 Prozent gleichkommt.

Möbel: tägliche Anpassung

Im selben Bereich bewegt sich die Möbelbranche — wobei hier zu teuer eingekaufte Lagerbestände weniger ins Gewicht fallen. Möbel Hubacher gewährte Stand gestern auf alle Möbel aus dem Euroraum einen Rabatt von 12 Prozent. Künftig soll der Rabatt täglich an den aktuellen Euro-Kurs angepasst werden.

Auch Möbel Pfister verbilligt seit Freitag alle Möbel, die aus dem Euroraum stammen. So kostete das Sofa Rolf Benz 50 gestern 4772 statt 5669 Franken. Und das Möbelhaus Strebel in der Aarauer Altstadt empfängt seine Kunden unter dem Motto «Zünftig sparen — mit Euro zahlen». Um günstig einzukaufen, müsse man «nicht ins Deutsche fahren», sagt Geschäftsführer Patrik Westermann.

Apotheken machen nicht mit

Unverändert bleiben die Preise in Apotheken und Drogerien. Diverse angefragte Filialen im Kanton Aargau geben an, noch nichts von dem tiefen Eurokurs zu spüren. Preissenkungen habe man keine vorgenommen. Auch Kleiderketten wie H&M, Vögele oder Schild sagen, dass der Euro bisher keine Auswirkung auf die Preise hatte.

Bereits spürbar ist der tiefe Euro dafür bei Grossverteilern. Aus dem Euroraum importierte Waren werden in der Migros und im Coop im Kanton Aargau in Zukunft zu tieferen Preisen erhältlich sein. Davon betroffen sind vor allem Markenprodukte wie beispielsweise Nivea, Gillette oder Mars.

Da die Migros mehr Eigenmarken aus der Schweiz vertreibt als der Coop, wird Letzterer wohl mehr von Preissenkungen betroffen sein. Bei Frischprodukten, wo die Lagerbestände klein sind, profitieren Konsumenten schneller von billigeren Preisen. Beim Coop kostet ein aus dem Euro-Raum importierter Kopfsalat jetzt 13 Prozent, Peperoni 14 Prozent und Knoblauch 17 Prozent weniger. Auch Pouletfleisch, Frischfisch, Molkereiprodukte, Importbier, Weine, Konserven oder Babynahrung werden bald günstiger erhältlich sein.

Etwas länger sind die Importzyklen bei Weinen. Der Weinkeller Riegger mit Sitz in Birrhard wird das gelagerte, zum höheren Eurokurs eingekaufte Sortiment trotzdem nicht verbilligen. Gastronomen werden deshalb nicht scharenweise im Ausland einkaufen gehen. Denn wer dort grössere Weinmengen einkaufen will, braucht den Status eines Weinhändlers.