Verkehrssicherheit

Auto vorführen: Stassenverkehrsamt überlastet – jetzt werden Regeln gelockert

Das Strassenverkehrsamt im Aargau ist seit Jahren überlastet. (Symbolbild)

Das Strassenverkehrsamt im Aargau ist seit Jahren überlastet. (Symbolbild)

Seit Jahren kommt das Strassenverkehrsamt Aargau nicht nach mit der Prüfung von Autos. Eine neue gesetzliche Vorgabe ab 2017 gibt den Testzentren etwas Luft. Die Ämter konzentrieren sich jetzt vorab auf Lieferwagen und Anhänger.

Eigentlich müsste ein neues Auto in der Schweiz nach vier Jahren zum ersten Mal vorgeführt werden. Diese gesetzliche Vorgabe wird aber nicht eingehalten, die Erstprüfungen erfolgen später als vorgeschrieben. 2014 schlug der Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS) deshalb Alarm. Dass in der Schweiz 1,3 Millionen Autos ungeprüft unterwegs waren, bezeichnete der Verband als «unhaltbare, gefährliche Situation».

Beim Strassenverkehrsamt Aargau wurde ein neues Auto damals im Schnitt nach rund fünfeinhalb Jahren zum ersten Mal geprüft. Mehr als 67 000 Autos wurden erst nach der gesetzlichen Frist vorgeführt, weil die Prüfkapazitäten fehlten. Amtsleiter Johannes Michael Baer betonte damals aber, dies habe keinen negativen Einfluss auf die Verkehrssicherheit.

Auto Gewerbe Verband baut aus

Neben dem kantonalen Strassenverkehrsamt in Schafisheim führen im Aargau auch der Auto Gewerbe Verband (AGVS) in seinen zwei Testzentren in Kleindöttingen und Zofingen sowie der TCS in Brunegg durch. Kürzlich weihte der AGVS in Zofingen neue Büroräumlichkeiten ein. Toni Mancino, Präsident der Genossenschaft AGVS Testcenter, zeigte in der Begrüssung auf, weshalb der Anbau realisiert werden musste: «Die ständig steigende Zahl der Fahrzeugzulassungen führte dazu, dass wir in den letzten Jahren immer mehr Autos geprüft haben. Dies mit der Folge, dass wir immer mehr Personal und neue Büroarbeitsplätze benötigen.»

Strassenverkehrsamt-Chef Baer bezeichnete die Zusammenarbeit mit dem AGVS bei der Einweihung als sehr wertvoll: «Dank dieser fruchtbaren Kooperation ist der Überhang der zu kontrollierenden Fahrzeuge massiv zurückgegangen.» Trotzdem werde den Fahrzeugprüfern die Arbeit kaum ausgehen, «denn täglich kommen neue Autos auf die Aargauer Strassen». Ausserdem müsse auch jeder Occasionswagen vor dem Wiederverkauf geprüft werden, damit er überhaupt eine Chance habe, verkauft zu werden.

Eine Fahrzeugprüfung im Strassenverkehrsamt Schafisheim

Eine Fahrzeugprüfung im Strassenverkehrsamt Schafisheim

Sie wissen nicht so genau, wie die Fahrzeugprüfung funktioniert und was da alles auf Sie zukommt? Das Strassenverkehrsamt hat einen Film zum Thema Fahrzeugprüfung realisiert.

Rückstand teilweise aufgeholt

Hat sich der Stau bei den Fahrzeugprüfungen also aufgelöst? Baer relativiert auf Anfrage: «Bei den Personenwagen haben wir den gleichen Stand wie vor drei Jahren, über sämtliche Fahrzeugkategorien gesehen, hat sich der Überhang aber deutlich reduziert.» Ein Grund dafür ist laut Baer, das das Strassenverkehrsamt im Jahr 2014 vier neue Prüfexperten einstellen und die Zahl der Prüfungen damit steigern konnte. Zudem hätten auch die externen Prüfstellen von AGVS und TCS erfreulicherweise mehr Prüfungen durchgeführt.

Tatsächlich wurden 2013 in den AGVS- Zentren rund 30 000 Fahrzeuge geprüft, im laufenden Jahr werden es gemäss dem Medienbeauftragten Chris Regez in Kleindöttingen und Zofingen zusammen ungefähr 43 500 Autos sein. Das ist nahe an der Kapazitätsgrenze, die laut Regez am «aktuellen Personalbestand und der heutigen Infrastruktur» bei rund 45 000 Autos pro Jahr liegt. Um noch mehr Fahrzeuge zu prüfen, müsste der AGVS ausbauen.

Toni Mancino vom Testcenter sagte bei der Büroeinweihung: «Geht die Entwicklung so weiter, werden wir im Testcenter in Zofingen in einigen Jahren vielleicht eine dritte Prüfungsbahn einrichten.» Mediensprecher Regez sagt auf Nachfrage, dies sei ein Zukunftsprojekt und genaue Zahlen lägen noch nicht vor. «Eine dritte Bahn könnte aber eine Steigerung um rund 10 000 Fahrzeugprüfungen pro Jahr ergeben», rechnet er vor.

Erstprüfung ab Februar 2017 später

Vorerst wird sich der Druck auf die Prüfzentren indes reduzieren. Ab Februar 2017 müssen Autos erstmalig nach fünf Jahren, spätestens bis zum sechsten Jahr, dann nach drei und danach alle zwei Jahre eine Prüfung durchlaufen. «Dies wird den Überhang der ungeprüften Personenwagen beim Strassenverkehrsamt Aargau deutlich reduzieren», sagt Johannes Michael Baer. Konkret werde sich die Zahl der Autos, die pro Jahr kontrolliert werden muss, einmalig um 12 000 bis 15 000 reduzieren.

Baer geht davon aus, dass der Aargau mit der Infrastruktur des Kantons in Schafisheim und den Partnerorganisationen AGVS und TCS «die vom Bund geforderten Prüfintervalle in Zukunft einhalten kann». Aber ist die Sicherheit gewährleistet, wenn Autos später geprüft werden? Bereits vor zwei Jahren sagte Baer, die heutigen Autos seien technisch auf einem hohen Stand, «sie rosten kaum noch und die Hersteller geben oft Garantien von fünf bis sechs Jahren».

So hat sich das Strassenverkehrsamt in den letzten Jahren auch nicht auf Autos, sondern auf Lieferwagen und Anhänger konzentriert. «Es hat sich gezeigt, dass diese einem höheren Verschleiss unterliegen und oft mangelhaft unterhalten werden.»

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